Fenne

Fenner Freudenhaus nähert sich der Fertigstellung – Tag der offenen Tür geplant
Von Angelika Fertsch Veröffentlicht: Mittwoch, 24. Februar 2016, 17:10 Uhr

Der Betreiber des Bordells in Fenne will im Streit mit der Stadt Völklingen nicht klein beigeben. Er kämpft weiter um eine Nachtkonzession. Bürgern bietet er an, einen Blick in seinen Betrieb werfen zu können.

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Der Innenausbau des Bordells in Fenne steht kurz vor der Fertigstellung. Bei einer Begehung am Dienstag riecht es nach feuchtem Gips. Arbeiter schweißen, hämmern, streichen. Der Boden aus dunkelgrauem Schiefer ist noch abgeklebt, in drei Zimmern haben Handwerker unterschiedliche Farbnuancen aufgebracht, ein lichtes Grau-Blau sollen die Wände bekommen. Einzelne Bäder sind mit zartgrau-melierten Kacheln gefliest.

In zwei Wochen sollen die Möbel kommen, berichtet Norbert Kagarlizkij am Telefon. Er ist Geschäftsführer der Norik UG mit Sitz in Berlin und Düsseldorf, die mit finanzieller Unterstützung von Investoren das Bordell baut und betreibt. Nicht nur in Fenne : Nach eigenen Angaben baut und vermietet das Unternehmen 130 Zimmer vor allem in Nordrhein-Westfalen. Es investiert zudem in lukrative Immobilien.

Zum ersten Mal äußert sich der 32-jährige Firmenchef jetzt zu seinem Völklinger Projekt. Weit über eine Million Euro habe man investiert. Er kenne die Vorbehalte der Bürger im Ort. Und die der Politik. Mit Oberbürgermeister Klaus Lorig ( CDU ) habe er versucht, über die eingeschränkte Betriebszeit (siehe „Rückschau“) zu verhandeln – vergeblich. Gestern bestätigte die Stadt, dass sie bei ihrer Linie bleibt: „Ein Nachtbetrieb kann von der Unteren Bauaufsichtsbehörde (UBA) nach wie vor nicht genehmigt werden, da der Bebauungsplan zum Schutz des angrenzenden Wohngebiets flächenbezogene Lärmkontingente festsetzt, die durch den An- und Abfahrtsverkehr in der Nachtzeit überschritten werden.“ Eine Erweiterung des Betriebs in die Nachtzeit setze eine Änderung des Bebauungsplans voraus; darüber hätte der Rat zu entscheiden, teilte Pressesprecher Uwe Grieger mit.

Kagarlizkij sagt: „Wenn wir um 22 Uhr schließen müssen, heißt das, dass dann bei voll besetztem Haus 41 Damen buchstäblich auf der Straße stehen. Nacht für Nacht.“ Er hält es für unverständlich, dass das ursprünglich geplante Spielcasino eine Konzession von zehn bis vier Uhr erhalten habe, das Bordell jedoch nur eine eingeschränkte. „Eine Betriebsgenehmigung von elf bis vier Uhr wäre ein Kompromiss, mit dem wir leben könnten“, sagt er in Richtung Rathaus.

Den Bürgern möchte er die Ängste nehmen. Der ganze Betrieb spiele sich auf der rückwärtigen Seite ab. Bei einem Tag der offenen Tür kurz vor der offiziellen Eröffnung könnten sich alle Interessierten über das Haus informieren. Dann wolle er auch eine eigene Bürgerinitiative gründen, pro Bordell – Kagarlizkij ist es ganz ernst mit seiner Idee. Er sei sicher, „dass er in Völklingen 1000 Unterschriften dafür bekommt“.

„Ich betreibe das Objekt als Hotel“, erklärt Kagarlizkij. Mit Bar, Rezeption, angeschlossenem Restaurant, das von einem Caterer beliefert werde. Jedes Zimmer habe Bad, Fernseher, Bett und Schrank. 60 bis 130 Euro, das sei marktüblich, berechne er pro Nacht und Zimmer. Von dem Etablissement profitiere auch die Stadt, die Vergnügungssteuer und Gewerbesteuer kassiere – Kagarlizkij überschlägt schnell die Zahlen und kommt auf 80 000 Euro monatlich. „Ich kann Herrn Lorig natürlich nicht bei eingeschränktem Betrieb die komplette Vergnügungssteuer überweisen“, fügt er hinzu.

Etwa zehn Arbeitsplätze entstünden dauerhaft auf dem Gelände. Außerdem sollen in Zukunft, das Projekt ist ganz neu, auch eine Imbisshalle, drei Kneipen, Billardcafé und eine Spielhalle mit zwölf Automaten dazu gehören. Zu diesem Zweck solle der Anbau an der alten Glashütte, eine ehemalige Kistenfabrik, hergerichtet werden. Das Denkmalamt, sagt Kagarlizkij, prüfe das gerade.

 

Zum Thema:

Die Baugenehmigung für das Bordell war im Juni 2015 nur unter Auflagen erteilt worden. Demnach darf das Bordell nur von sechs bis 22 Uhr betrieben werden. Laut Oberbürgermeister Klaus Lorig ( CDU ) muss auch der Parkplatz zu diesem Zeitpunkt geräumt sein. Statt ursprünglich geplanter 60 Zimmer (samt Anbau) sind nur 41 erlaubt worden. Das Gebäude soll nur über einen rückwärtigen Parkplatz, also nicht von der Hausenstraße aus, zu erreichen sein. An der Hausenstraße darf es weder einen Zugang noch eine Werbeanlage geben. er
 
Dicht an dicht liegen die Zimmer in der ehemaligen Fenner Glashütte. Die einzigen Fenster zeigen zum Flur. Auf der Fläche vor dem denkmalgeschützten Gebäude sollen nach dem Willen des Investors Kneipen und ein Spielbetrieb entstehen (r.). Fotos (2): Becker & Bredel Foto:

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