Saarbrücken

Heute beginnt der Vorverkauf: Tipps zum Saarbrücker Filmfestival

Von Tobias Kessler Veröffentlicht: Samstag, 9. Januar 2016, 14:00 Uhr
Am Samstag um 14 Uhr beginnt mit der traditionellen „Blauen Stunde“ in der Galerie des Saarbrücker Filmhauses der Kartenvorverkauf für das 37. Filmfestival Max Ophüls Preis. Wir konnten bereits einige Filme aus dem Wettbewerb sehen. Hier einige erste Tipps, wo sich der Kartenkauf lohnt – und wo weniger.

Wird es ein guter Wettbewerb in diesem Jahr beim Ophüls-Festival, das vom 18. bis zum 24. Januar läuft? Einige Spielfilme und Dokumentationen, die wir vorab sehen konnten, deuten durchaus darauf hin. Herausragend ist die einzige Schweizer Produktion des Wettbewerbs, „Heimatland“, inszeniert von gleich zehn (!) Filmemachern. Die Endzeit droht in der Schweiz: Eine dunkle Wolke zieht sich über dem Land zusammen und stoppt just an den Grenzen – die stürmische Entladung könnte die Eidgenossenschaft schwer erschüttern. Der Film erzählt episodisch mosaikartig, dennoch aus einem Guss und sehr spannend von Panik, Hamsterkäufen, Plünderungen und auch dem Ende des Schweiz-Wunschklischees von Stabilität, Sauberkeit und Wohlstand. In dem Sturm scheint sich das kollektive schlechte Gewissen eines Landes zu entladen.

Eine der komödiantischen Filme ist „Ferien“ von Bernadette Knoller. Eine junge Juristin in der Sinnkrise strandet auf einer Nordseeinsel und sucht dort einen neuen Anfang. Charmant erzählt ist das, wirkt manchmal lässig improvisiert und ist mit leichter Hand inszeniert; Detlev Buck , der Vater der Regisseurin, und Schriftsteller Ferdinand von Schirach komplettieren das bunte Personal des Films, dessen Skurrilität manchmal aber allzu bemüht wirkt.

Max Zähles „Schrotten!“ erzählt komödiantisch vom letzten Aufbäumen eines Schrotthändler-Clans gegen einen übermächtigen Konkurrenten – und von der späten Wiedervereinigung zweier entfremdeter Brüder. Das Drehbuch ist etwas schematisch angelegt und kredenzt ein recht konstruiertes Wohlfühl-Ende, aber die flotte Inszenierung und die guten Darsteller machen das meist vergessen.

Polarisieren wird Stephan Littgers in New York gedrehter Spielfilm „Her composition“. Eine Komponistin in der Schaffens- und auch in der persönlichen Finanzkrise beginnt, als Edel-Callgirl zu arbeiten – aus ihren teilweise demütigenden Erfahrungen gewinnt sie eine neue Kreativität und erschafft ihr persönliches Meisterwerk. Führt Erniedrigung also letztlich zum Musenkuss? Oder bedient sich die Musikerin einfach der Männer und macht sie so selbst zu Opfern? Der Film wird wohl lebhaft diskutiert werden.

Von der Unfähigkeit, eigene (Ur-)Ängste zu überwinden, erzählt Jonas Rothlaenders packender Film „Fado“. Ein junger Mann versucht in Lissabon, seine alte Liebe zurückzugewinnen; doch Eifersucht und Verlustangst sind seine Dämonen, derer er nicht Herr wird – zunehmend verliert er sich in schmerzhaften Untreuefantasien über seine Freundin. Luise Heyer und Golo Euler geben intensive Leistungen, während der Film mit der Pseudo-Gültigkeit von Bildern spielt. Was ist filmische Realität, was Hirngespinst?

Diese Frage zieht sich auch durch einen der ungewöhnlichsten und packendsten Werke des Spielfilmwettbewerbs: „Der Nachtmahr“ des Regisseurs und Bildenden Künstlers Akiz. Eine junge Frau wird nachts von einem merkwürdigen Wesen heimgesucht, einer Mischung aus Embryo und Elefantenbaby. Die überforderten Eltern glauben ihr nicht und setzen auf Psychologie. Ist das Ganze also das Trugbild einer Psychose oder Realität? Der Film hält das lange in der Schwebe, erzählt mit Atmosphäre, manchmal harten Schnitten und einigen Schreckmomenten.

Ans junge Publikum richtet sich Florian Schnells Komödie „Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel“ über einen PC-Spieler, der sich erstmals abseits des Tastatur in der realen Welt behaupten muss. Die optische Verbindung von Realfilm und PC-Ästhetik hat ihren Reiz, man muss als Zuschauer aber Toleranz mitbringen für manche Vorhersehbarkeiten und Holzhammer-Gags.

Ein Dokumentarfilm des Wettbewerbs führt nach Afrika, wo ein Entwicklungs-Projekt fast zu schön klingt, um wahr zu sein: In Ghana öffnet eine Flugschule, um junge Frauen zu Pilotinnen auzubilden – Leiter ist ein (weißer) Brite, der hier seinen Traum verwirklichen will: Menschen aus sozialer Misslage zu helfen und in Afrika zu leben, in das er sich scheinbar unsterblich verliebt hat. Doch Monika Grassls Doku „Girls don't fly“ erzählt vom Scheitern: wegen der Traditionen , nach denen Frauen weniger in die Luft denn in den Haushalt gehören; und nicht zuletzt wegen des Engländers, der es zwar gut meint – aber mit seinen Methoden (Drill, Zahlen statt Namen) agiert er wie ein militärischer Schleifer, dem Rassismus nicht abzusprechen ist. Er träumt den Traum des guten Weißen, der den Schwarzen hilft, weil sie es selbst nicht können. Ein Film mit vielen Zwischentönen.

„Blaue Stunde“: Am heutigen Samstag kann man ab 14 Uhr in der Galerie des Filmhauses (Mainzer Straße 8) Kataloge, Kinokarten, Festivalpässe und Eintrittskarten für das Rahmenprogramm kaufen. Zudem laufen Kurzfilme aus dem vorigen Festival. Der Eintritt ist frei. Karten für alle Festivalkinos gibt es ab der „Blauen Stunde“ im CineStar, Filmhaus und in der Camera Zwo. Informationen unter: www.max-ophuels-preis.de

 

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