Saarbrücken

Pflegekräfte aus Osteuropa schwarz beschäftigt: Saarbrücker Zoll kommt Pflegeagentur auf die Spur

Veröffentlicht: Freitag, 4. März 2016, 20:15 Uhr
Fahndern des Hauptzollamtes Saarbrücken sind zusammen mit spanischen Behörden den Betreibern einer angeblichen Pflegeagentur im Saarland auf die Schliche gekommen: Sie sollen osteuropäische Pflegekräfte beschäftigt und nicht ordnungsgemäß sozialversichert haben.

Ein Schlag gegen organisierte Schwarzarbeit ist Zollfahndern in Zusammenarbeit mit der spanischen Justiz gelungen. Das meldet das Hauptzollamt Saarbrücken.

Laut einer Mitteilung des Hauptzollamtes war eine im Saarland ansässige Pflegeagentur  Mitte 2014 ins Visier der Zollverwaltung geraten, weil sie rund 60 osteuropäische Pflegekräfte beschäftigt haben soll, ohne sie ordnungsgemäß zur Sozialversicherung anzumelden. Deshalb hatte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Saarbrücken bereits im Mai 2014 gemeinsam mit der Polizei und der Steuerfahndung mehrere Wohnungen und Büroräume im Saarland durchsucht.

Die Auswertung dieser Beweismittel führte die Ermittler daraufhin nach Spanien: Dort hatten die beiden Hauptbeschuldigten sich ein großes Anwesen gekauft. Es bestand der Verdacht, dass Gelder aus den illegalen Geschäften in Deutschland dort verwendet und Unterlagen versteckt wurden.

Deshalb wurde für das Anwesen in Spanien ein Durchsuchungsbeschluss beim Amtsgericht Saarbrücken erwirkt. Im Rahmen der internationalen Rechts- und Amtshilfe wurde die spanische Justiz mit der Vollstreckung beauftragt, so dass Mitte Februar die Guardia Civil (spanische Polizei) mit Beamten des Hauptzollamts Saarbrücken die spanische Villa des Paares durchsuchte. Das umfangreiche Beweismaterial, das dabei sichergestellt wurde, erhärtete den Vorwurf der Steuer- und Sozialabgabenhinterziehung und wurde dem deutschen Zoll zur weiteren Auswertung zur Verfügung gestellt.

Der bisher ermittelte Schaden beläuft sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Das Strafverfahren ist bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken

Hintergrund zum Verfahren:

Die vermeintliche Vermittlungsagentur ließ sich von den Pflegefamilien den üblichen Satz von 1.250 bis 2.500 Euro für Pflege- und Haushaltsleistungen bezahlen. Außerdem stellten die Drahtzieher jährlich eine Vermittlungsgebühr in Höhe von 900 Euro in Rechnung. Die osteuropäischen Pflegekräfte erhielten von der vermeintlichen Vermittlungsagentur für eine 24-Stunden-Betreuung hingegen nur 500 bis 700 Euro pro Monat „schwarz ausgezahlt“. Dadurch dass sie nicht angemeldet waren, verfügten sie außerdem weder über eine Kranken- noch über eine Pflegeversicherung.


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