Saarbrücken

Das Essen kommt fürs Erste von der "Lerch": JVA versorgt Flüchtlinge in Burbach
Von Frank Bredel Veröffentlicht: Montag, 8. Februar 2016, 17:45 Uhr

Flüchtlinge in der Burbacher Übergangsunterkunft freuen sich auf das Essen aus der Justizvollzugsantalt Lerchesflur. Fotos: Becker&Bredel
Sobald wie möglich sollen die Flüchtlinge in der Übergangsunterkunft im Ex-Gebrauchtbaumarkt für sich selbst kochen. Aber erst mal müssen sie lernen, wo sie welche Lebensmittel kaufen können. Und bis alle Bescheid wissen, liefert ihnen die Justizvollzugsanstalt Lerchesflur das Essen.

Flüchtlinge in der Burbacher Übergangsunterkunft freuen sich auf das Essen aus der Justizvollzugsantalt Lerchesflur. Fotos: Becker&Bredel Foto:
In den Burbacher AW-Hallen wohnen seit vorigen Mittwoch Flüchtlinge , darunter auch viele Familien mit Kindern. Die Feuerwehr hatte diese Notunterkunft in 48-Stunden aus dem Boden gestampft, weil die geplante neue Flüchtlingsunterkunft in der Hochstraße noch nicht ganz bezugsfertig ist und man für einige Tage einen „Puffer“ benötigt. Jetzt musste Essen für die Notunterkunft besorgt werden, da half das Gefängnis.

„Die Menschen kamen am Mittwoch an, da waren wir noch gar nicht ganz fertig mit dem Einrichten“, erzählte am vorigen Freitag Feuerwehrmann Uwe Bienmüller vor Ort, der auch die Essensausgabe koordinierte. Eine Küche wurde von der Feuerwehr eingerichtet, sie hat mehrere Kühlschränke und eine Reihe von Einzelkochplatten, doch es war unklar, ob die Neuankömmlinge direkt loslegen können. „Wir wussten nicht, ob sie Zutaten und Töpfe haben. Wir brauchten für die ersten Tage eine Absicherung“, sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Ingo Wagenknecht. Ziel sei es, dass die Flüchtlinge sich selbst versorgen, doch man müsse ihnen Zeit geben, sich zu organisieren. „Wir hatten schnell nach einer Möglichkeit gesucht, um diese Menschen zu verpflegen und Ausschau gehalten nach Stellen, wo ohnehin in größeren Mengen gekocht wird“, sagte Wagenknecht: „Wir dachten dann spontan an die Kantinen, die Schulverpflegung ausliefern, aber auch an die Justizvollzugsanstalt (JVA). Und von dort kam ein spontanes Okay.“

Das Saarländische Justizministerium teilte der SZ mit, dass man die Verpflegung über das Fastnachtswochenende von der Lerchesflur aus übernehme. Die Küche der JVA sprang kurzfristig ein und lieferte für die Neuankömmlinge Gulasch mit Reis und Salat aus und beachtete dabei auch die Essgewohnheiten der Muslime. Die kennt man im Saarbrücker Gefängnis ohnehin, weil es dort auch muslimische Insassen gibt und man jeden Tag für diese Menschen koche. Für die Flüchtlinge wurden die Portionen einfach aufgestockt, hieß es bei der Justiz. Der zuständige Minister Reinhold Jost erklärte, dass derzeit alle Behörden und Institutionen unbürokratisch zusammenarbeiteten. Das „Knastessen“ sah jedenfalls lecker aus, trotzdem traf es nicht jedermanns Geschmack. Einige winkten ab, die konnten sich dann aber selbst etwas zubereiten. Uwe Bienmüller und seine Kollegen hatten daher keine großen Debatten. Da in Burbach jedoch Menschen aus vielen Nationen wohnen würden, sei es normal, dass nicht jeder das Einheitsessen möge. Konflikte gab es deswegen keine. Eine Dolmetscherin bestätigte, dass die Stimmung ausgesprochen friedlich sei. Sie selbst wollte anonym bleiben. Die Feuerwehr wird nach den tolen Fastnachtstagen das JVA-Essen wieder einstellen, bis dann sollen die Familien dazu in der Lage sein, mit eigenen Zutaten selbst zu kochen. Die JVA-Lieferungen geben ihnen Zeit, einzukaufen. Die Unterbringung von zwei schwangeren Frauen in der Burbacher Notunterkunft sorgte am vorigen Freitag für Aufregung. Flüchtlingsbetreuer Khaled Yassin kritisierte, dass andere Familien schneller Wohnungen bekamen als die Schwangeren.

Stadtsprecher Robert Mertes erklärte dazu, dass am Freitagmorgen noch zwei Schwangere in Burbach wohnten. Die eine habe noch am Freitag eine Wohnung erhalten. Die andere habe aber ihren Mann und drei weitere Kinder dabei.

Deshalb habe die Stadt nicht sofort eine passende Wohnung für die gesamte Familie gefunden – aber ab diesem Dienstag sei nun eine verfügbar. Bis dahin sei die Familie in Burbach aber auch nicht einem der Zelteuntergebracht, sondern in einem separaten Zimmer.
Die schwangere Frau, die am Mittwoch mit ihrem Mann und drei Kindern in Burbach ankam, erhielt dort ein separates Zimmer. Foto:

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