Zweibrücken

Prozessauftakt zu bewaffnetem Raub bei Zweibrücker Juwelier Rohrbacher
Von Volker Baumann Veröffentlicht: Mittwoch, 7. September 2016, 09:30 Uhr

Die Täter stahlen Rolex-Uhren für 550 000 Euro. Foto: jam/Archiv
Foto: jam/Archiv
Am Landgericht hat der Prozess gegen einen Serben begonnen, der am Überfall auf das Zweibrücker Juweliergeschäft Rohrbacher beteiligt gewesen sein soll, bei dem Mitarbeiter und Passanten in Angst und Schrecken versetzt wurden. Zur Anklage schweigt der 40-Jährige.

Die Täter stahlen Rolex-Uhren für 550 000 Euro. Foto: jam/Archiv Foto: jam/Archiv
Nach dem bewaffneten Überfall auf den Zweibrücker Juwelier Rohrbacher am 25. November 2015 wurde gestern gegen einen der mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Zweibrücken der Prozess eröffnet. Die Anklage gegen den 40-jährigen Serben lautet auf gemeinschaftlich begangenen schweren Raub . Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Raubüberfall mit zwei noch Unbekannten begangen und dabei Uhren im Wert von 550 000 Euro erbeutet zu haben. Auf der Flucht durch die Fußgängerzone zum Fluchtauto wurden die Täter von Passanten verfolgt und schossen aus einer scharfen Waffe in die Luft. Im etliche Tage später in Homburg gefundenen Fluchtauto (zunächst waren die Täter, verfolgt von einem Auto der Zweibrücker Polizei , nach Frankreich entkommen) brachten DNA-Spuren Ermittler auf die Spur des Serben. Vor allem darauf gründet sich die Anklage.

 

Der 40-Jährige, laut Staatsanwaltschaft schon mit fünf verschiedenen Alias-Namen unterwegs, macht, so sein Verteidiger, keine Angaben zur Sache. In Handschellen in den Gerichtssaal geführt, wirkte der schlanke, Sportkleidung tragende Mann sehr selbstsicher, unbeeindruckt und gelassen. Er sei in Serbien geboren, habe dort Krankenpfleger gelernt und später mit gebrauchten Autos gehandelt. In Mailand sei er 2010 wegen eines angeblichen Überfalls festgenommen und zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Er sei allerdings nur „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen. 2005 sei er in Nürnberg wegen versuchten Diebstahls festgenommen und nach Serbien abgeschoben worden.

 

Zum Ablauf des Überfalls sagten gestern vor Gericht die ersten Zeugen aus. Ein Uhrmacher arbeitete kurz nach Ladenöffnung in der Werkstatt, als er plötzlich laute Stimmen hörte, die Tür regelrecht gestürmt wurde und eine total vermummte Person vor ihm stand. Nachdem die Person, die „Klitschko“-artige Gestalt gehabt habe, ihn weggeschubste, sei sie zielgerichtet ins Büro gerannt. Im wegen der Bearbeitung von Kommissionsware gerade geöffneten Tresor habe der Täter gezielt den Schubladen-Teil mit den Rolex-Uhren ausgeräumt.

 

Das blitzschnelle, zielgerichtete Vorgehen und das Geräusch des Einhämmerns von Vitrinen blieb auch vier weiteren Mitarbeiterinnen im Gedächtnis. Alle versuchten irgendwo Schutz zu finden, sei es unter einem Tisch, einer Theke oder in einer Ecke. So schnell der Überfall begonnen hatte, war er auch wieder beendet und die Täter flüchteten mit ihrer Beute, ausschließlich Rolex-Uhren.

 

Geschäftsführer Andreas Rohrbacher war gerade im ersten Obergeschoss, als auch er auf krachende Geräusche und lautes Hämmern aufmerksam wurde. Er dachte gleich an „etwas Schlimmes“, griff reflexartig einen Wasserbehälter, ging zur Treppe und warf ihn einer Person mit braunem Overall entgegen – in Verkennung der Tatsache, dass dies ein gerade in den Laden gekommener UPS-Bote war, dem allerdings nichts passierte. Eine zweite Wasserflasche habe er einem maskierten Täter entgegengeworfen. Dieser habe die Rolex-Vitrinen zertrümmert. Danach, so Andreas Rohrbacher, sei er selbst wieder in den ersten Stock gegangen und habe laut aus dem Fenster um Hilfe gerufen. Nach unten zurückgekommen, sei alles schon vorbei gewesen und er habe nur noch zerstörte Vitrinen, Scheiben und weinende Mitarbeiter vorgefunden. Es seien 72 Rolex-Uhren gestohlen worden. Der Schaden sei aber noch wesentlich größer, etwa durch Versicherungs-Auflagen und einen seitdem täglich eingesetzten Wachmann. Und nicht nur materiell sind die Schäden groß: Die betroffenen Mitarbeiterinnen hätten das Geschehen noch nicht verkraftet, einige seien bis heute in ärztlicher Behandlung.

 

Der Prozess wird heute um 9.30 Uhr fortgesetzt.

 

 

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