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«Die Partei» unterwandert AfD-Gruppen im Netz

Drei Wochen vor der Bundestagswahl hat die Spaßpartei des früheren «Titanic»-Chefredakteurs Martin Sonneborn mehrere geschlossene Facebook-Gruppen aus dem Umfeld der AfD infiltriert. «Die Partei» habe die Kontrolle über 31 AfD-Gruppen mit insgesamt rund 180 000 Mitgliedern, so die Satiriker.

Die Alternative für Deutschland (AfD) bestätigte am Montag die Aktion: In diesen geschlossenen Gruppen hätten sich zuvor Unterstützer und einzelne Mitglieder der AfD ausgetauscht, sagte AfD-Sprecher Christian Lüth. Sie hätten dort aber «keine besonders geheimen Inhalte» geteilt. «So ein alberner Scherz, das ist der Stil, den man von «Der Partei» kennt», fügte er hinzu.

Am Sonntag war auf den Seiten der betroffen Facebook-Gruppen ein Post aufgetaucht. Dazu hieß es: «Diese Gruppe steht ab sofort unter der Kontrolle der sehr guten Partei Die PARTEI. Es folgt eine Botschaft von Ihrem Reichspropagandaleiter.» In dem dazugehörigen Video erklärte der Satiriker Shahak Shapira: «Mein Team und ich haben die Gruppen vor elf Monaten infiltriert, nun übernehmen wir die Macht.»

«Von nun an werden sie ausschließlich von echten Menschen verarscht», erklärte Shapira mit Blick auf Vorwürfe, die AfD würde in sozialen Netzwerken automatisierte Software, sogenannte Bots, einsetzen. Nach Erfahrung von Shapira wurden die Gruppenseiten von Bots beziehungsweise von Fake Accounts bespielt. «Und was man zu sehen bekommt, ist jede Menge Hetze, Fake News oder Wahlwerbung für die AfD», sagte der 29-Jährige der dpa.

Aber wie konnte die Unterwanderung der Konten gelingen? Shapira und sein Team konnten sich nach eigenen Angaben mit Hilfe von Fake Accounts in die Szene einschleusen. «Durch Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen haben wir dann das Vertrauen der Gruppen-Administratoren gewonnen», erklärt er. Als sie dann selbst Admin-Aufgaben übernommen hätten, «haben wir die Gruppen etwas aufgehübscht, umgewandelt und öffentlich gemacht».

Am Sonntag wurden dann die vormals geschlossenen Gruppen in offene Gruppen umgewandelt und unbenannt. So wurde aus der Gruppe «Heimat-Liebe» die «Humus-Liebe». Und die nach AfD-Mitglied Alexander Gauland benannte «Gauland-Fangruppe» wurde die «Boateng-Fangruppe». Gauland hatte 2016 entrüstete Reaktionen hervorgerufen, als er mit Blick auf den Fußball-Profi Jérôme Boateng sagte: «Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.» Boateng hat ghanaische Wurzeln.

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sagte, bei der Gründung einiger AfD-Gruppen seien Fake Profile im Spiel gewesen. Die Aktion der «Partei» sei eine «witzige Idee, aber der Schuss, der geht so ziemlich nach hinten los», sagte sie am Montag in Berlin.

Shapira betonte, dass bei allem Spaß ein sehr ernsthafter Ansatz hinter der Aktion stecke. «Alles, was ich mache, hat eine gewisse Portion an Humor, aber das hier ist sicher nicht nur ein Witz.»

Facebook-Seite Die Partei

Boateng-Fangruppe auf Facebook

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