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Ein schwarzes Jahr

Was ist bloß gerade los auf dem Globus? Foto: Polizei Berlin

Was ist bloß gerade los auf dem Globus? Foto: Polizei Berlin

Was für ein Jahr. Die Silvesternacht von Köln, Terror in Brüssel und Nizza. Ein Amokläufer erschießt in München neun Menschen und versetzt eine Stadt in Angst.

In Freiburg wird eine junge Frau ermordet. Tatverdächtig: ein Flüchtling. Dann, wenige Tage vor Heiligabend: In Berlin rast ein Mann mit dem Lastwagen über den Weihnachtsmarkt und richtet ein Blutbad an.

Es ist kaum vorstellbar, was das für die Familien der Toten und für die Verletzten bedeutet. Wie wird dieser Anschlag das Land verändern? Was wird aus der Willkommenskultur, falls es ein Flüchtling war? Die Antworten kennt noch keiner.

Fest steht: Anschläge haben im Jahr 2016 etwas Ritualhaftes. Die Sondersendungen mit dem roten Balken im Fernsehen. Facebook, das die Nutzer aufruft, sich als «sicher» zu markieren. Die Angst bekommt im Internet ein Logo: «Pray for Berlin», bete für Berlin. Auch ein Ritual ist, dass die Rechten schimpfen: «Danke, Merkel». Die «Bahnhofsklatscher», die die Flüchtlinge mit Teddys empfingen, seien doch selbst schuld.

Dann die Stimmen der Besonnenheit: Unsere Gesellschaft soll frei und offen bleiben. Der Bundespräsident beschwört es: «Unser Zusammenhalt wird nicht schwächer - er wird stärker, wenn wir angegriffen werden.» Die Kanzlerin legt im schwarzen Mantel eine Schweigeminute ein. Abends leuchtet das Brandenburger Tor in den deutschen und den Berliner Farben. Die Bilder nach den Anschlägen ähneln sich.

Wächst die Routine im Schrecken? Was der Soziologe Andreas Schmitz von der Uni Bonn sagt, klingt nüchtern. «Sie sind wahrscheinlich schockiert, aber sind Sie auch überrascht?», fragt er am Telefon. «Das gehört zu unserer Welt heute dazu.» Es sei objektiv ein Kriegszustand, weil sich die andere Seite im Krieg fühle. Schmitz erwartet, dass sich Deutschland langfristig an den alltäglichen Terror gewöhnen muss. Düstere Aussichten.

Berlin hat schon im Sommer eine Trauerfeier erlebt. Bei dem Anschlag an der Promenade in Nizza wurden auch zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Charlottenburg getötet. «Alles fühlt sich falsch an», sagte der Domprediger damals. Kein halbes Jahr später wieder eine Trauerfeier, in der Gedächtniskirche. Sie wurde im Krieg zerstört und bewusst als Ruine belassen. Ein Symbol des Friedens.

Was ist bloß gerade los auf dem Globus? «30 Tage, die die Welt erschütterten», so hat die britische Zeitschrift «Guardian» im Sommer das Geschehen in einem beeindruckenden Video zusammengestellt, vom Brexit bis zum Putsch in der Türkei. Es kommen auch vor: die isländischen Fußballer bei der Europameisterschaft und der summende britische Premier David Cameron bei seinem Abgang. Es sind wenige heitere Momente in diesem dunklen Jahr. Der Talkshowmoderator John Oliver hat ein Video «Fuck you 2016» veröffentlicht, darin zeigen viele Leute dem Jahr den Stinkefinger.

Wie wird Berlin reagieren? Die Leute kehren, so traurig der Anschlag ist, zum Alltag zurück. Tourismuschef Burkhard Kieker sagt: «Sie wollen zeigen, dass die deutsche Hauptstadt ihr Leben, ihre Kultur und ihre Gastfreundschaft nicht von Einzelnen zerstören lassen will.» Angst vor dem Besuch von Großveranstaltungen müsse man nicht haben. Besonders die Silvesterfeier am Brandenburger Tor sei gut geschützt. Sie werde «einer der sichersten Orte der Republik».

Wenn die Nachrichten nicht noch schlimmer werden, könnte man noch zwei weitere Vorhersagen wagen: Die Schlange der Nachtschwärmer vor dem Club «Berghain» wird am Wochenende so lang sein wie immer. Und wenn der Zoo mal wieder schöne Bilder von seinem kleinen Eisbärbaby veröffentlicht, werden die Zeitungen das auf den Titel setzen.

Guardian-Video

Video John Oliver "Fuck 2016"

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