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Kohls Sohn kritisiert Pläne für Trauerfeiern und Begräbnis

Bestatter tragen in Oggersheim einen Sarg aus dem Haus von Helmut Kohl. Foto: Andreas Arnold

Bestatter tragen in Oggersheim einen Sarg aus dem Haus von Helmut Kohl. Foto: Andreas Arnold

Der ältere Sohn von Ex-Kanzler Helmut Kohl kritisiert die Pläne für die Trauerzeremonien und das Begräbnis seines Vaters. «Ich finde die bisherige Entwicklung unwürdig, für meinen Vater, für Deutschland und für Europa», sagte Walter Kohl der «Zeit».

An der geplanten Beisetzung in Speyer werde er nicht teilnehmen. Zur Begründung sagte der Kohl-Sohn, es sei eine falsche Entscheidung, dass sein Vater nicht im Familiengrab beerdigt werde. Walter Kohl würde sich außerdem einen Staatsakt am Brandenburger Tor wünschen.

Helmut Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben und anschließend dort aufgebahrt worden. Am Donnerstag hatten Helfer einen Sarg aus dem Haus getragen. Dabei soll es aber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur darum gegangen sein, Abläufe zu klären für die spätere Abholung des Sarges mit Kohls Leichnam vor den Trauerfeierlichkeiten am 1. Juli.

Kohls Leichnam soll sich nach dpa-Informationen noch immer im Haus in Oggersheim befinden. Vertraute der Familie hatten am Wochenende nach Kohls Tod erklärt, der Leichnam werde voraussichtlich bis zu den Trauerfeierlichkeiten dort bleiben. Nach dpa-Informationen ist das nach jetzigem Stand weiter so vorgesehen.

Zur Würdigung von Kohls politischer Arbeit ist am 1. Juli ein europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant. Kohl soll als erster Politiker überhaupt mit einer solchen Zeremonie auf EU-Ebene geehrt werden.

Direkt im Anschluss soll Kohls Sarg per Hubschrauber nach Deutschland gebracht und nach der Landung bei Ludwigshafen nach Speyer überführt werden. Dort ist im Dom am späten Nachmittag eine Totenmesse geplant und anschließend ein militärisches Abschiedszeremoniell. Danach soll Kohl beigesetzt werden. Kohl wird seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof in Speyer finden und nicht im Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen.

Walter Kohl heißt diese Planungen nicht gut. «Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer soll sein politisches Lebenswerk von seiner Frau Hannelore getrennt werden», beklagte er. Dabei habe seine Mutter Helmut Kohl über Jahrzehnte getragen. «Er selbst hat immer betont, dass sein Lebenswerk ohne seine Frau Hannelore nicht möglich gewesen wäre.» Deshalb fände er es richtig, wenn sein Vater an ihrer Seite im Familiengrab seine letzte Ruhe fände.

Der Kohl-Sohn sagte, er werde an der Beisetzung in Speyer nicht teilnehmen, «auch um jeden Eindruck zu vermeiden, ich würde dies gutheißen». Eine angemessene Würdigung des politischen Lebenswerkes seines Vaters liege ihm jedoch am Herzen.

Walter Kohl schlug vor, nach dem Trauerakt in Straßburg statt der Zeremonien in Speyer am Brandenburger Tor in Berlin eine Verabschiedung mit drei Elementen abzuhalten: einem Staatsakt, einem ökumenischen Requiem und einem Großen Zapfenstreich. «Ich bin überzeugt, dass diese Idee bei voller Gesundheit seine Zustimmung gefunden hätte», sagte Walter Kohl mit Blick auf den Vater. Ihm sei bewusst, dass die Planungen weit fortgeschritten seien, er hoffe aber noch auf eine Änderung.

Die Vorbereitungen der Trauerzeremonien sind in vollem Gange und bereits sehr ausgereift. Sie gestalteten sich bislang nicht ganz einfach und wurden noch dazu überschattet von heftigen Streitigkeiten zwischen der Witwe Maike Kohl-Richter und Kohls Sohn Walter . Ihr Verhältnis gilt seit langem als angespannt.

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