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SPD hofft auf Wende im Wahlkampf durch TV-Duell am Sonntag

Die unter schlechten Umfragewerten leidende SPD erhofft sich vom TV-Duell ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz mit Amtsinhaberin Angela Merkel eine Wende im Bundestagswahlkampf.

«Wir konzentrieren uns auf die Aufholjagd und da spielt das Duell am Sonntag eine große Rolle», sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann im ZDF-«Morgenmagazin». Er glaube, dass der Sonntag für viele der Tag der Entscheidung werde. Schließlich seien nach jetzigem Stand 40 Prozent der Menschen noch unentschlossen, für wen sie bei der Bundestagswahl am 24. September stimmen wollen.

Merkel gab sich vor der einzigen direkten Auseinandersetzung mit Schulz gelassen. Natürlich werde das TV-Duell größte Aufmerksamkeit haben, sagte sie der «Rheinischen Post». Eine Bürde sei es für sie aber nicht, dass sich laut einer Umfrage bis zu sieben Millionen Wähler in ihrer Entscheidung vom TV-Duell beeinflussen ließen.

Welche Auswirkungen das Fernsehduell haben kann, ist allerdings umstritten.

Der Wahlforscher Matthias Jung rechnet nicht damit, dass es zu wesentlichen Veränderungen des Wählerverhaltens führen wird. «Frühere Duelle haben gezeigt, dass ein Großteil der Zuschauer bereits Präferenzen für den einen oder anderen Kandidaten hat und die Diskussion sehr selektiv wahrnimmt. Er sieht sich durch das, was er hört, eher bestärkt», sagte das Vorstandsmitglied der Forschungsgruppe Wahlen der Deutschen Presse-Agentur.

Merkel und Schulz werden sich am Sonntagabend (Beginn 20.15 Uhr) 90 Minuten lang einen Schlagabtausch liefern. Die Sendung wird von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 veranstaltet und übertragen. Die Fragen kommen von den Journalisten Sandra Maischberger, Maybrit Illner, Peter Kloeppel und Claus Strunz. Im Vorfeld gab es kontroverse Debatten, weil das Kanzleramt klare Vorgaben für die Regeln gemacht und ein zweites Duell verweigert hatte. ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagte am Freitag, es sei «kein Geheimnis», dass die Fernsehsender am liebsten zwei TV-Duelle gehabt hätten. Aber: «Ein Duell ist besser als kein Duell.»

Schulz kritisierte erneut, dass Merkel ein von den TV-Sendern vorgeschlagenes lockeres Diskussionsformat zwischen den Kandidaten verhindert und am üblichen Frage-Antwort-Ritual festgehalten habe. Merkel wolle «das starre Korsett», sagte Schulz in Berlin. Er lasse sich davon nicht beeindrucken: «Diejenigen, die mich kennen, wissen, Korsetts passen mir nicht. Und ich ziehe die auch nicht an.» Fraktionschef Oppermann zeigte sich zuversichtlich: «Wir werden am Sonntag eine Veränderung in den Umfragen bekommen», prognostizierte er. Schulz werde das Duell nicht verlieren.

Merkel verteidigte in der «Rheinische Post» nochmals, dass sie sich nur auf ein einziges Duell eingelassen hat - mit dem Argument, dass in Deutschland die Bundeskanzler nicht direkt gewählt werden. «Insofern sollte mit Blick auf die kleineren Parteien die Zuspitzung auf nur zwei Personen eher die Ausnahme im Fernsehwahlkampf sein.»

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