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Trudeau fordert Aufmerksamkeit für die Mittelklasse

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bei seiner Rede in Hamburg. Foto: Christian Charisius

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bei seiner Rede in Hamburg. Foto: Christian Charisius

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat Politiker und Unternehmer zu entschlossener Führung und mehr Aufmerksamkeit für die Anliegen der Bevölkerung aufgerufen.

«Zu viele Menschen auf der ganzen Welt machen sich Sorgen um ihre Zukunft», sagte Trudeau am Freitagabend beim traditionsreichen Matthiae-Mahl in Hamburg. «Und wer könnte es ihnen verdenken?» Bürger quer durch das politische Spektrum seien auf der Suche nach Führung und Hoffnung. «Es liegt an uns, welche Art von Führung sie finden.» Das Volk brauche nicht Führer, die ihnen sagten sie hätten ein Problem, sondern solche, mit denen sie gemeinsam zu Lösungen finden könnten.

An die Verantwortlichen der Wirtschaft appellierte Trudeau, nicht nur an ihre kurzfristige Verantwortung gegenüber den Eignern zu denken. «Sie haben eine langfristige Verantwortung für die Beschäftigten, ihre Familien und die Städte und Gemeinden, die Sie unterstützen», sagte er. Die Beschäftigten bräuchten sichere, unbefristete Arbeitsplätze. Die Politiker müssten zuhören, um die Sorgen der Mittelklasse zu verstehen und danach handeln zu können.

Seine Rede wurde von den 400 geladenen Gästen begeistert aufgenommen. Zuvor hatte Trudeau noch gesagt: «Mir ist die Ironie ganz klar bewusst, vor einem Meer von Fräcken und Abendkleidern über die Kämpfe der Mittelklasse zu predigen, zumal ich selbst eine Fliege trage.» Doch diese Diskussion müsse geführt werden. «Wir müssen unsere Verantwortung annehmen gegenüber den Menschen, die uns gewählt haben.» Nach der Rede ließ er alle anwesenden Kellner zu einem Gruppenbild mit ihm und Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Plenarsaal der Hamburger Bürgerschaft versammeln.

Zu Beginn des Festmahls hatten Außenminister Sigmar Gabriel und Scholz die Freundschaft zu Kanada betont. Gabriel würdigte die Verhandlungsbereitschaft der kanadischen Regierung beim Freihandelsabkommen Ceta. «Eure Geduld hat es möglich gemacht, dass wir ein gutes Abkommen verhandeln konnten», sagte der Außenminister an die Adresse von Trudeau.

In Anspielung auf ein Gemälde im Großen Festsaal des Rathauses, das den Stolz der Hanseaten darstellt, sagte Gabriel: «Das verbindet uns mit Kanada: Wir knien nicht vor anderen Mächten der Welt, aber wir reichen ihnen immer wieder die Hand zu Partnerschaft und Freundschaft.» Kanada sei ein Land, «mit dem wir alle Werte teilen». Trudeau reagerte auch darauf mit Ironie. Er werde sein Bestes versuchen, um nicht vor einer fremden Macht zu knien, sagte er in Richtung seiner Vorredner.

Scholz betonte die Wertegemeinschaft mit Blick auf das Flüchtlingsproblem. «Für viele Männer und Frauen auf der ganzen Welt sind Kanada und Deutschland heute Länder der Hoffnung.» Nach Deutschland seien innerhalb eines Jahres 900.000 Flüchtlinge gekommen. Auf den plötzlichen Zuzug so vieler Menschen sei Europa nicht vorbereitet gewesen. «Die Angst vor Kontrollverlust - bei der Migration wie durch globalisierte Märkte - hat das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Institutionen erschüttert», sagte Scholz. Es sei gut, dass Europa jetzt ein gemeinsames Grenzregime aufbaue.

Deutschland sei ein Vorreiter bei der Migration und Integration. «Aber die Unterschiede zu Kanada sind groß.» Deutschland schaue sich genau an, wie das nordamerikanische Land es schaffe, bei der Integration so erfolgreich zu sein. «Aber wir sehen auch mit Interesse, wie klar und verbindlich in Kanada die Anforderungen und Regeln sind, an die sich alle halten müssen», so Scholz weiter.

Der Bürgermeister nannte Kanada ein Vorbild für die liberalen und sozialen Kräfte auf der ganzen Welt. Für den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump hatte Scholz einen Seitenhieb parat, ohne ihn namentlich zu erwähnen: «Einmal im Jahr erinnert uns die Tradition des Gastmahls daran, dass vernünftige internationale Politik nicht darin besteht, die eigene Nation "first" zu setzen, sondern auch Freundschaftspflege ist.» Gabriel ergänzte: Es sei nicht die Zeit, Mauern zu bauen, sondern Mauern abzubauen.

Das Hamburger Matthiae-Mahl wurde erstmals im Jahre 1356 veranstaltet. Nach einer mehr als 200-jährigen Unterbrechung wurde die Tradition in den 1950er Jahren unter Hamburgs Bürgermeister Kurt Sieveking (CDU) wieder aufgenommen.

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