Anzeige

campus-saar

Ein Uni-Präsident aus St. Ingbert

(2012-01-03 08:40:23)

Der Mediziner Professor Martin Paul ist der erste deutsche Universitätspräsident in den Niederlanden. Seit diesem Jahr steht der gebürtige St. Ingberter an der Spitze der Maastricht University.

Von SZ-Redakteur Sebastian Klöckner


Zwei Saarländer in Maastricht: Die Kirrbergerin Lana Damm studiert European Studies und der gebürtige St. Ingberter Martin Paul ist in der niederländischen Stadt Uni-Präsident. Foto: Klöckner
St. Ingbert/Maastricht. Er pfeift nicht das Steigerlied unter der Dusche, seine Aussprache erinnert eher an einen Tagesschau-Sprecher als an Heinz Becker und trotzdem hält sich Martin Paul für einen typischen Saarländer: „Es gibt zwei Arten von Saarländern. Die einen bleiben für immer in ihrer Heimat. Die anderen Saarländer sind Weltenbummler, die man immer überall trifft. Zu denen gehöre ich.“

Treffen kann man den Mediziner, 265 Kilometer von seiner Heimatstadt St. Ingbert entfernt, im niederländischen Maastricht. Seit Mai ist er Präsident der „Maastricht University“ und damit der erste deutsche Leiter einer niederländischen Universität. „Außer bei Fußball-Länderspielen gibt es hier keine deutsch-holländischen Rivalitäten, die Uni ist sehr international. 45 Prozent der Lehrkräfte sind aus dem Ausland“, erzählt er. Paul kam vor drei Jahren als Professor und Dekan nach Maastricht und fühlt sich im Grenzgebiet zu Deutschland und Belgien sehr wohl. „Die Provinz Limburg, in der sich Maastricht befindet, und meine saarländische Heimat haben viel gemeinsam. Das Leben in einem Dreiländereck kenne ich schon von Kindesbeinen an, und vielleicht fühle ich mich deswegen hier so zu Hause“, sagt er.

Der 53-Jährige zog nach dem Abitur mit von 17 Jahren nach Heidelberg, um Medizin zu studieren. Nach dem Abschluss führte ihn seine Forschungsarbeit nach Harvard und dann nach Berlin. „Das Saarland und die Saarländer habe ich allerdings nie aus den Augen verloren“, erzählt der Professor. Dabei kam der viel beschäftigte Mediziner nur selten nach Hause. „Überall habe ich Saarländer getroffen und somit immer ein Stück Heimat um mich gehabt. Beispielsweise lernte ich in Berlin einen Kollegen kennen, und nach einiger Zeit stellten wir fest, dass wir sogar entfernt verwandt sind.“

Nach Abschluss des Studiums arbeitete Paul vier Jahre lang in der Kardiologischen Klinik der Harvard-Uni in Boston. An der Charité in Berlin machte der Toxikologe und Blutdruckexperte dann weiter Karriere und wurde 2004 zum Dekan ernannt. Hier lernte er die Hochschule von einer anderen Seite kennen. Managen und verwalten, statt forschen und lehren. Dann folgte er einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und als Dekan der Fakultät für Medizin und Lebenswissenschaften nach Maastricht. „Es war zwar keine leichte Entscheidung, Berlin zu verlassen, aber der Schritt nach Maastricht war und ist eine spannende Herausforderung. Es ist eine sehr junge Universität, die versucht, neue Wege zu beschreiten.“

Die Universität von Maastricht gibt es erst seit 1976. Gelehrt wird an verschiedenen Orten in der Stadt. Das Büro des Präsidenten befindet sich in einem ehemaligen Kloster. „Wir sind sehr international ausgerichtet. Die meisten Studiengänge werden in Englisch absolviert“, sagt der Präsident. Fast die Hälfte der Studenten kommen aus dem Ausland an die renommierte Hochschule.

Willkommen auf pad1.fidion.net



Dazu gehört auch Lana Damm aus Homburg-Kirrberg. Die 20-Jährige studiert „European Studies“ und ist trotz Studiengebühren von über 1700 Euro im Jahr von Maastricht begeistert. „Ich wollte gerne auf Englisch studieren und mich mit der Europäischen Union beschäftigen. Genau das habe ich hier gefunden“, erzählt sie. Auch die Art des Lehrens kommt ihr sehr entgegen. „Wir haben relativ wenige Veranstaltungen, müssen dafür aber sehr viel zu Hause arbeiten“, erklärt die Studentin. „Problem-based learning“, also problemorientiertes Lernen hat sich die Uni auf die Fahne geschrieben. Dabei wird in Gruppen von maximal zwölf Studenten unterrichtet, Problemstellungen werden gemeinsam angegangen. Freunde und Familie in der Heimat besucht Lana Damm so oft es ihr möglich ist, aber ihre Zukunft sieht sie nicht im Saarland: „Ich möchte später gerne in Brüssel arbeiten.“ Für dieses Ziel trainiert sie schon heute kräftig.

Gemeinsam mit anderen Studenten gibt sie in Schulen kostenlosen EU-Unterricht. „In diesen Kursen erklären wir den Schülern, was die Europäische Union ist“ und fügt hinzu: „Wir würden auch gerne im Saarland unsere EU-Kurse geben, aber bisher gab es noch keine Anfragen.“

Paul ist vom Engagement der Studentin begeistert. „Projekte wie diese EU-Schulkurse sind typisch für das Engagement der Maastrichter Studenten.“ Besonders die ausländischen Studierenden seien häufig sehr engagiert und würden das Studium zügig abschließen. Martin Paul wird das Kapitel Maastricht nicht so schnell abschließen, er will noch lange bleiben: „Auf jeden Fall bis zu meiner Rente.“

www.maastrichtuniversity.nl

Auf einen Blick

Die Universität Maastricht wurde 1976 gegründet und 2008 in Maastricht University umbenannt.

Über 15 000 Studenten sind an der Hochschule eingeschrieben und zahlen etwas über 1700 Euro Studiengebühren im Jahr. Etwa 45 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland.

Bekannt ist die Uni für international ausgerichteten Studiengänge. Es wird in Englisch und Niederländisch unterrichtet.

Zum Studienangebot gehören die Fächer Medizin, Geistes- und Sozialwissenschaften, Psychologie, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.

 

 
:: Diesen Artikel kommentieren





Kommentare

ZULETZT KOMMENTIERT



AUCH INTERESSANT

Anzeige

Tagesausgabe als PDF ePaper-Abo Abonnement Druckausgabe Infos zur SZ-App für das iPad SZ-Aboinfo
Terminsuche
SOL.DE auf facebook


Termin-Empfehlungen
Travestie-Revue Starlight Diva´s in Wustweiler
Datum: 03.06.2012 18:00 - 03.06.2012 21:30
Ort: Wustweiler, Lebacherstr 11
Location: Gasthaus Bäcker
Floh- und Büchermarkt
Datum: 16.06.2012 10:00 - 16.06.2012 19:00
Ort: Rehlingen, Fremersdorfer Str. 39
Location: Rehlinger Bücherzelt + Trödelgarage
Floh- und Büchermarkt
Datum: 02.06.2012 10:00 - 02.06.2012 19:00
Ort: Rehlingen, Fremersdorfer Str. 39
Location: Rehlinger Bücherzelt + Trödelgarage
Kulinarische Wanderung von Rodemack bis Schloss Preisch (Lothringen)
Datum: 10.06.2012 10:00 - 10.06.2012 17:00
Ort: Rodemack,
Location: Rodemack (Frankreich)
Floh- und Büchermarkt
Datum: 03.06.2012 11:00 - 03.06.2012 19:00
Ort: Rehlingen, Fremersdorfer Str. 39
Location: Rehlinger Bücherzelt + Trödelgarage

:: Termin-Datenbank starten
:: Selbst Termine eingeben


Anzeige

Info Linktipps
Anzeige

TOP-5-ARTIKEL


Partnerangebote: