campus-saar
Kritik am Campus-Casting
(2012-01-17 08:01:51)
Was hat Sie zu Ihrer Bewerbung fürs Präsidentenamt bewogen?
Santen: Als Studiendekan und Mitglied des Studienausschusses habe ich bei der Bachelor/Master-Umstellung mitgewirkt und als Mitglied des Senats die Entwicklung der Uni begleitet. Nicht immer war ich da einer Meinung mit der Hochschulleitung, insbesondere in Fragen der Strukturentwicklung und bei einigen Personalentscheidungen. Wer etwas verändern möchte, muss sich auch jenseits von Forschung und Lehre engagieren. Deshalb habe ich mich bei der Antragstellung im Rahmen des Qualitätspakts II eingebracht und mich um das Amt des Universitätspräsidenten beworben.
Sie sind 42 Jahre alt und haben relativ wenig Erfahrung in der Hochschulpolitik. Hat es Sie gewundert, von der Findungskommission nicht als Kandidat nominiert worden zu sein?
Santen: Ich hätte es mir in erster Linie gewünscht, dass die Suche der Findungskommission der Universität eine größere Auswahl an Kandidaten präsentiert hätte.
Die Saar-Uni steht vor unsicheren Zeiten. Der Haushalt dürfte künftig stagnieren oder sogar schrumpfen. Sehen Sie angesichts dieser Entwicklung die Weichen auf dem Campus richtig gestellt?
Santen: Die Chancen für die Strukturentwicklung auf dem Campus in den kommenden fünf Jahren sind im Prinzip gut. Sie muss allerdings von der Hochschulleitung aktiver gestaltet werden. Die Saar-Uni hat einige Fächer, die bundesweit Spitze sind, wie die Informatik oder die Pharmazie. In anderen Fächern wird es darauf ankommen, wettbewerbsfähige Schwerpunkte zu entwickeln. Ein hervorragendes Beispiel zeigt hier die Medizin. Durch die Fokussierung der Forschung auf den neuen Sonderforschungsbereich (SFB) ist es gelungen, ohne Einschränkungen in der Lehre Spitzenleistungen zu ermöglichen. Ähnliche Entwicklungen sind auch für andere Fächer wünschenswert, insbesondere im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein wichtiges Ziel wäre die Bündelung gemeinsamer Forschungsprojekte zum Schwerpunkt Europa in einem Graduiertenkolleg und längerfristig einem SFB. In keinem Fall sollten sich die Forschungsschwerpunkte Saar-Uni auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer reduzieren.
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Uni-Präsident Linneweber hat Zulassungsbeschränkungen für den Fall angekündigt, dass der Landeszuschuss der Uni ab 2014 nicht mehr steigt. Halten Sie das für den richtigen Schritt?
Santen: Wenn die Saar-Uni aus diesem Grund in finanzielle Nöte geraten sollte, empfehle ich statt allgemeiner Kürzungen, in letzter Konsequenz Studiengänge einzustellen. Globale Kürzungen würden die Wettbewerbsfähigkeit Saar-Uni einschränken und die Drittmitteleinwerbung gefährden. Ich bin überzeugt, dass Budgetkürzungen nur zu kurzfristigen Spareffekten für das Land führen und negative Konsequenzen für die Wirtschaft der Region hätten.
Wären Studiengebühren in diesem Fall ein Ausweg?
Santen: Wir laufen ja jetzt schon Gefahr, dass ambitionierte Studierende in Richtung der Elite-Unis abwandern. Deshalb sollten wir in jedem Fall dafür sorgen, dass Studenten aus finanziell schwächeren Familien nicht von den Unis ferngehalten werden.
Wie soll die Saar-Universität des Jahres 2020 aussehen?
Santen: Die Informatik sollte ihre Forschungsstärke nutzen, um nach Auslaufen der Exzellenzinitiative Sonderforschungsbereiche einzurichten. Auch im Schwerpunkt Nano-Bio-Med könnten mehrere SFBs entstehen. Großes Potenzial besteht auch in den Materialwissenschaften, die durch die Neuorientierung des Instituts für Neue Materialien einen sehr starken Partner gewonnen haben. Auch den Geistes- und Sozialwissenschaften täte eine stärkere Konturierung gut.
Zur Person
Professor Dr. Ludger Santen (42) studierte Theoretische Physik in Köln und wurde dort promoviert. Nach einem Aufenthalt an der Ecole Normale Supérieure in Paris kam er 2001 an die Saar-Uni. Er war dort ab 2002 Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe und wurde 2006 als Professor berufen. Von 2006 bis 2008 war er Studiendekan der Fakultät für Physik und Mechatronik, von 2008 bis 2010 Mitglied des Senats, seit 2010 ist er stellvertretendes Senatsmitglied. Er ist Sprecher des Graduiertenkollegs "Strukturbildung und Transport in komplexen Systemen". byl
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