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Agenda 2020 für die Uni
(2012-02-07 09:06:54)
Von SZ-Redakteur Peter Bylda
Saarbrücken. An den beiden großen Hochschulen des Saarlands stehen in diesem Frühjahr beinahe gleichzeitig Neuwahlen zur Hochschulleitung an. Doch dies unter Rahmenbedingungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während bei der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) die Zeichen auf Expansion stehen, stehen die Signale bei der Saar-Universität auf Stopp.
Die über 5000 Studenten zählende HTW rechnet in den kommenden Jahren mit einer Erweiterung um 1000 Studienplätze, bei der über 18 000 Studenten zählenden Saar-Uni könnte es bis zum Jahr 2020 in derselben Größenordnung nach unten gehen. Die Ansage der vergangenen Landesregierung in Sachen Uni war eindeutig: Mit Beginn des nächsten Globalhaushalts im Jahr 2014 wird sich die Uni auf einen im besten Fall stagnierenden Landeszuschuss einrichten müssen.
Diese unterschiedliche Ausgangslage spiegelt sich auch in der Bewerbungslage an beiden Hochschulen. Während sich an der HTW ein Dutzend Bewerber für das Amt des Rektors meldeten, waren es auf dem Campus der Saar-Uni nur halb so viele. Aus ihnen kürte die Findungskommission der Uni schließlich einen einzigen Kandidaten: den Amtsinhaber Professor Volker Linneweber - und gab ihm den Auftrag mit auf den Weg, einen Plan für die mittelfristige Entwicklung der Saar-Uni zu erstellen.
Das Papier soll in der kommenden Woche in allen Details Senat und Universitätsrat der Hochschule vorgestellt werden. Im Gespräch mit der SZ-Hochschulredaktion erläuterte Linneweber gestern die Grundzüge seiner bis zum Jahr 2020 reichenden Strukturplanung. Basis ist ein Landeszuschuss, der auf dem heutigen Betrag von rund 180 Millionen Euro eingefroren wird. Daraus errechnete das Uni-Präsidium bis zum Ende des Jahrzehnts ein kumuliertes Defizit von gut 71 Millionen Euro. Zusätzlich will Linneweber einen etwa ebenso hohen Betrag aus dem Haushalt heraussparen, den die Verwaltung zur Schwerpunktfinanzierung auf dem Campus einsetzen soll. "Wir brauchen mehr Flexibilität im Haushalt", so Linneweber. Das gelte auch für den Landeszuschuss. Was die Uni hier in einem Jahr an Geld einspare, wolle sie als Reserve ins nächste Haushaltsjahr hinübernehmen können.
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Klar sei, dass ein solcher Strukturplan zu Einschnitten auf dem Campus führen werde. Am Charakter einer mittelgroßen und forschungsstarken Universität werde nicht gerüttelt, aber die 18 200 Studenten, die die Saar-Uni heute zählt, dürfte sie trotz bundesweit steigender Studierneigung im Jahr 2020 nicht mehr haben. Der Unipräsident geht davon aus, dass einzelne Studiengänge geschlossen oder zusammengelegt werden. Ende des Jahrzehnts sieht er die Saar-Universität um etwa 1000 Studenten kleiner als heute.
In drei Bereichen werde die Saar-Uni um härtere Einschnitte nicht herumkommen, so Volker Linneweber. Welche das sein sollen, werde in der kommenden Woche in Senat und Universitätsrat besprochen. Welche es nicht sein werden, stellte er gestern jedoch klar: die im vergangenen Sommer diskutierten Fächer Medizin und Jura. Die Medizin solle nach seinem Programm nur "in unterdurchschnittlichem Umfang" an Sparmaßnahmen beteiligt werden. In der juristischen Fakultät werde über einzelne Lehrstühle nachgedacht. Der Zahl der Professuren der Saar-Universität solle sich insgesamt nicht ändern - allerdings könne die Quote der Juniorprofessoren erhöht, an der Ausstattung einzelner Lehrstühle gespart und für die Sekretariate eine Pool-Lösung entwickelt werden.
Wenn's darum geht, die Stärken der Uni zu stärken, denkt der Präsident zuerst an die Informatik. Der Kandidat Linneweber will die Strahlkraft dieses Faches nutzen, um künftig auch andere, bisher im Schatten wirkende Disziplinen durch Kooperationen zum Leuchten anzuregen. Insgesamt könne die Saar-Universität bei Sonderforschungsbereichen und Graduiertenschulen in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Im Bereich der Weiterbildung sei in Kooperation mit der Uni Kaiserslautern der Aufbau einer Europäischen Universität für Weiterbildung im Gespräch. Das nächste Wort in Sachen Zukunftskonzept haben nun Senat und Universitätsrat bei ihren Sitzungen am kommenden Dienstag und Mittwoch.|
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