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Timo Holl/SOL.DE

Air Berlin: Und täglich fliegt die Pannen-Airline, nicht

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Die Berliner Fluglinie hat im Mai 783 Flüge streichen müssen. Foto: Marcel Kusch/dpa.

Es ist Freitagabend, 22.04 Uhr, als eine pathetische Frauenstimme zum ungefähr 17. Mal in mein Ohr dringt. Die große Diva am anderen Ende der Leitung singt in einer Art, wie man sie sonst nur von James-Bond-Soundtracks kennt.

This world is hope for you and me“ klingt wie ein süffisanter Scherz, wenn man bedenkt, dass ich mich seit 51 Minuten in der telefonischen Warteschleife von Air Berlin befinde. Ich versuche die Kosten geltend zu machen, die mir aufgrund eines gestrichenen Fluges entstanden sind.

Es bleibt natürlich nur beim Versuch, weil meine Ausdauer einfach nicht ausreicht. Ich entscheide mich aufzulegen, bevor mich eine Stimme mit weniger Volumen als jene der Primadonna begrüßen kann.

Murphys Gesetz bei Air Berlin an der Tagesordnung
Dieses Szenario dürfte ziemlich vielen Menschen da draußen bekannt vorkommen. Denn seit Monaten befolgt die zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands Murphys Gesetz in beeindruckender Beharrlichkeit.

Auch am Dienstag stand das operative Geschäft von Air Berlin unter dem Slogan „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schief gehen“. So fielen erneut zahlreiche Flüge aus, darunter auch mein Flug von Berlin nach Saarbrücken.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Fehler passieren. Ein Flug, der mal ausfällt? Geschenkt. Es ist vielmehr die Häufigkeit sowie die Art und Weise des Fehlermanagements die einen - je nach Typ - wütend oder ratlos zurück lassen.

Laut der Neuen Ruhr Zeitung sind allein im Mai 783 Flüge der Berliner Airline gestrichen worden. Das entspricht einer beachtlichen Quote von etwa 25 ausgefallenen Flügen pro Tag. Bei einer wohlwollend gewählten Zahl von 100 Reisenden je Maschine wären demnach 2.500 Personen täglich - also rund 77.500 Menschen im Monat Mai -von den Unregelmäßigkeiten betroffen.

77.500 Menschen, die ihre Geschäftstermine oder Familienfeste verpassen, deren Kinder zuhause warten oder denen schlichtweg die kostbare Zeit geraubt wurde.

Mitarbeiter völlig überfordert
So hätte auch ich am Mittwoch um 9 Uhr eigentlich im Büro sein müssen. Stattdessen saß ich völlig übermüdet mit zwei netten Mitarbeiterinnen eines Forschungsinstituts der Universität Trier im Speisewagen der Deutschen Bahn.

Nachdem uns ein verzweifelter Mitarbeiter von Air Berlin in der 300-400 Personen starken Schlange am Beschwerdeschalter mit den Worten „Sie sehen ja selbst, das Anstehen bringt nichts“, „Es sind einfach zu viele“ und „Bitte kümmern Sie sich selbst um eine Rückreise oder eine Unterkunft“ nahezu anflehte, entschieden wir uns schließlich, die Heimreise mit der Bahn anzutreten.

Es sind Szenen wie diese, welche die massiven Probleme von Air Berlin gnadenlos aufdecken: zu wenig Personal, zu wenige Flugzeuge. Daraus resultiert ein Teufelskreis, der sich zurzeit nur schwerlich stoppen lässt.

Neben dem gewöhnlichen Flugbetrieb muss das ohnehin nicht ausreichende Personal nun auch eine enorme Anzahl an Beschwerdefällen abwickeln. Das alles übersteigt die Kapazitäten der Berliner Fluggesellschaft, sodass die Betroffenen von den zahlreichen Flugausfällen oftmals auf sich allein gestellt sind.

So mussten auch meine sympathischen Mitstreiterinnen und ich die Rückreise von Berlin nach Saarbrücken selbst organisieren. Wir mussten zunächst vier Stunden am Berliner Hauptbahnhof auf die erste Zugverbindung warten, ehe wir dann um 04:15 Uhr endlich die lang ersehnte, siebenstündige Heimreise antreten konnten.

Als wir um 11:20 Uhr endlich Saarbrücken erreicht haben, blieben uns zweierlei Erkenntnisse: Zum einen, dass Air-Berlin die einzige Fluggesellschaft ist, bei der man von Inlandsflügen ein Jetlag bekommt. Und zum anderen, dass Bahn-Fahren doch nicht so schlecht ist.

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