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Wie ein Unfall das Leben des Fußballers Stefan Schmidt völlig veränderte

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Der Fußballer Stefan Schmidt (23) aus St. Arnual im Krankenzimmer der Klinik auf dem Saarbrücker Winterberg. Foto: Matthias Zimmermann

„Die Zeit reibt dich auf“, sagt der 23-Jährige. Der junge Sportler schaut ernst, während er im Rollstuhl sitzt. Er wird sich noch eine ganze Weile in Obhut der Mediziner gedulden müssen.

Das ist passiert
Der Auslöser für sein Martyrium: folgenschwere Komplikationen nach einer der mittlerweile 15 Operationen wegen eines Sportunfalls vom 24. Mai. Es ging um die Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga A Halberg. In der vierten Spielminute prallte der Außenspieler mit dem Torwart zusammen, stürzte und blieb liegen. Sanitäter brachten ihn nach einigen Minuten vom Spielfeld. Bei dem Zusammenstoß hatte er sich das rechte Schien- und Wadenbein gebrochen.

Noch in der Nacht kam der junge Mann unters Messer. Und statt es ab da aufwärts ging, verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand binnen weniger Tage rapide. Die Wund verheilte nicht. Keime hatten sich eingenistet. „Das Bein wurde blau, das Knie war dick. Ich sagte, dass ich kein Gefühl mehr in meinen Zehen hatte“, berichtet Stefan.

Darauf sei er mit Kühlakkus versorgt worden, damit die Schwellung abklingt. Es wurde schlimmer. Der Fußballer erlitt eine Thrombose. „Dann setzten die Nieren aus“, legt Stefan nach. Die Ärzte entschieden, Stefan ins künstliche Koma zu versetzen.

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Das Patientenzimmer. Foto: Matthias Zimmermann

Dann die schicksalshafte Botschaft: Der rechte Unterschenkel war nicht mehr zu retten. Stefan hegt keinen Groll. Vielmehr lobt er: „Das war ein super Ärzteteam. Es hat mich nach den Schwierigkeiten darauf vorbereitet, dass so etwas passieren kann.“  Danach schoss dem leidenschaftlichen Sportler durch den Kopf: „Kann ich danach noch Auto fahren und Fußball spielen?“ Eigentlich Banalitäten, wie er heute bei dem Gedanken darüber einschätzt, dass er tot sein könnte. Doch er ist  nícht nur auf dem Fußballplatz zuhause. „Ich bin begeisterter Läufer.“

Ärzte haben alles versucht
Obwohl die Ärzte im Winterberg-Klinikum alles versucht hätten, das Bein zu heilen – am 9. Juni trafen sie die unwiderrufliche Entscheidung. „Als es hieß Amputation, war ich sehr gefasst“, erinnert sich der Patient zurück. Bis heute trägt Stefan einen dicken Verband am rechten Bein. Er schaut auf den Stumpf. Doch von einer Sekunde zur anderen ändert sich  Stefans Mimik.  Der nachdenklich resignierte Ausdruck – wie verflogen. Auf einmal schöpft er Hoffnung.  „Das wird mega!“, platzt es aus ihm heraus. Und schildert seine Pläne. Er hat sich Videos im Internet angeschaut, Filme, die Sportler mit Prothesen im Einsatz zeigen. Genau so sieht er sich künftig.

Damit er eine entsprechend hochwertiges Hilfsmittel bekommt, haben Freunde, Sportkollegen aus dem Verein und mittlerweile auch viele Unbekannte, die von dem Schicksal mitbekommen haben, eine Aktion gestartet:Angriff ins Leben“ soll genügend Geld für beste medizinische Betreuung zusammenbringen. Und eben für eine Prothese, wie sie Sportler haben. „Mein Vater sagt: Das wird ein Mercedes“, zitiert Stefan und lacht.

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Hinter dieser verschlosenen Tür ruht Stefan Schmidt. Foto: Matthias Zimmermann

Freundin gibt ihm Halt
Besonderen Halt gibt ihm Freundin Franzi. Stefan schaut ein wenig verschämt, als er davon erzählt. Wie sie bei ihm am Bett stand, als er aus der Narkose aufwachte. Sie ihn in jeder freien Minute pflegt, die Krankenschwester aus Riegelsberg. „Das hat uns zusammengeschweißt.“

Trotz dieses Halts hier zuhause will er seine Therapie in einer Reha bloß nicht hier in der Nähe antreten. „Ich möchte weit weg, mindestens 200 Kilometer.“ Um einerseits Abstand zu den einschneidenden Erlebnissen zu gewinnen, andererseits eine Einrichtung zu finden, die Sport ganz groß schreibt. Er will wieder laufen und Fußball spielen.

Zuversichtlich in die Zukunft
Vielleicht in einem Team des Verbands des Amputierten-Fußballs? Könnte sein. Denn Christian Heintz, für die nationale Auswahl verantwortlich, schaute ebenfalls bei Stefan im Krankenzimmer vorbei. Der Patient schwärmt davon, wie Heintz festen Schrittes ins Zimmer trat, als trage er gar keine Beinprothese. Heintz trete wie jeder auf, der zwei gesunde Beine hat. „Vielleicht trägt dieser Kontakt ja Früchte“, blickt der Patient zuversichtlich in die Zukunft.

Mit Verwendung von SZ-Material (Matthias Zimmermann).

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