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So findet „Wanderpapst“ Manuel Andrack Böhmermanns Saarland-Witze

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Der ehemalige Redaktionsleiter der „Harald Schmidt Show“, Manuel Andrack, wohnt bereits seit mehreren Jahren im Köllertal. Foto: Robbby Lorenz

Manuel Andrack gehörte 13 Jahre lang zum Team der „Harald Schmidt Show“. Mehr als einmal musste er dort einen dummen Spruch einstecken. Seit seinem Abschied aus der Sendung lebt der 52-jährige Kölner im Köllertal und führt dort als „käufliches Wander-Model“ ein Paradies-ähnliches Leben.

Herr Andrack, Sie leben schon fast zehn Jahre im Saarland. Sind Sie jetzt einer von uns?

ANDRACK Aber hallo. Ich habe hier geheiratet, ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt. Ich trinke saarländisches Bier, wandere auf saarländischen Wegen. Ich habe hier ein Kind gezeugt, eine waschechte Saarländerin. Vielmehr kann ich nicht machen. Oder?

Aber sind Sie es auch im Herzen?

ANDRACK Ich muss schon zugeben: Wenn ich mit dem Auto von der A8 komme, aus dem Elmer Wald fahre und ins Köllertal blicke, dann fühle ich mich angekommen. Kribbeln wäre jetzt übertrieben zu sagen. Aber das Gefühl hatte ich auch nie beim Kölner Dom. Ich war nie einer von denen, die gesagt haben: „Wenn ich den Dom sehe, dann weine ich vor Freude.“

Lassen Sie das nicht die Kölner hören.

ANDRACK (lacht) Die kölsche Schönheit liegt im Innern, im Herzen. Das wissen die Rheinländer genau. Köln bleibt auch immer meine Heimat-Heimat. Ich bin ’ne kölsche Jung. Aber das Saarland ist inzwischen eben auch meine Heimat geworden.

Und wie ticken ihre neuen Landsleute so?

ANDRACK Saarländer sind den Rheinländern sehr ähnlich. Sehr kommunikativ, sehr aufgeschlossen, sehr trinkfreudig und feierlustig. Auch das mache ich volle Pulle mit. Es gibt kein Anglerfest, Fischerfest, Büffelfest, das ich im Köllertal auslasse im Sommer. Saarländer sind oft Menschen, die keine Berührungsängste haben. Die kommen direkt auf einen zu: „Komm setz dich, erzähl mol, was schaffschte so, Manuel?“ Nur vom Selbstbewusstsein her ist der Saarländer der umgekehrte Rheinländer.

Das heißt?

ANDRACK Der Rheinländer ist hochnäsiger. Der Saarländer macht sich ständig klein. „Ja, wir sind ja nur ein kleines Bundesland und so.“ Mich fragen ständig Leute: „Warum bist du denn ins Saarland gezogen? Von Köln? Das macht man doch umgekehrt.“

Der Rechtfertigungsdruck ist also hoch.

ANDRACK Ja, leider. Dabei ist doch alles gut hier. Ich finde auch deshalb, dass die Imagekampagne des Saarlandes „Großes entsteht immer im Kleinen“ völlig in die falsche Richtung geht.

Warum denn?

ANDRACK Weil man das Kleinsein als Vorteil sehen muss und nicht, wie es ja der Slogan bewirkt, als Malus, den man zu beseitigen hat. Ich finde, das Saarland ist klein und sexy.

Wirklich?

ANDRACK Die Randlage, die im Vergleich noch moderaten Immobilienpreise, der fehlende bundesweite Fokus, was positiv ist, die Grenznähe, die Landschaft – und das Essen erst. Das ist sensationell. Die Qualität zu den Preisen gibt es nirgendwo sonst.

Wie finden Sie es, dass Satiriker Jan Böhmermann regelmäßig über das Saarland Witze macht?

ANDRACK Das ist natürlich an Ärmlichkeit nicht zu überbieten. Das war Regel Nummer eins bei Harald Schmidt. Man sucht sich Gegner ab USA, der Papst aufwärts aus.

Also auf Augenhöhe...

ANDRACK Mindestens. Ironie, auch das hat Kollege Böhmermann nicht verstanden, geht anders. Sie funktioniert eigentlich durch Totlobung. Ich habe noch nie einen so geilen Präsidenten gesehen wie den Trump. Die schönste Frisur, die besten Twittersprüche. Jeder Mensch weiß, was eigentlich gemeint ist. „Böhmi“ geht da zu primitiv vor. Als alter Witzexperte kann ich nur sagen: Sechs. Hinsetzen. Und noch mal in die Humorschule gehen.

Bei Jüngeren kommt er damit aber an, bei Älteren weniger.

ANDRACK Gut, es gab auch viele, die das über Harald Schmidt gesagt haben. Als Saarländer sollte man deshalb nicht beleidigt sein.

Mensch, Manuel, was schaffschte so?

ANDRACK (lacht).

Nein, ernsthaft, Herr Andrack: Was machen Sie eigentlich seit dem Ende der Harald-Schmidt-Show? Auf einmal waren sie im Saarland und wandern seitdem durch das Bundesland?

ANDRACK Ich bin jetzt aber nicht wegen der wirklich tollen Premiumwanderwege ins Saarland gekommen, sondern wegen der Liebe. Davon kann ich aber auch nicht leben. Ich schreibe also Bücher übers Wandern, Fußball, Geschichte. Damit gehe ich auf Lesungen. Dann gibt es Leute, die es gut finden, mich für Wanderungen zu buchen und damit zu werben. Ich bin so deutschlandweit unterwegs. Ich habe zudem einige Kooperationen mit Unternehmen und Versicherungen – weil die alle sagen, wandern ist ein gutes Thema und der Manuel Andrack kann das rüberbringen.

Sie haben also eine Nische entdeckt.

ANDRACK Ich bin quasi ein käufliches Wander-Model.

Haben Sie einen gratis Tipp für eine gute Wanderstrecke hier im Saarland?

ANDRACK Sensationell ist der Nahequelle-Pfad, der Felsenpfad, die Litermont-Gipfel-Tour, der Druidenpfad, die Saarschleifen-Tour und natürlich der Vauban-Steig.

Das sind jetzt einige. Was macht die alle zu guten Wegen?

ANDRACK Weil man was erlebt. Ein Wanderweg muss abwechslungsreich sein, eben nicht nur im Wald, nicht nur im Feld, nicht nur Felsen. Er hat von allem etwas, schmale Pfade statt breiter Wege, der Untergrund ist weicher Waldboden oder Wiese, aber kein Beton oder Schotter. Aussichten sind wichtig, bisschen Wasser auch, Bänke und Hütten zum Rasten.

Sind Sie als „Wanderpapst“ jetzt glücklicher, als Sie es früher als „Side­kick“ waren?

ANDRACK Teils, teils. In einem Team zu arbeiten, das fehlt mir schon. Sowohl hinter als auch vor der Kamera. Ich bin dankbar, dass ich damals die Chance bekommen hatte, Teil der Harald-Schmidt-Show zu sein. Nur deshalb kann ich jetzt machen, was ich will. Ehrlich gesagt: Wenn ich heute an einem ganz normalen Dienstag oder Mittwoch durch Deutschlands Wälder streife, mittags beim Rasten noch zwei Hefeweizen trinke und dafür sogar bezahlt werde, denke ich mir schon: „Was hast du für einen geilen Job.“ Paradies hat man früher gesagt.

Haben Sie noch Kontakt zu Leuten aus der Sendung?

ANDRACK Nein, überhaupt nicht. Und wenn, nur noch zu Helmut Zerlett (Ex-Bandleader bei Harald Schmidt, A. d. Red.). Er ist der einzige.

Mir ist aufgefallen, dass Sie auch keinen Kontakt zu neuen Medien haben?

ANDRACK Agenturen kommen da immer wieder auf mich zu und sagen, ich soll unbedingt was mit „diesem Facebook“ machen. Das sei super zum Vermarkten. Es läuft auch ohne „dieses Facebook“ gut. Ich bin allerdings inzwischen bei Twitter, habe aber noch nie etwas getwittert.

Und warum sind Sie dann dabei?

ANDRACK Weil es hier im Land irgendwo einen Arsch gibt, der unter meinem Namen ziemlich rechtslastiges Zeug schreibt. Täglich. Nur so provokant-populistischer Scheißdreck. Den kriege ich nur weg, wenn ich selbst angemeldet bin. Aber ehrlich: Was soll ich auch posten? Meinen Alltag? Oder „Hej, habe gerade ein Super-Interview mit der Saarbrücker Zeitung“?

... ja. Das können Sie ruhig twittern. Aber jetzt noch zu einem ganz anderen Thema. Zum Fußball. Darüber haben wir noch gar nicht geredet.

ANDRACK Ich habe gerade ein Buch über Fußball geschrieben. Es ist eigentlich etwas für jeden Fußball-Fan. Es geht um extreme Fans und Sachen, wegen denen andere Menschen zum Psychologen rennen. Um Wahnsinn, Hysterie, Narzissmus und Depressionen, also das, was jeder Fan kennt.

Kommen auch Fanatiker aus dem Saarland vor?

ANDRACK Na klar. Beispielsweise zwei FCS-Anhänger. Die beiden waren total angepisst von ihrem Club. „Von wegen, Liebe kennt keine Liga. Alles scheiße hier. Früher wurden wir noch respektiert, heute ist das nur noch peinlich…“ Es ist das letzte Kapitel des Buches. Es geht darum, wie Anhänger sich von einem Verein „entfanen“ können.

Geht das überhaupt?

ANDRACK Geht so. Ich habe mich mit den beiden getroffen, eine Stunde vor einem Spiel. Dann haben wir gequatscht. Und natürlich waren die beiden noch Fans. Aber sie haben das komplett verleugnet. Da habe ich denen im Vorverkaufsshop Karten gekauft und gesagt: Wir gehen jetzt ins Stadion. Die haben mich angefleht. „Es ist uns peinlich, dass du uns zu diesem wahrscheinlich unterirdischen Kick einlädst.“ Im Stadion sind die dann richtig abgegangen. Und einer von beiden hat danach kein Heimspiel mehr versäumt.

Sie haben also wieder Fans kuriert. Wie ist Manuel Andrack als Fan?

ANDRACK Ich bin sehr emotional, aggressiv, wenn wir verlieren. Ich raste total aus.

Wird man im Alter nicht ruhiger?

ANDRACK Das haben mir zwar viele gesagt. Aber ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Ich bin 52 Jahre und ganz schlimm. Ich habe vergangene Saison oberkörperfrei gemacht, im Spiel des 1. FC Köln gegen den HSV, im Oberrang. Völlig gaga.

Kriegen Sie das dann noch richtig mit?

ANDRACK Ja, klar. Ist mir aber egal. Ich brülle auch immer mehr. Tor-Jubel. Beschimpfungen, egal. Man kann im Stadion echt die Sau rauslassen. Ich bin aber auch ein absoluter Scheuklappen-Fan. Obwohl ich nicht mal ein richtiger Fußball-Fan bin. Ich interessiere mich nicht für andere Teams, für Aufstellungen, für Transfers. Die Sportsschau habe ich zuletzt vor zwölf Jahren angeschaut. Ich kannte nicht mal Anthony Modeste. Mir hat vor seinem Wechsel von Hoffenheim nach Köln einer gesagt, dass er gegen uns mal ein Tor geschossen hatte.

Dann musste er ja gut sein.

ANDRACK Genau! Nein, ich konzentriere mich ganz auf meine Kernfähigkeiten als Fan: Ausrasten bei Toren und Heulen bei Niederlagen.

Schon mal über einen Zweitclub in der neuen Heimat nachgedacht?

ANDRACK Polyamorie gibt es zwar im Fußball. Davon handelt auch ein Kapitel. Aber das ist nichts für mich. Ich habe ja auch jetzt nicht direkt eine neue Mutter, nur weil ich ins Saarland gezogen bin. Mein Club ist und bleibt der erste Fußball-Club Köln. Ich verfolge den Fußball aber in der Region. Gehe beispielsweise zu den Sportfreunden Köllerbach. Ich denke, ich werde noch zum Groundhopper.

Was ist denn das?

ANDRACK Das sind Leute, die hunderte, teils tausende Kilometer fahren, um Spiele in Stadien zu erleben, von Teams, von denen sie nicht mal Fan sind. Das mache ich dann im Amateurfußball in der Region. Ich liebe diese Atmosphäre. Wie die auch immer ihre eigenen Spieler fertig machen. Da fallen die besten Sprüche. Am Spielfeldrand, an der Bierbude – oder am Rostwurststand: „Ich will die Weiße schön braun, aber nicht so schwarz wie die Rote.“ Das gibt es nur im Saarland.

Die Fragen stellte Pascal Becher.

Manuel Andrack stellt am Donnerstag, 24. August, um 20 Uhr sein neues Buch „Lebenslänglich Fußball. Vom Wahnsinn ein Fan zu sein“ bei einer Autoren-Lesung in der Camero Zwo in Saarbrücken vor.

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