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Wie ein Illinger für den Erhalt alter Haustierrassen kämpft

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So sehen Skudden-Lämmer aus. Foto: Carsten Rehder dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk

Seltene Rassen
Es sind ganz besondere Schafe, die den Besucher am Ortsrand von Illingen mit neugierigem Blöken empfangen: Denn die „Skudden“ zählen zu der ältesten Schaf-Rasse, die es gibt. Leider steht die ostpreußische Art auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Kein Zufall also, dass der frühere FDP-Landesvorsitzende und stellvertretende Landtagspräsident des Saarlandes, Karl-Josef Jochem (65), genau diese Hausschafe züchtet.

Nicht nur, weil er schon vor 40 Jahren, als er sie das erste Mal sah, von ihnen beeindruckt war, sondern auch, weil er damit ein gutes Werk tut und mit gutem Beispiel vorangeht. Schließlich ist Jochem der Sprecher der Regionalgruppe Saar der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH), die sich genau die Zucht solcher Schafe, Schweine, Ziegen, Rinder etc. zum Ziel gesetzt hat.

„Früher hatte jede Region ihre regionalen landwirtschaftlichen Rassen, die angepasst waren an ihre Umgebung“, erklärt er, „damit hatten wir Vielfalt in den Rassen genauso wie in der Natur.“ Doch seit sich bei der Nutztierhaltung alles nur noch um Leistung dreht, seit es Turbo-Hühner gibt, die jeden Tag ein Ei legen, Puten, die in kürzester Zeit so dick werden, dass sie sich nicht mehr bewegen können, und Hochleistungs-Kühe, die bis zu 50 Liter Milch am Tag geben, sind viele alte Rassen ausgestorben.

Gründe für die Zucht
„Ich habe irgendwann erkannt, dass man bei der Landwirtschaft ebenso etwas für die biologische Vielfalt tun muss“, sagt er. „Tiere sind ebenso alte Kulturgüter wie ein Denkmal, das zu einer bestimmten Gegend gehört.“ Und es gibt noch einen zweiten Aspekt, warum er mit der GEH dafür kämpft: „Es kann sein, dass wir irgendwann mal in der Leistungszucht auf diese Genreserven zurückgreifen müssen“, sagt Jochem. Denn gerade die alten Rassen zeichnen sich durch Eigenschaften aus, die in der modernen Tierzucht oft verloren gehen.

Gibt es einen Schuldigen?
Den Landwirten möchte er dafür jedoch nicht die Schuld geben. „Der Bauer ist ja mehr oder weniger selbst Sklave. Die Verantwortung liegt bei dem Verbraucher – der entscheidet.“ Doch auch deshalb züchtet er seit fast 20 Jahren die kleinen, robusten Skudden und engagiert sich in der GEH: „Auch, weil mir die Art und Weise nicht mehr gefällt, wie man heute mit Tieren umgeht.“

Und es sind nicht nur die acht Schafe, mit denen Jochem einen Beitrag zum Erhalt alter und gefährdeter Haustierrassen leistet: Auch 20 Hühner – darunter die bedrohten Brakel, Sulmtaler und Mechelner – leben auf der großen Weide und Obstbaumwiese mit den Schafen zusammen. Und wenige hundert Meter weiter, im Garten hinter seinem Haus, gibt es auch einige der seltenen Marderkaninchen.

Seine Hoffnung für die Zukunft ist daher eindeutig: „Ich wünsche mir, dass sich die Haltungsformen für die Tiere verbessern, noch mehr Leute die alten Rassen entdecken, dass man sie am Leben erhält und auch die Wirtschaft mal in absehbarer Zeit mehr auf sie zurückgreift.“ Und dass es im Saarland künftig wieder – wie bis zum vergangenen Jahr noch – eine finanzielle Förderung für Züchter der heimischen Glanrinder gibt.

Mit Verwendung von SZ-Material (Katja Sponholz).

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