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Die ersten homosexuellen Paare haben gestern in Deutschland geheiratet

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Karl Kreile und Bodo Mende küssen sich am Ende der Eheschließung. Foto: Britta Pedersen / dpa

Seit 38 Jahren sind Bodo Mende und Karl Kreile schon ein Paar. Gestern Morgen durften sie endlich ganz offiziell heiraten – als erstes gleichgeschlechtliches Paar Deutschlands. „Wir hoffen, dass von dieser Hochzeit eine Signalwirkung ausgeht und viele andere gleichgeschlechtliche Paare ebenfalls heiraten werden“, sagte Bodo Mende nach der Trauung im Rathaus Schöneberg in Berlin.

Erstmals in Deutschland konnten gestern homosexuelle Paare heiraten. Neben Schöneberg und Friedrichshain öffneten auch Hamburg und Hannover an diesem Tag ihre Standesämter. Allein in der Hauptstadt gaben sich nach Angaben des Schwulen und Lesbenverbandes elf Paare das „Ja-Wort. Unter ihnen der Grünen-Politiker Volker Beck.

Kampf um Gleichberechtigung
Genau wie Beck kämpften auch Kreile und Mende jahrelang für die Gleichberechtigung.
Eigentlich seit Sommer 1978. „Ich empfand mich als zurückgesetzt und gekränkt, dass man unsere Beziehung nicht als wert erachtet, so gesehen zu werden wie die anderen Beziehungen auch“, erzählte Kreile.

„Es wurde so getan, als ob wir nur Individuen sein dürfen, Sex-Individuen, das war’s“, fügte Mende hinzu. „Dass wir soziale Beziehungen haben, das wurde tabuisiert, das war der Skandal eigentlich. Deshalb ist unsere Generation dadurch geprägt, diesen Skandal beenden zu wollen.“

Ein Jahrzehnt später kam der Durchbruch: Im Juli 2002 bestätigte das Bundesverfassungsgericht, dass das ein Jahr zuvor verabschiedete Lebenspartnerschaftsgesetz mit dem Grundgesetz vereinbar war. Kreile und Mende traten ein zweites Mal vor Standesbeamte, verließen das Rote Rathaus als Mann und Mann und schmissen „zur Hochzeit von Bodo und Karl“ eine Riesenparty.

Kampf um Rechte
Für sich und ihr Umfeld galten Mende und Kreile ab dem Tag als verheiratet, doch rechtlich eben nicht:
Von Mietrecht bis Erbrecht und Steuerrecht, zur Adoption leiblicher Kinder kam die Angleichung an die Rechte heterosexueller Eheleute erst nach Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. „Die Pflichten waren vom ersten Tag an wie bei Ehepaaren, aber die Rechte waren minimal. Jedes Zugeständnis der Politik war durchgeklagt und dauerte Jahre“, sagt Kreile.

„Also es war ein mühseliger, erbärmlicher Prozess, das muss man so sagen, den die Politik da veranstaltet hat.“ Aber nicht nur die Politik stand in der Kritik. Auch die Kirchen. Bis heute beharrt die katholische Kirche auf einer deutlichen Unterscheidung. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würde es zudem begrüßen, wenn die „Ehe für alle“ beim Verfassungsgericht auf den Prüfstand kommt.

Noch härter wird wohl das ringen um die vollkommene gesellschaftliche Anerkennung der Ehen Homosexueller. Das weiß auch Mende. Den Kampf gegen Vorurteile geht er jetzt aber selbstbewusster an: „Jetzt haben wir eine Situation erreicht, wo wir das erste Mal sagen können: Wir sind gleichberechtigt. Und an diejenigen, die uns angreifen, auf der Straße ganz alltäglich: Ihr habt unrecht.“

Mit Verwendung von SZ-Material.

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