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Warum der Mannschaftsarzt des DFB im Saarland forscht

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Tim Meyer, Arzt bei der deutschen Fußballnationalmannschaft. Archivfoto: Andreas Gebert/dpa-Bildfunk.

Der Schreibtisch von Tim Meyer ist ein Reich der kleinen Dinge. An der einen Querseite steht eine Playmobil-Figur, ein Arzt, ganz in Weiß, mit Haube und Stethoskop. Gegenüber ein Tipp-Kick-Männchen, schussbereit, vor einer durchsichtigen Torwand aus Plexiglas.

An diesem Tisch arbeitet Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin, fast 50. Seit 16 Jahren betreut der Niedersachse, der am Montag seinen runden Geburtstag feiert, die deutsche Fußball-Nationalelf – als Mannschaftsarzt.

Meyer ist seit 2001 dabei
Meyer begleitete Deutschland bisher zu vier Weltmeisterschaften, auch 2014 nach Brasilien. Dabei zögerte Meyer, als 2001 das Angebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kam. Sollte er sich als Arzt soweit in die Öffentlichkeit wagen? „Nach einem Tag habe ich gedacht: Das kann ich nicht ablehnen“, erinnert er sich.

Sein Länderspieldebüt erlebte der Mannschaftsarzt in Budapest, bei einem 5:2 gegen Ungarn. Deutschland wird Weltmeister? Damals unvorstellbar.

Der Sportmediziner hat die Zeitenwende im deutschen Fußball miterlebt. Erst die Revolution unter Jürgen Klinsmann, dann die Rückkehr an die Weltspitze in der Ära des Bundestrainers Joachim Löw. Löw führte die Nationalelf bei jedem Turnier mindestens ins Halbfinale, 2014 zum WM-Titel. Meyer beschreibt den Trainer als „sehr angenehmen Menschen“.

Meyer weiß: Auf dem „allerhögschden Niveau“, wie Löw sagen würde, entscheiden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage, das Wohlbefinden einer ganzen Nation. Weshalb der Arzt zu den engsten Mitarbeitern des Bundestrainers zählt – als ein Meister des Details.

So war die WM in Brasilien
Verantwortlich ist Meyer für alle Beschwerden, die ein Orthopäde nicht behandeln kann. Außerdem kümmert er sich um die Leistungsdiagnostik und das Anti-Doping-Management der Nationalmannschaft. Daten zeigen ihm, warum die deutschen Fußballer international wieder führend sind: „Sie schneiden in den Tests besser ab, im Vergleich zu vor zwanzig Jahren haben wir erheblich bessere Ergebnisse.“ Und warum? Meyer führt die verbesserte Talentförderung an. 

Bei der Nationalelf kümmert sich ein riesiger Betreuerstab um die Stars. Das „Team hinter dem Team“ zählt 29 Mitarbeiter, vier Ärzte, vier Physiotherapeuten, drei Scouts, zwei Fitnesstrainer, einen Psychologen, einen Koch. „Ich sehe mich als Teil des Ganzen“, sagt Meyer. Was im Rückblick auf die WM 2014 bedeutet: „Ich fühle mich auch als Weltmeister, natürlich nicht so wie die Spieler, aber es hing ein immenser Aufwand daran.“

Brasilien sei das mit Abstand arbeitsreichste Turnier gewesen, findet Meyer – auch in der Vorbereitung. 2013 verbrachte er seinen Urlaub extra in Südamerika, um in der Planung kein Detail zu übersehen. „Das war ein riesiges Paket“, sagt er: „Meine Frau hat sich mit Recht beklagt, dass ich im halben Jahr vor der WM gelegentlich in Gedanken woanders war.“

Meyer forscht im Saarland
In Brasilien fiel auch ein wenig Licht auf die Forschung, die Meyer im Saarland betreibt. Er gilt als Experte, was Ermüdung und Regeneration angeht. Seit 2012 leitet der Professor ein großes Verbundprojekt zum „Regenerationsmanagement im Sport“ – mit Wissenschaftlern aus Saarbrücken, Bochum und Mainz. Sie beschäftigen sich auch mit Kälteanwendungen. Man könnte sagen: Meyer ist der Kopf hinter der Eistonne. 

Seit 2008 führt Meyer in Saarbrücken das Institut für Sport- und Präventivmedizin. Hier arbeiten Mediziner mit Sportwissenschaftlern zusammen. 

Fragt man ihn, wo in der Wissenschaft sein Schwerpunkt liegt, sagt der Professor: „Fußballforschung, in verschiedenen Facetten.“ Dabei soll es bleiben, am selben Ort? „Ich gehe davon aus, dass meine universitäre Karriere hier in Saarbrücken endet“, erklärt Meyer: „Ich will hier nicht mehr weg.“ Sein Reich der kleinen Dinge, es bleibt, wo es ist.

Mit Verwendung von SZ-Material (Tobias Fuchs).

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