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Darum lohnt sich das Bäckerhandwerk im Saarland auch noch heute

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Bäckermeister Karl Weilhammer (82) in seiner Wohnung in Güdingen. Foto: Becker&Bredel

Karl Weilhammer aus Saarbrücken erinnert sich an eine Landeshauptstadt mit 220 selbstständigen Bäckereien. Das war während des Krieges, heute gibt es vielleicht ebenso viele Brotverkaufsstellen, aber die Zahl der selbstständigen Handwerker ist massiv geschrumpft.

Die Auszeichnung
Weilhammer
, den die Handwerkskammer des Saarlandes kürzlich mit dem Diamanteten Meisterbrief für 60 Jahre als Meister ehrte, hat den Niedergang vieler Bäckereien miterlebt. Als Berater der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart hat er sogar in Baden-Württemberg lange Jahre Betriebe besucht und versucht, diesen wichtige Tipps zu geben. „Den Trend konnte man dennoch nicht aufhalten“, sagt Weilhammer.

Der Bäcker- und Konditormeister hatte in der Saarbrücker Talstraße von 1940 bis 1999 einen eigenen Betrieb und unterhielt zwei Cafés in der Eisenbahnstraße und der Lebacher Straße. In allen Berufsjahren habe er ausgebildet, berichtet Weilhammer.

Das Handwerk
Er erinnert sich an keinen Auszubildenden, der in der näheren Umgebung einen Betrieb eröffnet habe. „Auch ein Bäcker hat ein Recht auf fairen Lohn und Freizeit. Das ist schwierig, wenn ein Brötchen vom Handwerker doppelt so viel kostet, wie eine Fertigbackmischung aus der Fabrik, die in irgendeinem Laden nur aufgebacken werden muss. Die Verbraucher müssen ihrem Handwerks-Bäcker die Treue halten, anders geht es nicht“, sagt er heute.

Zwei seiner Söhne sind auch Bäcker geworden. Einer betreibe das Cafe in der Alten Feuerwache, der andere eine Brezelbäckerei in Güdingen. „Natürlich erinnern wir uns, dass die Oberbürgermeisterin irgendwann die Verkaufswagen in der Bahnhofstraße als unschön für das Stadtbild empfand und die Konzessionen einzog. Da konnten wir die Daarler Brezel nicht mehr wie gewohnt verkaufen und mussten den Betrieb umstellen.“ Doch die Krise sei gemeistert worden.

Lohnt sich das Handwerk auch heute noch?
Heute beliefere man Schulen, Kantinen und andere größere Abnehmer. Weilhammer würde auch heute noch Bäcker werden. Als Kind half er in der elterlichen Backstube, machte zwei Ausbildungen und bereute es nach eigenen Worten nie. „Das Bäckerhandwerk lohnt sich auch heute noch“, ist er sicher.

Wer gute Produkte habe, könne die Kunden an sich binden, auch wenn die Industrieware billiger sei. In seinem eigenen Berufsleben sei ihm das stets gelungen. Heute verbringt er seine Zeit mit Lesen und Reisen. Nächstes Ziel: die USA. Ob er dort Brot vom Bäckermeister bekommt, ist zumindest zweifelhaft.

Mit Verwendung von SZ-Material (Frank Bredel).

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