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Farc-Guerilla betritt Kolumbiens politische Bühne

Anhänger der früheren Guerillaorganisation Farc halten in Bogota beim Parteikongress rote Rosen in den Händen. Nach über einem halben Jahrhundert im Untergrund verwandelt sich die Farc in eine politische Bewegung. Foto: Fernando Vergara

Anhänger der früheren Guerillaorganisation Farc halten in Bogota beim Parteikongress rote Rosen in den Händen. Nach über einem halben Jahrhundert im Untergrund verwandelt sich die Farc in eine politische Bewegung. Foto: Fernando Vergara

Ein halbes Jahrhundert haben die linken Farc-Rebellen den kolumbianischen Staat erbittert bekämpft, jetzt stehen sie im Herzen von Bogotá auf dem Bolívar-Platz zwischen Kongress, Kathedrale und Rathaus.

Nicht als bewaffnete Guerillaorganisation sind sie bis ins Zentrum der Hauptstadt vorgestoßen, sondern als politische Bewegung. «Künftig soll das Wort unsere mächtigste Waffe sein», sagt Farc-Kommandeur Rodrigo Londoño alias «Timochenko» am Freitag vor Tausenden Anhängern bei der Vorstellung der neuen Partei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común (Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes). «Wir wollen mit euch zusammen ein neues Land aufbauen. Ein Land, in dem niemand mehr verfolgt und getötet wird, weil er anders denkt.»

Die Farc wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele wie eine gerechtere Landverteilung eintreten. «Wir träumen von einem Land, in dem Transparenz Gesetz ist, in der Politiker die Rechte der Menschen verteidigen», sagt Londoño. Alle Kolumbianer sollten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung haben. Seine Anhänger feiern den früheren Guerillakommandeur «Timochenko», skandieren «Timo, Timo».

Laut Friedensabkommen sind den Farc in den kommenden zwei Legislaturperioden jeweils fünf Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer garantiert. Ab 2026 müssen sie ihre Sitze regulär bei den Wahlen erringen. Fraglich ist, ob die Kolumbianer den Farc Anschläge, Entführungen und Drogenhandel verzeihen und sie als politische Kraft akzeptieren. Vor allem in den Städten können sie bislang kaum mit Unterstützung rechnen.

«Wenn sie sich als breite, inklusive Partei aufstellen, die an die Zukunft, die städtische Bevölkerung und politische Bündnisse denkt, könnten sie sich in eine bedeutende Kraft verwandeln», sagt der Ex-Guerillero und politische Analyst León Valencia.

Ihr Akronym Farc behalten die einstigen Rebellen auch als Partei bei, ihr Symbol ist eine rote Rose. Mit einem mehrstündigen Konzert auf dem Bolívar-Platz feiern sie die Gründung ihrer neuen Partei. «Ich möchte eine Blume statt einem Gewehr in meinen Händen halten. Ich weiß, wie schrecklich der Krieg für die Menschheit ist», singt der Farc-Barde Julian Conrado.

Seit Mitte der 1960er Jahre kämpften die Farc gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und rechte Paramilitärs. Über 220 000 Menschen kamen in dem blutigen Konflikt ums Leben. Nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags mit der Regierung im vergangenen Jahr legten sie ihre Waffen nieder.

«Wir wollen keinen einzigen Tropfen Blut mehr vergießen für die Politik», sagt Londoño. «Wir wollen ein Kolumbien ohne Hass.» Die größte Herausforderung dürfte die Wiedereingliederung der rund 6800 Farc-Kämpfer in das zivile Leben sein. Bei der Demobilisierung der rechten Paramilitärs Mitte der 2000er Jahre ging das schon einmal gründlich daneben. Zahlreiche Ex-Mitglieder schlossen sich damals kriminellen Banden an.

Nach Londoños Rede begrüßen Vertreter der indigenen Völker die Farc als neuen Akteur auf der politischen Bühne. Sie rauchen eine Friedenspfeife, verbrennen Räucherwerk und reinigen die früheren Rebellen symbolisch. «Die Prophezeiung sagt, dass der Adler und der Kondor sich wieder vereinen werden und dass der Frieden blüht», sagt ein Stammesältester.

Der berüchtigte Farc-Kommandeur Jorge Briceño sagte einst: «Wir sehen uns auf dem Bolívar-Platz.» Der Rebellenführer wurde bei einem Militäreinsatz getötet, seine einstigen Kameraden stehen jetzt tatsächlich auf dem symbolträchtigen Platz im Herzen der kolumbianischen Hauptstadt - ganz ohne Waffen, nur mit roten Rosen in den Händen.

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