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Höchste Terrorwarnstufe nach U-Bahn-Anschlag in London

Polizisten am Paddington-Bahnhof in London: Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn gilt jetzt die höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien. Foto: Andrew Matthews

Polizisten am Paddington-Bahnhof in London: Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn gilt jetzt die höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien. Foto: Andrew Matthews

Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn gilt jetzt die höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien. Das sagte Premierministerin Theresa May am Freitagabend im BBC-Fernsehen.

Die Warnstufe fünf bedeutet, dass die britischen Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag für möglich halten.

Bei der Explosion einer selbstgebauten Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green waren am Morgen mindestens 29 Menschen verletzt worden. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach dem Täter oder den Tätern ein.

Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich. Ein Kämpfer des Islamischen Staates habe die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitagabend im Internet. In einer weiteren Nachricht hieß es, dass es «Soldaten des Kalifats» gelungen sei, mehrere Sprengsätze zu platzieren, von denen einer 30 Menschen getroffen habe. Das schlimmste komme jedoch noch, hieß es über die üblichen Kanäle, über die der IS auch in der Vergangenheit schon Anschläge für sich reklamiert hatte.

Großbritannien ist damit bereits zum fünften Mal in diesem Jahr Ziel eines Anschlags geworden. Bei vier früheren Anschlägen in London und Manchester in diesem Jahr waren insgesamt 36 Menschen ums Leben gekommen, drei der Attacken gingen auf das Konto von Islamisten.

Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester ausgerufen worden. Dort waren 22 Menschen getötet worden.

Die Bombe in London explodierte gegen 08.20 Uhr mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Die Station Parsons Green liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballclubs FC Chelsea. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall und einer «Feuerwand» beziehungsweise einem «Feuerball» in der Bahn.

Die Verletzten wurden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt, überwiegend wegen Verbrennungen. Acht von ihnen konnten bis zum Abend wieder entlassen werden. Wie Polizei und Rettungsdienste weiter berichteten, schwebte keiner der Verletzten in Lebensgefahr.

In sozialen Medien kursierten Bilder und Videos von einem weißen Eimer in einer Supermarkt-Tüte, der in dem Waggon eine Explosion ausgelöst haben soll. Aus dem Eimer hingen Drähte. Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz per Zeitschaltuhr gezündet.

Premierministerin May berief den nationalen Krisenstab ein. «Meine Gedanken sind bei denen, die in Parsons Green verletzt wurden», ließ May mitteilen. Die «feige» Tat sei darauf gerichtet gewesen, erheblichen Schaden anzurichten. Außenminister Boris Johnson rief die Briten auf, Ruhe zu bewahren.

Auch Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte den Angriff. «Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören», schrieb er.

Ein Großaufgebot an Rettungskräften und bewaffneter Polizei war binnen weniger Minuten zur Stelle. Die Haltestelle wurde weiträumig abgesperrt. Die Bürger wurden aufgerufen, die Umgebung zu meiden. Der Zugverkehr wurde teilweise unterbrochen und umgeleitet.

Hunderte Beamte waren am Nachmittag damit beschäftigt, Videomaterial und andere Beweismittel auszuwerten, wie der Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, mitteilte. «Die Fahndung läuft», sagte Bürgermeister Khan dem Radiosender LBC. Ob bereits konkrete Personen ins Visier geraten seien, dürfe er aber nicht sagen.

Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen. Die Menschen seien aus der oberirdischen Station nach unten auf die Straße gerannt. «Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen», sagte ein Mann namens Luke dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schilderte: «Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.»

Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, drückte sein Mitgefühl aus. «Terrorismus kennt keine Grenzen und wird besiegt, indem man zusammenarbeitet», erklärte er auf Twitter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte die Anteilnahme und Solidarität Deutschlands deutlich. «Unsere Gedanken sind natürlich bei den Verletzten», sagte Merkel nach einem Gespräch mit dem französischen Premier Edouard Philippe in Berlin. Auch wenn die Hintergründe noch nicht bekannt seien, sei der Fall eine Bestärkung dafür, die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen islamistischen Terrorismus zu verstärken.

US-Präsident Donald Trump rief ebenfalls zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf. Terroristen wie die in London seien Verlierer («loser»), twitterte Trump. In einem zweiten Tweet schrieb Trump, das Internet sei das wichtigste Rekrutierungswerkzeug der Terroristen, das «abgeschnitten» werden müsse. Bei den Terroristen handle es sich um kranke und verrückte Leute, die die Polizei von Scotland Yard bereits im Auge gehabt habe. «Müssen proaktiv sein!», schrieb Trump.

Die Londoner Polizei wies laut CNN die Behauptung Trumps als Spekulation zurück, ihnen seien der oder die Täter bekannt gewesen. Premierministerin May sagte dazu, es sei für niemanden hilfreich, über laufende Ermittlungen zu spekulieren.

Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben. Bei dem Bombenattentat in Manchester im Mai starben 22 Menschen. Acht Menschen kamen bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge ums Leben. Ein Mann starb bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London.

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