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UN-Generalsekretär nennt Rohingya-Krise «Alptraum»

Freiwillige helfen in Teknaf (Bangladesch) einer älteren Rohingya-Frau, die aus Myanmar geflüchtet ist. Foto: Gemunu Amarasinghe

Freiwillige helfen in Teknaf (Bangladesch) einer älteren Rohingya-Frau, die aus Myanmar geflüchtet ist. Foto: Gemunu Amarasinghe

UN-Generalsekretär António Guterres hat die Krise um die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar als «humanitären und menschenrechtlichen Alptraum» bezeichnet.

Seit dem Ausbruch der Gewalt Ende August habe sich die Krise zur «am schnellsten voranschreitenden Flüchtlingsnotsituation der Welt» entwickelt, sagte Guterres am Donnerstag (Ortszeit) vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. Die dadurch entstandene humanitäre Krise sei «nicht nur Brutstätte für Radikalismus, sondern setzt gefährdete Menschen inklusive junger Kinder dem Risiko von Kriminalität wie Menschenhandel aus».

Mehr als eine halbe Million Menschen sind seit Beginn der Krise nach UN-Angaben ins benachbarte Bangladesch geflohen. Auch die mit den UN verbundene Internationale Organisation für Migration IOM zählt inzwischen rund 502.000 Rohingya, die die bangladeschische Küstenregion Cox's Bazar seit 25. August erreicht hätten. An diesem Tag waren bei einem gegen Rohingya gerichteten Militäreinsatz zahlreiche Ortschaften zerstört worden.

Der Zustrom habe einen «kritischen humanitären Notfall» ausgelöst, teilte die IOM mit. Rund 217.000 Menschen lebten in Lagern, die sich noch im Aufbau befänden, 192.000 weitere seien in provisorischen Camps untergekommen. Anwohner hätten zudem rund 92.000 Rohingya aufgenommen. Der schlechte Zugang zu Trinkwasser und Sanitäranlagen erhöhe die Gefahr von Krankheiten, hieß es.

Weitere 250.000 Rohingya könnten zusätzlich gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen, wenn die Regierung von Myanmar die «systematische Gewalt» in der Rakhine-Provinz nicht angehe, sagte Guterres. Bislang seien nach Angaben aus Myanmar mindestens 176 der 471 muslimischen Dörfer im Norden der Rakhine-Provinz komplett verlassen worden. Den UN seien «markerschütternde» Berichte von Geflohenen zugekommen.

Beim Kentern eines Bootes mit Flüchtlingen der muslimischen Minderheit Rohingya an Bord sind nach UN-Angaben wahrscheinlich 63 Menschen ums Leben gekommen. Laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) vom Freitag starben bei dem Bootsunglück vor der Küste von Bangladesch 23 Menschen. 40 weitere seien vermisst. Damit wurden Zahlen lokaler Behörden vom Donnerstag nach oben korrigiert. Die Polizei hatte von mindestens 14 Toten gesprochen, darunter neun Kinder.

Die muslimische Minderheit der Rohingya ist staatenlos, nachdem ihnen die damalige Militärjunta 1982 die Staatsbürgerschaft entzogen hatte. Die derzeitige Krise war Ende August ausgebrochen, nachdem Rohingya-Milizen Polizei- und Militärposten angegriffen hatten. Die Sicherheitskräfte gingen anschließend mit großer Härte gegen viele muslimische Dörfer vor.

UN-Chef Guterres verurteilte erneut auch die Angriffe durch Rohingya-Milizen. Die Wurzeln der Krise lägen jedoch in den «Jahrzehnten der Diskriminierung» der Rohingya. Guterres forderte die Regierung in Myanmar erneut auf, den Rohingya eine Staatszugehörigkeit und entsprechende Rechte zu geben. Die US-Botschafterin Nikki Haley rief dazu auf, keine Waffen mehr an das Militär Myanmars zu verkaufen, solange die Gewalt in Rakhine noch andauere und die Sicherheitskräfte für ihr Vorgehen nicht zur Verantwortung gezogen worden seien.

Die Regierung in Myanmar sagte einen für Donnerstag geplanten Besuch führender UN-Mitarbeiter im Bundesstaat Rakhine wegen schlechten Wetters unterdessen ab. Die rund 50 Diplomaten und UN-Mitarbeiter zählende Gruppe habe wegen des Wetters nicht aus Rangun abfliegen können, teilte das Informationsministerium Myanmars mit. Der Besuch soll nun am kommenden Montag nachgeholt werden. Die Behörden in Myanmar hätten den UN gegenüber bislang ein «Klima des Widerstands» gezeigt, sagte UN-Chef Guterres.

Mitteilung der Regierung in Myanmar

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