Weltnews
Bahn kämpft mit Hitze und Unwetter
(2010-07-12 19:41:50)
Nach massiven Kühltechnik-Problemen in überhitzten ICE am Wochenende will der bundeseigene Konzern die Kälteanlagen besonders überprüfen. Auch die Bundespolizei und das Eisenbahn-Bundesamt nahmen Ermittlungen auf. Eine betroffene Schule will Schadenersatz fordern. Blitze und umstürzende Bäume brachten den Zugverkehr auf wichtigen Strecken in Nordrhein-Westfalen am Montag fast komplett zum Erliegen.
Nach dem Kühltechnik-Ausfall in drei ICE-Zügen am Wochenende werde nun geprüft, warum sich die Klimaanlage abgeschaltet habe, sagte ein Bahnsprecher. Dies könne der Fall sein, wenn das Kühlmittel eine bestimmte Temperatur überschreite oder wenn der Druck im Kühlsystem zu hoch werde. In einem der ICE, der stoppen musste, waren mehrere Schüler in den Wagen zusammengebrochen. Auch am Montag gab es bei Fernzügen bundesweit Schwierigkeiten mit aufgeheizten Waggons.
Bei der nächtlichen Wartung der ICE in den Werkstätten würden die Klimaanlagen nun mit einem extra Blick überprüft, teilte die Bahn mit. Es solle sichergestellt werden, dass kein Zug mit gestörter Kühlung auf die Gleise rolle. Zugbegleiter seien zudem nochmals sensibilisiert worden, auf Unregelmäßigkeiten zu achten. Es würden mehr Getränke mitgenommen, mit denen sich Reisende erfrischen könnten.
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Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, die Klimaanlagen-Defekte seien ein hausgemachtes Problem. «Es waren alles Züge des Typs ICE 2. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind», sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Eine Generalüberholung sei dringend nötig. Die Bahn hatte bereits zuvor eine Modernisierung der ICE-2-Flotte für rund 100 Millionen Euro angekündigt. «Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen», sagte Naumann. Ein Zug müsse gestoppt werden, «wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht stimmen.»
Das Eisenbahn-Bundesamt will Fahrzeuge und betriebliche Abläufe prüfen, wie ein Behördensprecher sagte. Untersucht werde auch, ob es frühere Vorfälle gegeben habe. Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte Konsequenzen, warnte aber davor, die Probleme «zu einer nationalen Tragödie hoch zu stilisieren». Bei künftigen ICE-Generationen müssten derartige Mängel beseitigt sein. Auch der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns werde sich mit dem Thema beschäftigen. Der Chef der Bahn-Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, sagte: «Die Ursachen müssen schleunigst erforscht und beseitigt werden.» Die Zugbegleiter dürften aber nicht vorverurteilt werden. «Sie leiden auch unter den Problemen.»
Die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Remscheid will nach dem Hitzekollaps von neun Schülern von der Bahn Schadenersatz fordern. Das Unternehmen habe den Vertrag auf Beförderung der Schüler nicht erfüllt, sagte Schulleiterin Brigitte Borgstedt. «Die Beförderung endete im Desaster, und das nicht nur einmal.» Bahnchef Rüdiger Grube kündigte eine «schnelle und unbürokratische Wiedergutmachung» an. Auch zu einer Schule in Willich sei Kontakt aufgenommen worden.
Neben den drei überhitzten ICE wurden weitere Probleme bekannt. In einem IC von Passau nach Hamburg versagte am Sonntag in mehreren Wagen die Klimaanlage. Im Intercity 2311 von Westerland nach Köln sei am Sonntag die Klimaanlage ausgefallen, sagte der 37-jährige Kölner Matthias Bosmann, der in dem Zug gesessen hatte, der dpa. Einige Wagen seien geschlossen worden, Fahrgäste hätten in andere ausweichen müssen. «Es war ein Riesenchaos.» Die Bahn kündigte eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene an. Am Montagabend (19.00) sollte dafür die E-Mail-Adresse hitzewelle@deutschebahn.com eingerichtet werden.
Im Westen Deutschlands lösten Gewitter am Montag Behinderungen aus. Von «massiven Störungen» wegen Blitzeinschlägen und Bäumen im Gleis berichtete ein Bahnsprecher in Nordrhein-Westfalen. Betroffen waren der Fern- und Nahverkehr sowie alle S-Bahnlinien im Bereich Rhein-Ruhr. In Düsseldorf-Hauptbahnhof standen Reisende am Nachmittag in dichten Trauben auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge. Unter anderem waren die Hauptstrecken Köln-Düsseldorf und Köln-Aachen sowie die Verbindung Oberhausen-Altenessen-Gelsenkirchen betroffen.
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