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Bayer ohne Konzept im Abstiegskampf

Die Bayer-Spieler versuchten nach der Partie die aufgebrachten Leverkusen-Fans zu beruhigen. Foto: Federico Gambarini

Die Bayer-Spieler versuchten nach der Partie die aufgebrachten Leverkusen-Fans zu beruhigen. Foto: Federico Gambarini

Die Fans sind auf den Barrikaden, die Führungskräfte ratlos, und sogar der Gegner hat Mitleid: Drei Spieltage vor dem Saisonende der Fußball-Bundesliga steckt Europacup-Stammgast Bayer Leverkusen mitten im Abstiegskampf.

Eine hilflose Mannschaft und ein Trainer ohne glaubhaften Lösungsansatz machen nach der höchsten Bundesliga-Heimniederlage seit 33 Jahren das Chaos unter dem Bayer-Kreuz perfekt.

Es war schon Mitternacht, als Ömer Toprak an Krücken am Zaun stand und mit den Fans diskutierte. Der Abwehrchef beschwor gemeinsam mit einigen Teamkollegen jenen Zusammenhalt, den das Team kurz zuvor beim desaströsen 1:4 (0:3) gegen Schalke 04 hatte vermissen lassen. Im nächsten Spiel beim FC Ingolstadt aber wird Toprak wohl fehlen. Der türkische Nationalspieler zog sich gegen Schalke einen Bänder-Teilanriss im linken Sprunggelenk zu. Dies ergab eine Kernspin-Tomographie.

Stürmer Stefan Kießling, dem zumindest das Ehrentor gelang, zweifelte sogar öffentlich an der Mentalität und am Teamgeist. «Wir haben bisher noch nicht gezeigt, dass wir dem Druck standhalten können», sagte der 33-Jährige: «Wir haben noch drei Spiele Zeit, und ich bin gespannt, ob da jeder mitzieht.» Die Situation sei «bedrohlich».

Von den rund 200 Fans, die den Spieler per Sitz-Blockade zunächst den Weg aus dem Stadion verbauten, ernteten Toprak, Kießling und Co. am Ende sogar vereinzelt aufmunternden Applaus. Doch wie Bayer den drohenden Abstieg vermeiden will - außer zu hoffen, dass die bisherigen 36 Punkte reichen - diese Erklärung blieben alle Beteiligten am Ende schuldig.

Sportchef Rudi Völler war sichtlich erbost, er verließ seinen Tribünenplatz schon während der ersten Halbzeit, machte den Spielern zur Pause eine deutliche Ansage und beratschlagte sich nach Schlusspfiff mit leerem Blick mit Geschäftsführer Michael Schade. Doch auch dem Weltmeister von 1990 blieb letztlich nichts anderes als das Motto: Augen zu und durch.

Trainer Tayfun Korkut erhielt von Völler eine «absolute» Jobgarantie bis zum Saisonende. Was verwunderte, weil der 42-Jährige mit sechs Punkten aus acht Spielen nicht nur eine abstiegsreife Bilanz hat, sondern die Spieler ganz augenscheinlich nicht erreicht. Seine Brandrede verhallte offenbar ungehört, seine taktisch plötzlich positive Ausrichtung fiel nach dem frühen 0:1 wie ein Kartenhaus zusammen. 

Dass die Schalker Fans nach Bayers schnellstem 0:3-Rückstand durch Tore von Guido Burgstaller (7. Minute), Benedikt Höwedes (10.) und Alessandro Schöpf (18.) weiße Taschentücher schwenkten, war die ultimative Demütigung. Nach Burgstallers 0:4 (50.) verließen bereits mehrere tausend Bayer-Fans die Arena.

Auf der Pressekonferenz verwirrte Korkut schließlich mit einer Analyse, die ähnlich konfus wirkte wie das Spiel seiner Mannschaft. Zwar betonte er, «nichts schönreden» zu wollen, tat letztlich aber genau das. Sein Team sei «so, wie wir uns das vorgestellt hatten» ins Spiel gekommen, sei dann nach «brutalem Spielverlauf» eben verunsichert gewesen.

Die Frage, ob es nicht fahrlässig ist, mit dem erfolglosen Trainer weiterzuarbeiten, stellt sich zwangsläufig. Völler will es aber mit Korkut durchziehen. Weitere Lösungsansätze blieb der Sportchef schuldig. «Ich weiß, das sind immer dieselben Durchhalteparolen», sagte er fast entschuldigend: Man müsse jetzt «Flagge zeigen» und dürfe sich «nicht kaputtreden lassen».

Nach der Saison sei eine vernünftige Analyse vonnöten, erklärte Völler. Nun geht es erst einmal ums blanke Überleben. «Wir haben noch Vorsprung, aber es wird knapp», sagte der Sportchef: «Wir müssen jetzt noch drei Punkte holen.» In der Verfassung vom Freitag wird aber selbst das schwierig.

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