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Die Bundesliga und der Transfer-Wahnsinn

Uli Hoeneß ist der Präsident des FC Bayern München. Foto: Matthias Balk

Uli Hoeneß ist der Präsident des FC Bayern München. Foto: Matthias Balk

Der «Transferwahnsinn» ist erst einmal vorbei. Mehr als vier Milliarden Euro wurden in diesem Sommer allein in Europas Topligen für die Vereinswechsel von Fußball-Profis bezahlt.

Die deutsche Bundesliga hat sich auf einem völlig überhitzten Transfermarkt gern als Hort der Vernunft und der Mäßigung geriert. Die Frage ist nur: Ist sie das auch? Kann ein Verein wie Bayern München seinem prominentesten Neuzugang ein Nettogehalt von 6,5 Millionen Euro pro Jahr überweisen und sich danach noch glaubhaft über die «Gehaltsexplosionen» in England und Spanien mokieren? Die Bundesliga und der Transfermarkt - eine Geschichte in drei Thesen.

«Wir in der Bundesliga stehen sehr solide da»

Kaum jemand hat sich während dieser Transferfrist so häufig zu Wort gemeldet wie Uli Hoeneß. Seine Kernbotschaft lautet in etwa: Die Fußball-Welt ist verrückt geworden. Wir bleiben vernünftig. Der Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrums ist für den Präsidenten des FC Bayern München die Antwort «auf den ganzen Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen». Außerdem möchte er «keinen Spieler für 100 Millionen Euro kaufen, auch wenn ich sie hätte. Dafür ist mir das Geld zu schade», sagte Hoeneß in einem «Sport Bild»-Interview.

100 Millionen vielleicht nicht, aber 41,5 Millionen Euro hat auch der FC Bayern in diesem Jahr für nur einen einzigen Spieler ausgegeben: Corentin Tolisso, 23 Jahre alt, ein Länderspiel für Frankreich.

Stars wie Robert Lewandowski oder Manuel Neuer bekommen in München wohl zweistellige Millionengehälter brutto pro Jahr. Der Vertrag des Neuzugangs James Rodriguez wurde von der Plattform «Football Leaks» und dem Magazin «Der Spiegel» veröffentlicht: 541 670 Euro pro Monat. Als Nettogehalt. Wenn solche Zahlen für Hoeneß nicht zum Transferwahnsinn und den Gehaltsexplosionen gehören - was sind sie dann?

Fakt ist: Auch die Transferausgaben deutscher Vereine gehen seit Jahren nur in eine Richtung: steil nach oben. 577 Millionen Euro gaben die 18 Bundesligisten in diesem Sommer für ihre Neuzugänge aus. 2016 waren es noch 512 Millionen, 2016 rund 300 Millionen. Leihgebühren sind in diese Summen noch nicht einmal mit eingerechnet.

Auch in Deutschland werden Transfers getätigt, die noch vor drei Jahren niemand für möglich hielt. Der 1. FC Köln kaufte für 16 Millionen einen Stürmer, der nicht einmal zu Kolumbiens Nationalteam gehört (Jhon Cordoba). Borussia Dortmund zahlte 20 Millionen für einen U21-Europameister (Maximilian Philipp). Das ist wirklich bescheiden im Vergleich zu Clubs wie Paris Saint-Germain oder dem AC Mailand, die arabischen beziehungsweise chinesischen Investoren gehören. An dem «Transferwahnsinn» beteiligt sich die Bundesliga trotzdem.

«Das ist Wahnsinn, wie Monopoly»

Max Eberl von Borussia Mönchengladbach gehört zu den erfolgreichsten Managern der Bundesliga. Genau wie andere Kollegen kommentiert aber auch er die Auswüchse des modernen Fußballs häufig mit einem moralischen Unterton. Eberl sprach vom «Betrug am Fan» und einem Transfermarkt, auf dem es zugehe wie beim Monopoly («Kicker»).

Die Frage ist nur: Wo genau fängt der Wahnsinn eigentlich an? Sind 222 Millionen Euro für den Weltstar Neymar moralisch verwerflich, 30 oder 40 Millionen Euro für einen Spieler aber völlig okay?

Eberl selbst hat in diesem Sommer einen 18-jährigen Stürmer aus Paraguay verpflichtet und rund zehn Millionen Euro für einen 20-Jährigen aus der Schweiz gezahlt. Ziel beider Transfers könnte es durchaus sein, irgendwann einmal genau die Ablösesummen für diese Spieler zu generieren, die angeblich so unmoralisch sind.

«Wir dürfen das Geschäft wie in Deutschland nicht so verteufeln, dass es scheinheilig klingt», sagte David Wagner, der deutsche Trainer des englischen Clubs Huddersfield Town dem «Spiegel».

«Mit der Hilfe der Politik hätten wir alles lösen können»

Die Erfahrungen dieses Sommers zeigen: Regeln wie das Financial Fairplay der Europäischen Fußball-Union UEFA können den Transfermarkt nicht bändigen. Deshalb fordern Vereinsbosse wie Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München, dass sich die Politik darum kümmern müsse. Seine Idee und die des UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin ist, dass die Europäische Union dem Fußball einen Sonderstatus einräumt, damit dort Maßnahmen wie Gehaltsobergrenzen eingeführt und später nicht wieder von Gerichten einkassiert werden können.

Allein: Experten nehmen solche Vorstöße nicht sonderlich ernst. «Nicht alle Mitgliedsstaaten der UEFA sind auch Mitglieder der EU», sagte der Anwalt und Sportrechtsexperte Joachim Rain der Deutschen Presse-Agentur. Die größten Preistreiber auf dem Transfermarkt waren zuletzt die englische Premiere League und die chinesische Super League. Die einen wollen die EU verlassen, die anderen gehören nicht einmal zu Europa. «Gerade einige der großen und zahlungskräftigen Länder unterliegen gar nicht dem EU-Recht», sagte Rain. Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hält nichts von Regulierungen. «Es wurde meines Wissens noch nie so viel Alkohol getrunken wie zu Zeiten der Prohibition», sagte er dem «Business Insider».

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