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Zorc will Klima beim BVB beruhigen: «Ruhe im Karton»

BVB-Sportdirektor Michael Zorc will, dass der Verein sich jetzt auf die kommenden Spiele konzentriert. Foto: Bernd Thissen

BVB-Sportdirektor Michael Zorc will, dass der Verein sich jetzt auf die kommenden Spiele konzentriert. Foto: Bernd Thissen

Thomas Tuchel steht bei Borussia Dortmund vor einer ungewissen Zukunft. Der jüngste Streit zwischen dem Trainer und Vereinschef Hans-Joachim Watzke erschwert die für das Saisonende anstehenden Vertragsgespräche.

In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur bezieht Michael Zorc Stellung zu den Schlagzeilen der vergangenen Tage. «Dass die Bestätigung einer längst publik gewordenen Meinungsverschiedenheit zeitweise die Kraft haben würde, die Präsidenten-Wahl in Frankreich von den Titelseiten zu verdrängen, war niemandem bewusst», sagte der Sportdirektor des Revierclubs.

Frage: Wenige Worte von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zum Dissens mit Trainer Thomas Tuchel haben für große Aufregung gesorgt. Hat Sie dieses riesige Medienecho überrascht?

Michael Zorc: Kurioserweise wurde ja schon seit Wochen über diese Meinungsverschiedenheit berichtet. Deshalb hat mich das Ausmaß der Aufregung nach einer einfachen Bestätigung schon überrascht. Dass Schlagzeilen entstehen, wenn es konträr verlaufende Aussagen gibt, ist mir natürlich klar. Ich bin ja auch schon ein paar Jahre im Geschäft. Aber dass es medial zum Teil so stark ins Persönliche gehen würde und die Bestätigung einer längst publik gewordenen Meinungsverschiedenheit zeitweise die Kraft haben würde, die Präsidenten-Wahl in Frankreich von den Titelseiten zu verdrängen, war niemandem bewusst. Ich halte viele Kommentare für maßlos und übertrieben! Das alles zeigt aber auch, wie groß die Bühne Borussia Dortmund und wie wichtig Geschlossenheit inzwischen ist.

Es heißt, der Interview-Zeitpunkt sei bewusst gewählt worden, um die Öffentlichkeit auf die Trennung von Tuchel vorzubereiten...

Zorc: Das ist doch Unsinn! Aki Watzke hat offen und ehrlich eine Frage beantwortet und nicht rumgedruckst. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war sicher diskussionswürdig. Dieses Interview war ursprünglich allerdings für den Tag nach dem Attentat anberaumt und ist aufgrund der schwierigen Situation damals verlegt worden. Hinter dem Termin steckte also überhaupt kein Kalkül. Noch einmal: Dass die bloße Bestätigung einer ohnehin lange zuvor öffentlich gewordenen Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Menschen solche Wellen schlagen würde, konnte niemand ahnen. Man wartet ja inzwischen schon fast auf einen ARD-Brennpunkt zum Thema «Dissens».

«Überall Verletztheiten» (Süddeutsche Zeitung), «Schwarz-gelbes Reizklima» (Frankfurter Allgemeine Zeitung), «Kollektiver Vertrauensverlust» (Ruhr Nachrichten) - so lauteten die Schlagzeilen zu Wochenbeginn über den BVB. Ist die Stimmung vereinsintern wirklich so schlecht?

Zorc: Nein. Wir arbeiten alle professionell und intensiv zusammen, gerade in der wichtigen Endphase der Saison. Wir möchten uns direkt für die Champions League qualifizieren und haben uns nach dem wichtigen Sieg gegen Hoffenheim in der Trainerkabine alle gemeinsam über den Sprung auf Platz drei gefreut.

Viele Außenstehende empfinden es als skurril, dass trotz der sportlichen Erfolge über den Trainer diskutiert wird. Können Sie das Phänomen erklären?

Zorc: Wir diskutieren nicht in der Öffentlichkeit über den Trainer. Das haben wir noch nie getan, nicht in sieben Jahren mit Jürgen Klopp und nicht, seitdem Thomas Tuchel Trainer ist. Ich kann nur wiederholen, was wir schon seit Wochen betonen: Dass wir uns nach der Saison zusammensetzen und die abgelaufene Spielzeit gemeinsam bewerten und analysieren. Sportliche Belange werden dabei eine Rolle spielen. Und natürlich auch Dinge wie Strategie, Vertrauen, Kommunikation.

Es stand in zahlreichen Kommentaren zu lesen, dass die Differenzen zwischen der Vereinsführung und Tuchel unüberbrückbar seien. Demnach soll es bereits mehrmals Differenzen gegeben haben. Teilen Sie diese Einschätzung?

Zorc: Natürlich gibt es innerhalb einer Saison immer mal unterschiedliche Meinungen, Bewertungen, Auffassungen. Das ist doch ganz normal. Es ist grundsätzlich einfach wichtig, diese Dinge intern zu besprechen und sie anschließend gemeinsam nach außen zu vertreten.

Laut seinem Berater Olaf Meinking liegt es im Interesse von Tuchel, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Erscheint eine solche Fortsetzung über die Saison hinaus überhaupt möglich?

Zorc: Ich kann mich nur wiederholen: Wir werden uns nach der Saison zusammensetzen. Man müsste doch keine Saison-Analysen anberaumen, wenn das Ergebnis vorher schon feststünde.

Der BVB kämpft um den direkten Champions-League-Einzug und kann im Pokal-Finale seinen ersten Titel seit 2012 gewinnen. Stören die jüngsten Schlagzeilen die Vorbereitung auf das Saisonfinale?

Zorc: Nein. Im Anschluss an den Sieg gegen Hoffenheim haben mich einige Spieler sogar nach dem Grund für die ganze Aufregung gefragt. Sie hatten weder das besagte Interview noch die Reaktion darauf wirklich auf dem Schirm. Unsere Mannschaft ist extrem fokussiert auf das Wesentliche. Seit dem Attentat und dem darauf folgenden Monaco-Spiel, an dem sich die besagte Meinungsverschiedenheit ja entzündet hat, haben wir aus vier Bundesliga-Partien zehn Punkte geholt und sind darüber hinaus auswärts bei den Bayern ins Pokalendspiel eingezogen. Ich will ja nichts beschönigen, aber sind wir doch mal ehrlich: Weil jemand in der Zeitung «So ist es, ja», sagt und ein anderer das vor mehreren TV-Kameras ganz offensichtlich nicht gut findet, spielt kein Team der Welt schlechten Fußball. Wichtig ist jetzt: Volle Konzentration auf das Wesentliche und Ruhe im Karton.

Vor Saisonbeginn war vom größten Umbruch seit einem Jahrzehnt die Rede. Was denken Sie: Ist dieser Umbruch gelungen?

Zorc: Ja. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und hochtalentierten Spielern. Unsere aktuellen Profis haben in über 600 Champions-League-Spielen auf dem Rasen gestanden! Nur mal zum Vergleich: 2011, als wir nach dem Meistertitel erstmals wieder in der Königsklasse auflaufen durften, hatte die Mannschaft nicht mal ein Dutzend Champions-League-Spiele auf dem Buckel, und die fielen übrigens ausnahmslos in die Vita von Sebastian Kehl.

Sie haben aber auch Qualität verloren. Zu viel Qualität?

Zorc: Es stimmt natürlich, dass wir in Mats Hummels, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan drei wichtige Spieler verloren haben, aber wir haben unter anderem in Raphael Guerreiro, Ousmane Dembele, Mario Götze und André Schürrle auch hohe Qualität hinzugeholt. Dass wir trotz der langwierigen Ausfälle der Weltmeister Schürrle und Götze - aber auch von Sebastian Rode - die Chance haben, uns direkt für die Champions League zu qualifizieren, zeigt doch, dass dieser Mannschaft die Zukunft gehört und dass sie die Qualität und die Perspektive hat, die wir ihr zugetraut haben. Insbesondere unsere jungen Spieler konnten sich in dieser Situation gut entwickeln und in den Vordergrund spielen. Aus unserer Sicht war und ist dieser Umbruch vollkommen alternativlos und total richtig gewesen! Es gibt für Borussia Dortmund keinen anderen gangbaren Weg, um sich mittel- bis langfristig unter den Top 10 Europas etablieren zu können.

Was muss in den letzten drei Spielen passieren, damit Sie von einer erfolgreichen Saison sprechen?

Zorc: Wenn wir uns direkt für die Champions League qualifizieren und den DFB-Pokal holen, war es eine sehr erfolgreiche Saison für Borussia Dortmund.

Für die neue Saison wurden Mahmoud Dahoud und Ömer Toprak bereits verpflichtet. Wie groß wird der Umbruch diesmal ausfallen?

Zorc: Im vergangenen Sommer hatten wir die Sondersituation, dass drei Leistungsträger - die erwähnten Mchitarjan, Gündogan und Hummels - in ihr letztes BVB-Vertragsjahr gegangen und anschließend ablösefrei gewesen wären, wenn wir nicht entweder mit ihnen verlängert oder sie nicht zuvor verkauft hätten. Hätten wir auf Vertragserfüllung gepocht, hingegen auf ihren Verbleib bestanden, hätten wir sie womöglich in diesem Sommer ersetzen müssen. Der entscheidende Unterschied ist aber: Ohne die entsprechenden Transfer-Einnahmen von rund 100 Millionen Euro dafür zur Verfügung zu haben! In diesem Sommer sieht die Situation allerdings ganz anders aus. Unsere Leistungsträger sind langfristig gebunden. Insofern werden wir nicht ansatzweise an die 13 Transfers des Vorjahres herankommen.

In welchen Mannschaftsteilen sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Zorc: Ich sehe uns insgesamt sehr gut aufgestellt. Aber natürlich werden wir im Sommer an kleinen Stellschrauben drehen, um den Kader weiter zu optimieren.

ZUR PERSON: Michael Zorc ist Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Vor seinem Amtsantritt im Jahr 1998 war der heute 54 Jahre alte gebürtige Dortmunder Profi beim Revierclub. Mit 463 Bundesligapartien ist er BVB-Rekordspieler. In der Nationalmannschaft kam er zu sieben Einsätzen.

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