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Risiko Relegation: Emotionen, Gewalt und Zynismus im Spiel

Schiedsrichter Daniel Siebert (M.) unterbrach das Spiel in München nach den Ausschreitungen für rund 15 Minuten. Foto: Andreas Gebert

Schiedsrichter Daniel Siebert (M.) unterbrach das Spiel in München nach den Ausschreitungen für rund 15 Minuten. Foto: Andreas Gebert

Dramatik bis zur letzten Sekunde, Spannung und Emotionen pur - und dann rasten Fans wieder mal aus: Alles-oder-Nichts-Spiele zum Saisonende oder in der Relegation bergen nach Ansicht von Experten ein besonders hohes Gewaltpotenzial.

Doch die Ausschreitungen unbelehrbarer Anhänger wie in München sind nach Ansicht von Michael Gabriel, Leiter der Frankfurter Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), auch ein Problem des Fußballs selbst. «Mit Blick auf die Vermarktung des Fußballs ist da eine ganze Menge Zynismus mit im Spiel: Wenn man zur besseren Vermarktung die Emotionen auf die Spitze treibt und sich hinterher beschwert, dass die Fans ihre Emotionen nicht im Griff hatten», sagte Gabriel der Deutschen Presse-Agentur.

Einen Tag nach dem Platzsturm von Chaoten in Braunschweig stand das Relegationsduell zwischen 1860 München und Jahn Regensburg (0:2) sogar vor dem Abbruch. «Löwen»-Fans hatten hinter einem Tor randaliert, Gegenstände auf den Rasen geworfen, mehrere Polizisten wurden bei dem Einsatz in der Allianz Arena verletzt. Schiedsrichter Daniel Siebert unterbrach die Partie in der 81. Minute, behielt aber Nerven und Übersicht: Nach 15 Minuten ließ er weiterspielen.

Eine angemessene Entscheidung, befand DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich am Tag danach. «Im Sinne einer deeskalierenden Strategie war eine Fortsetzung des Spiels nachvollziehbar. Ein Abbruch des Spiels hätte die Situation noch verschlimmern können», ließ Fröhlich über den Deutschen Fußball-Bund mitteilen. Wichtig bei einer solchen Entscheidung sei «die enge Kooperation mit den Sicherheitsverantwortlichen und dem Veranstalter», betonte der ehemalige FIFA-Referee.

«Das, was gestern bei 1860 München passiert ist, geht noch über den bitteren sportlichen Abstieg hinaus. Hier geht es um die Existenz eines ganzen Vereins», sagte Sportwissenschaftler Gabriel. «Es sind die Fans, die das Spiel durch ihre Emotionen mit Bedeutung aufladen. Es wird aber viel zu oft missachtet, dass der Fußball und die Vereine vom Engagement ihrer Fans leben», meinte der 53-Jährige. Für die Anhänger sei ein Abstieg eine existenzielle Frage. «Und das wird in der überflüssigen Relegation noch einmal auf die Spitze getrieben.»

Für Fanforscher Gunter A. Pilz liegt das akute Gewaltproblem in der Relegation selbst. «Das ist etwas hoch Dramatisches, wo es wirklich auch um finanzielle und Identifikations-Phänomene geht. Da steht so viel auf dem Spiel», sagte er in einem dpa-Interview. «Wenn es dann noch Leute gibt, die offensichtlich auch mit krimineller Energie ihre Gewaltfantasien ausleben - dann kann man nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Oder man stellt gleich neben jeden Fan noch einen Ordner oder einen Polizisten», meinte Pilz.

Gewalttätige Fans seien «ja keine Typen, die du eben mal umblasen kannst. Vielleicht wäre es dann hilfreich, wenn man dann hinterher - vielleicht auch in der Anonymität - durchaus den Mumm hat, zumindest diese Leute zu identifizieren und ihrer gerechten Strafe zuzuführen», sagte der Fanforscher.

Nach dem Relegationsspiel zwischen Braunschweig und Wolfsburg (0:1) waren Eintracht-Fans nach dem Abpfiff auf den Rasen gestürmt. Die Wolfsburger Spieler flüchteten nach ihrem Sieg vom Platz. Polizisten schützten den VfL-Fanblock vor den Eintracht-Anhängern, Böller flogen, eine Rakete landete in der Beamten-Gruppe.

Schon vor fünf Jahren endete eine Relegationsduell im Chaos: Im Mai 2012 gewann Zweitligist Düsseldorf das Hinspiel bei Hertha BSC 2:1 und führte vor eigenem Publikum 2:1. Dann flogen Leuchtraketen, bengalische Feuer wurden gezündet. Schiedsrichter Wolfgang Stark stoppte das Spiel. Beim Stand von 2:2 stürmten Fortuna-Fans frühzeitig das Spielfeld, und Stark musste erneut unterbrechen. Erst 20 Minuten wurde die Begegnung zu Ende gespielt.

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