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Video, Doping, Putin, Fußball: Aufreger beim Confed Cup

Schiedsrichter Wilmar Roldán (r) gibt nach einer ersten Video-Sichtung nach einem Foul trotzdem einem falschen Spieler aus Kamerun die Rote Karte. Foto: Christian Charisius

Schiedsrichter Wilmar Roldán (r) gibt nach einer ersten Video-Sichtung nach einem Foul trotzdem einem falschen Spieler aus Kamerun die Rote Karte. Foto: Christian Charisius

Russlands erstes Fußball-Sommerfest steuert auf seinen Höhepunkt zu. Die Warm-up-Party für die WM 2018 verläuft vor den K.o.-Spielen in dieser Woche bislang planmäßig für die FIFA und die russischen Organisatoren. Für Diskussionsstoff sorgen ausgerechnet wieder das Dopingthema und die Referees, für die doch eigentlich alles besser werden sollte.

Eine Zwischenbilanz:

VIDEO: Der Fußball bleibt menschlich. Die holprige Einführung des Videobeweises mit Pannen und Peinlichkeiten der überfordert wirkenden Schiedsrichter hat den Skeptikern viele Argumente geliefert. Tatsächlich konnten einige Fehlentscheidungen der Referees durch die Videoansicht korrigiert werden. Aber der gesamte Ablauf muss noch einmal auf den Prüfstand - spätestens nach der lächerlichen Kartenkonfusion beim Spiel Deutschland gegen Kamerun. Nicht nur Fans und TV-Zuschauer, sondern auch Spieler und Trainer sind verwirrt. «In einigen Fällen hat er sich bewährt, vielleicht kann man das eine oder andere noch optimieren», sagte Bundestrainer Joachim Löw.

DOPING: Jetzt also doch auch der Fußball? Der Bericht der englischen Zeitung «Mail on Sunday» über eine mögliche Verwicklung der gesamten WM-Mannschaft von 2014 in den Skandal um russisches Staatsdoping sorgte für mächtig Aufregung. Die Faktenlage bleibt unklar. Denn die FIFA gibt keinen Einblick in die ihr vorliegenden Unterlagen. Die Taktik passt zur generellen Geisteshaltung im Fußball zum Thema Doping. Gab es nie, wird es nie geben, sagte sinngemäß Russlands Multifunktionär Witali Mutko, eine zentrale Figur in dem Skandal. Wer glaubt's noch? Die FIFA betonte reflexartig: Alle Dopingproben bei der WM 2014 und beim Confed Cup 2017 waren negativ.

WLADIMIR & GIANNI: Winter-Olympia 2014 in Sotschi war Putins Show. Kritiker befürchteten, Russlands Präsident werde schon den Confed Cup als Bühne der großen Selbstinszenierung nutzen. Sein Auftritt mit Fußball-Ikone Pelé und FIFA-Chef Infantino beim Eröffnungsspiel und die merkwürdig anmutende Rede von der Ehrentribüne aus, untermauerten diese Vorstellung. Seither ist der Kreml-Chef aber weitgehend abgetaucht. Auch, weil die Sbornaja patzte? Infantino verfolgte das Turnier zuletzt von der Zentrale in Zürich aus. Erst zum Halbfinale wird der Schweizer zurückerwartet. Putin wird sich die Finalshow am Sonntag in St. Petersburg sicher nicht nehmen lassen.

LOGISTIK: FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura gab den russischen Organisatoren schon vor dem ersten Anpfiff einen Freibrief. Alles paletti in Russland, war die Botschaft. Das mutete merkwürdig an. Tatsächlich wird der Testlauf nun ohne große erkennbare Probleme organisiert. Kameruns Trainer Hugo Broos schimpfte laut über den einen oder anderen Stau. Der Verkehr in den Metropolen Moskau und St. Petersburg ist wahrlich eine Herausforderung. Superstar Cristiano Ronaldo mokierte sich über den schon einmal erneuerten und dennoch schlechten Rasen im Endspielstadion in der ehemaligen Zarenstadt. In Südafrika und Brasilien hatte die FIFA größere Probleme.

FANS: Russland ist nicht Brasilien, nicht England und nicht Deutschland. Die Fußball-Kultur ist eine andere - und doch ist die Stimmung in den Stadien besser als gedacht. Die heimischen Zuschauer kommen zwar spät und gehen sofort nach dem Abpfiff. Gesungen wird nur von Chilenen und Mexikanern. Aber lautstark und leidenschaftlich werden besonders Stars wie Cristiano Ronaldo angefeuert. Auch fachkundig ist das Heimpublikum durchaus. Geisterkulissen gab es bislang kaum. Beim Spiel Portugal gegen Neuseeland war die riesige Krestowski Arena in St. Petersburg fast ausverkauft. Und: Von den gefürchteten russischen Hooligans ist bislang nichts zu sehen.

FUSSBALL: Portugal, Chile, Mexiko und Deutschland, auch mit einer B-Elf. Die Favoriten haben sich in der Gruppenphase durchgesetzt. Die Teams aus Europa und Nord- wie Südamerika dominieren seit jeher das Konföderationen-Turnier. So ist das Kräfteverhältnis im Weltfußball. Eine sportliche Revolution oder neue taktische Weisheiten konnten auch nicht erwartet werden. Die Abwehr-Dreierkette hat sich als Trend bestätigt. 2,8 Tore pro Spiel im Schnitt sind ordentlich. Russland bekam eine lange Liste mit sportlichen Hausaufgaben für den nächsten Sommer. Spannend bleibt die Frage nach dem Top-Torschützen: Lars Stindl und Timo Werner fordern mit je zwei Toren Ronaldo heraus.

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