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Eiszeit um Ancelotti - Rummenigge: «Das war nicht Bayern»

Thomas Müller war nach der bitteren Niederlage gefrustet. Foto: Peter Kneffel

Thomas Müller war nach der bitteren Niederlage gefrustet. Foto: Peter Kneffel

Mit stoischer Miene lauschte Carlo Ancelotti den schonungslosen Worten, die sein Sitznachbar Karl-Heinz Rummenigge nach dem Zerfall des FC Bayern im Pariser Prinzenpark wählte.

«Ich denke, das, was wir heute Abend gesehen haben, war nicht Bayern München», sagte der Vorstandsvorsitzende in der Nacht im Teamhotel in seiner kurzen Ansprache beim vereinsinternen Bankett. Die Stimmung am Vorstands- und Präsidiumstisch wirkte dabei eisig.

Direkt nach dem 0:3 (0:2) gegen die Highspeed-Fußballer von Paris St. Germain um die sündhaft teuren und herausragenden Turbostürmer Neymar und Kylian Mbappé hatten die Münchner Bosse das Stadion gedemütigt, verstört und sprachlos verlassen. Aber nach der höchsten Vorrundenniederlage in 21 Jahren Champions League will und kann die Führung des wankenden europäischen Schwergewichts nicht mehr tatenlos zusehen oder einfach zur Tagesordnung übergehen. Dieser 27. September 2017 könnte sonst eine Zeitenwende in Europa und München bewirken.

«Ich glaube, es war eine ganz bittere Niederlage, über die es zu sprechen gilt, die es zu analysieren gilt und aus der wir auch in Klartextform Konsequenzen ziehen müssen», sagte Rummenigge und ergänzte: «Ich glaube, da sind wir uns alle einig, wenn ich hier so zu meiner Linken und Rechten in die Gesichter schaue.»

Uli Hoeneß, der Präsident, der etwas weiter rechts am Tisch saß und mit zusammengepressten Lippen zugehört hatte, nippte am Weißwein und klatschte dann wie die Mehrzahl der Zuhörer am Ende von Rummenigges Ansprache in die Hände. Der innerlich aufgewühlte Bayern-Chef hatte mit einer klaren Ansage geendet: «Es ist wichtig, dass wir schnell nach diesem Spiel wieder die Kurve kriegen und uns als Bayern München präsentieren. Und dann eben auch zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, die in den letzten Jahren in Europa und auch national für Furore gesorgt hat, und dass wir da wieder anschließen.»

Es scheint eng zu werden für Ancelotti. Der so erfahrene Italiener hatte mit seiner Aufstellung gegen die aufstrebende neue Supermacht aus Paris für große Verblüffung und Irritation gesorgt. Die größere Erfahrung hatte Rummenigge vor dem «Prestigespiel» gegen PSG noch als Vorteil des FC Bayern bezeichnet. Und dann saßen Weltmeister Mats Hummels und Franck Ribéry 90 Minuten auf der Bank. Arjen Robben wurde erst eingewechselt, als der Gruppengipfel nach Toren von Dani Alves (2.), Edinson Cavani (31.) und Neymar (63.) entschieden war. Jérome Boateng, auch ein Weltmeister, musste sogar von der Tribüne aus zuschauen.

«Ich bin jemand, der sehr viel über die Aufstellung nachdenkt. Ich bedaure nichts», sagte Ancelotti. Er verteidigte seine Rotation, die seine Stars bei Laune halten soll, aber bei Hummels, Robben, Ribéry und Co. zunehmend für schlechte Laune sorgt. Ancelotti isoliert sich.

«Es stimmt, dass mit Robben, Ribery und Hummels viele gute Spieler auf der Bank waren. Aber ich habe in jedem Spiel gute Spieler auf der Bank. So ist es in Topclubs. Gute Spieler müssen auf die Bank, das ist mein Job», sagte Ancelotti. Ob die Bosse das weiter zulassen?

Ancelottis Plan scheiterte krachend, begünstigt durch einen Katastrophenstart. «Das Gegentor nach einer Minute ist das schlimmste Szenario, das es gibt», stöhnte Robben. 222-Millionen-Euro-Mann Neymar, Mbappé und Cavani konnten anschließend nach Herzenslust ihre unwahrscheinliche Konterstärke ausspielen. Bayern war defensiv nicht präsent, führungs- und planlos im Mittelfeld. 18:1 Ecken, die eine Überlegenheit nur suggerierten, verpufften wirkungslos.

Die Spieler um Kapitän Thomas Müller rangen nach der Abreibung um Worte oder verweigerten eine Stellungnahme wie der innerlich kochende Hummels. «Das glauben Sie nicht wirklich», sagte er auf die Bitte um einen Kommentar. «Die Niederlage kommt hart an, weil wir das so nicht gewohnt sind», stöhnte Robben. «Peinlich» und «schmerzhaft» nannte er das Erlebte. «Das ist meine neunte Saison hier, und das ist man nicht gewohnt.» Der Holländer meinte aber wohl nicht nur das Ergebnis.

Beim Thema Trainer wurden die Profis wortkarg. «Der Trainer trifft die Entscheidungen und stellt seine Pläne vor. Und die Mannschaft versucht, das dann bestmöglich umzusetzen», sagte Müller. Robben bewahrte, mit geballten Fäusten, die Fassung: «Jeder Spieler, der sich jetzt nach außen unzufrieden äußert, bringt uns nicht viel.» Wie verstört er war, wie verärgert, machte Robben indirekt deutlich: «Die Champions League ist das Schönste, was es gibt. Hohes Niveau, ein super Gegner - da will man natürlich ein gutes Spiel abliefern.»

Eindringlich appellierte Robben an den Zusammenhalt der Mannschaft. Schon am Sonntag geht es in Berlin gegen Hertha BSC weiter. «Da müssen wir gewinnen und sonst nichts. Das ist das letzte Spiel vor der Länderspielpause. Wir sind schon drei Punkte hinter Dortmund», erklärte Robben. Die Lage beim FC Bayern - besonders um Ancelotti - hat sich in der schwarzen Nacht von Paris extrem zugespitzt.

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