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Auf dem Prüfstand: WM 2019 in der Leichtathletik-Wüste Katar

Steht der Leichtathletik-WM in Katar kritisch gegenüber: DLV-Präsident Clemens Prokop. Foto: Rainer Jensen

Steht der Leichtathletik-WM in Katar kritisch gegenüber: DLV-Präsident Clemens Prokop. Foto: Rainer Jensen

Die 16. Weltmeisterschaften in London waren ein großer Erfolg, doch das Premium-Produkt der Leichtathletik steht mehr denn je auf dem Prüfstand - und vor einer ungewissen Zukunft.

«Der Weltverband IAAF ist gut beraten, sich zukünftig Länder als Ausrichter auszusuchen, in denen die Leichtathletik einen Rückhalt hat», sagte der deutsche Präsident Clemens Prokop, der die von den Briten hervorragend präsentierte WM lobte: «Á la Bonheur.»

Die IAAF hat die nächste WM für 2019 nach Doha ins konfliktträchtige Katar vergeben. Ob möglicherweise Manipulation bei der Vergabe ins Scheichtum im Spiel war, wird untersucht. «Wenn WM-Orte aufgrund irgendwelcher unangemessener Dinge gewählt wurden, werden wir das korrigieren», erklärte IAAF-Präsident Sebastian Coe in einem Interview der «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

So lange der Verdacht sich nicht erhärtet, werden die Vorbereitungen auf die WM 2019 beginnen. Die Messlatte liegt nach der Gala in London sehr hoch. «Großbritannien ist Hardcore-Territorium, in dem die Leichtathletik tief verwurzelt ist», sagte Coe.

Der Zuschlag für das Scheichtum, der unter dem wegen Korruption angeklagten früheren IAAF-Präsidenten Lamine Diack erfolgte, wird längst als Fehler angesehen. Das Land gilt als Leichtathletik-Wüste. Das nur 15 000 Zuschauer fassende «Hamad Bin Suhaim Stadium» ist selbst beim Diamond-League-Meeting nicht ausverkauft.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass die WM dort erfolgreich verläuft», prophezeite Prokop. Wegen der Hitze werden die Titelkämpfe vom 28. September bis 6. Oktober ausgetragen und nicht im für die TV-Präsenz wichtigen August.

Von der Forderung, die WM vorwiegend in europäische Länder mit einer Affinität zu diesem Sport zu vergeben, hält Coe nichts. «Unser Sport ist global und muss global bleiben», sagte er. «Das bedeutet, dass man seinen Sport manchmal Herausforderungen aussetzen muss, politischen, kulturellen, allen möglichen.» Es müsse dafür gesorgt werden, dass der Sport in Europa so stark bleibe, wie er ist. Coe: «Aber ich will mit meinem Sport irgendwann auch nach Afrika gehen.»

Abgesehen von den Schauplätzen für kommende Editionen, muss die IAAF auch substanziell über Inhalt, Länge und Größe zukünftiger Weltmeisterschaften nachdenken, um die olympische Sportart Nummer eins zu bleiben. London hat Maßstäbe gesetzt, aber längst nicht alle Probleme gelöst.

«Überlegenswert wäre, Disziplinen auszulagern und das Programm zu straffen wie bei den Europameisterschaften», sagte Prokop. Der scheidende DLV-Präsident ist Organisationschef der EM 2018 in Berlin. Diese EM dauert sechs Tage und ist damit vier Tage kürzer als die WM. Sie bietet dadurch mehr Action mit mehr Finals an den Abenden.

Londons Co-Organisator Ed Warner machte noch radikalere Vorschläge angesichts von derzeit rund 2200 Athleten, die in 48 Disziplinen starten. «Es gibt nur wenige Städte, die so etwas stemmen können», sagte er während der WM im Interview des Deutschlandfunks. Deshalb schlägt er vor, die Wettbewerbe auf Halbfinale und Finale sowie die WM sogar auf nur vier, fünf Tage zu beschränken. «Wir würden uns reduzieren auf einen einzigen Adrenalinschub: Kurze, knackige, offensive Wettkämpfe ohne Qualifikationen», erklärte Warner.

Außerdem forderte er: «Wir müssen uns in einem Tempo weiterentwickeln, das es uns ermöglicht, weiter relevant zu bleiben für junge Leute.» Man müsse «neue Wege finden, mit Hilfe von Technik den Sport näher an die Menschen zu bringen». Beispielsweise könnte man Läufer mit einer Knopflochkamera ausstatten, so dass der Zuschauer das Gefühl bekommt, er befinde sich als Beobachter mitten unter den Athleten.

«Niemand will gelangweilt werden, niemand will außen vor bleiben», argumentierte Warner. «Die Menschen müssen das Gefühl haben, Teil des Ganzen zu sein.» Vielleicht sei eine 400-Meter-Laufbahn zu lang und man bräuchte eine 250- oder 300-Meter-Strecke, um die Zuschauer mitzunehmen. «Wir müssen einfach alles auf den Prüfstand stellen.»

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