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Großer Erfolg für Coe: IAAF-Präsident boxt Reform durch

Sebastian Coe ist der Präsident der IAAF. Foto: Sebastien Nogier

Sebastian Coe ist der Präsident der IAAF. Foto: Sebastien Nogier

Für Sebastian Coe ist es der größte sportpolitische Erfolg in seiner Funktionärs-Karriere.

Mit klugen Schachzügen hat der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes auf dem Sonderkongress in Monte Carlo ein wegweisendes Reformpaket durchgebracht, seine Gegner matt gesetzt und der IAAF den Weg aus der Krise geebnet. «Seb Coe hat einen großen persönlichen Erfolg gefeiert», urteilte Clemens Prokop, Präsident des deutschen Verbandes DLV. «Er ist offensichtlich gewählt, den Kampf gegen Korruption und Doping zur zentralen Aufgabe seiner Präsidentschaft zu machen.»

Nur ein Jahr nach Aufdeckung der Korruptionsaffäre seines Vorgängers Lamine Diack hat Coe ein für andere Weltverbände vorbildliche Satzung konzipiert, die seine Macht beschränkt, mehr Transparenz schafft und kriminelle Machenschaften nicht mehr möglich machen soll. Mit Erleichterung reagierte der 60-jährige britische Lord deshalb auf die unerwartet große Zustimmung der 197 Delegierten, von denen 95 Prozent Ja zur Reform sagten und nur zehn Funktionäre Nein.

Befördert wurde das überwältige Ergebnis dadurch, dass unerwartet offen und nicht geheim abgestimmt wurde. Offenbar gab es hinter den Kulissen Bemühungen, die Reform mit afrikanischen Gegenstimmen noch zu Fall zu bringen - bei der offenen Abstimmung fehlte dann der Mut zum Nein. Und warum wurde nicht geheim votiert? «Weil wir in die Ära der Transparenz übergegangen sind», antwortete Coe gewitzt.

Für ihn ist es deshalb «ein guter und historischer Tag für den Sport» gewesen. «Unser Schicksal lag in unserer Hand. Und wir haben es genutzt und eine klare Botschaft gesandt», sagte Coe. Die Reform sei die Voraussetzung, wieder «in ein gutes Fahrwasser» zu kommen. Es sei schlimm genug, dass ein Clan um Diack viele Jahre betrügen konnte, «aber es kann jetzt nicht ein zweites Mal passieren».

Der Senegalese Diack, gegen den die französische Justiz ermittelt, soll unter anderem für die Vertuschung von Doping-Proben bis zu 700 000 Euro pro Fall kassiert haben. «Niemals wird eine einzelne Person mehr so eine unkontrollierte Macht haben», sagte Coe. Von den «enormen Summen Geld», die illegal geflossen seien, und dem Betrug will er - lange Jahre Vizepräsident unter Diack - aber nichts gewusst haben. «Wir waren nicht involviert», betonte Coe einmal mehr.

Für DLV-Vizepräsidentin Dagmar Freitag ist die deutliche Zustimmung zur Reform ein Zeichen, dass der größte Teil der Delegierten verstanden habe, dass die Leichtathletik am Abgrund stand. «Die Entscheidung ist aber nur ein Schritt weg vom Abgrund. Jetzt muss das Beschlossene mit Leben gefüllt werden», forderte sie.

Ähnlich sieht es Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler aus Jena. Er hält die Reform für notwendig, aber noch nicht für einen Wendepunkt: «Ein Tag kann nicht die Zukunft bestimmen, sondern Änderungen nur einleiten.» Sein norwegischer Speerwurf-Kollege Andreas Thorkildsen machte aus Sportler-Sicht die große Notwendigkeit der Erneuerung eindringlich deutlich: «Die Reform hat mit Vertrauen und Transparenz zu tun, Vertrauen in den Verband und in den Anti-Doping-Kampf.»

Ein neues unabhängiges Integrity Unit Board soll von April 2017 an den Kampf gegen Doping effektiver und effizienter führen - eine Lehre aus dem Skandal um systematischen Sportbetrug in Russland. Wie ernst die IAAF es damit meint, zeigt zunächst die Verdoppelung des Budgets auf 7,5 Millionen Euro für Doping-Bekämpfung im kommenden Jahr.

Für Prokop ist die Reform-Satzung der IAAF beispielhaft für andere internationale Verbände, bis hin zum Internationalen Olympischen Komitee mit Thomas Bach an der Spitze. «Die IAAF-Satzung hat viele Inhalte, von denen sich das IOC auch inspirieren lassen kann», meinte der Jurist. «Insbesondere, was die Macht des Präsidenten betrifft.»

Mit aller Macht hat Bach bisher verhindert, Coe nicht wie seine Vorgänger ins IOC zu holen. Dass für den britischen Reformer und Spitzenvertreter der olympischen Kernsportart vielleicht noch länger kein Platz im IOC sein sollte, hält nicht nur Prokop für falsch. «Die Verweigerung der Mitgliedschaft wird in der IAAF als Provokation empfunden», meinte er. «Strukturell ist es das ein Unding, dass der Weltpräsident der Leichtathleten nicht automatisch im IOC ist.»

Homepage mit Bericht zum IAAF-Sonderkongress

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