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DFB-Richtungsstreit: Grindel unterstützt Nationenliga

DFB-Präsident Reinhard Grindel (r) ist im Gegensatz zu Oliver Bierhoff für die neue Nationenliga. Foto: Federico Gambarini

DFB-Präsident Reinhard Grindel (r) ist im Gegensatz zu Oliver Bierhoff für die neue Nationenliga. Foto: Federico Gambarini

Mit seinem energischen Machtwort hat Reinhard Grindel einen schwelenden Richtungsstreit zwischen DFB-Spitze und Weltmeister-Manager Oliver Bierhoff angeheizt.

In der Dauer-Debatte um den internationalen Spielkalender betonte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, er unterstütze die umstrittene Nationenliga «nachdrücklich». «Diese Haltung unterscheidet mich von Oliver Bierhoff, dem ich auch deutlich gemacht habe, dass ich seine Auffassung nicht teile», sagte Grindel der Deutschen Presse-Agentur.

Bierhoff hatte die Einführung der Nationenliga kritisiert und deren Nutzen aus Sicht der großen Fußball-Nationen angezweifelt. «Man hat am Ende das Gefühl, die UEFA muss noch mal Geld erwirtschaften und macht deshalb den Wettbewerb», sagte er kürzlich der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Vor seiner erhofften Wahl in die UEFA-Exekutive beim Kongress am Mittwoch in Helsinki entgegnete Grindel, dass die Nationenliga für kleinere und mittlere Nationen die Chance sei, «regelmäßig Spielbetrieb zu haben.»

Damit offenbart sich erneut ein Dissens zwischen den Top-Funktionären des DFB und dem Manager des Weltmeister-Teams von Joachim Löw. Ein öffentliches Widerwort gegen den Bundestrainer selbst wird aus dem Verband zwar voraussichtlich niemals zu hören sein. In Richtung Bierhoff hatte Generalsekretär Friedrich Curtius zuletzt allerdings die Verantwortung für die geplante Verbands-Akademie beansprucht und vor einer «Verselbstständigung der Nationalelf» gewarnt. Dabei geht es hinter den Kulissen auch um die Frage, wie stark die Macher der Nationalmannschaft mit dem restlichen DFB vernetzt sind.

Mit Blick auf den Terminkalender hatte Löw allgemein gewarnt, dass die internationalen Verbände das Rad nicht überdrehen dürften. «FIFA und UEFA sind in der Verantwortung, sie brauchen Augenmaß und müssen das richtige Verhältnis finden zwischen kommerziellen Interessen und der sportlichen Sicht.»

Nach der WM in Russland startet die Europäische Fußball-Union im September 2018 die für den Fan kompliziert anmutende Nationenliga. Die insgesamt 55 UEFA-Mitglieder spielen in vier Divisionen mit jeweils vier Untergruppen, es wird ein Sieger gekürt, es gibt Auf- und Abstieg, zudem werden vier Tickets für die EM 2020 vergeben.

«Ich glaube, dass es Sinn macht, die Freundschaftsspiele durch einen neuen Wettbewerb zu ersetzen, der den Konkurrenzgedanken und das Gefühl stärkt, dass es um etwas geht», sagte der CDU-Politiker Grindel, der den Confederations Cup und die Club-WM «skeptisch» sieht.

Sein inzwischen gesperrter Vorgänger Wolfgang Niersbach hatte bei Einführung der Nationenliga vor drei Jahren öffentlich noch «Bedenken» formuliert. Dies könnte Grindel vor dem UEFA-Kongress in Helsinki auf internationalem Parkett besonders von den kleineren Mitgliedsverbänden allerdings negativ ausgelegt werden. Beim Kontinentaltreffen am Mittwoch ist der frühere CDU-Politiker nicht nur einziger Bewerber für die Nachfolge Niersbachs im Council des Weltverbands FIFA, sondern geht auch favorisiert in die Wahl für einen von acht freien Posten im UEFA-Exekutivkomitee.

UEFA-Kongress-Agenda, pdf

UEFA-Kongress

UEFA-Exekutivkomitee

UEFA Nationenliga

Porträt Reinhard Grindel beim DFB

FAZ-Interview mit Bierhoff-Aussagen

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