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Keine Lust mehr auf kühle Bierchen

(2009-07-28 11:18:54)

Die Deutschen trinken deutlich weniger Bier. Der Verbrauch sank im ersten Halbjahr 2009 um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Brauereien in der Region steuern mit neuen Produkten gegen den Trend.




Daarler Dorffest
Ein Fest der Vereine wird das 29. Daarler Dorffest am Wochenende. Dass das Fest nach sechs Jahren neu belebt wird, ist einer neuen Arbeitsgemeinschaft zu verdanken. Foto: Peter Endig (dpa-Zentralbild)
Homburg/Saarbrücken.
Michael Weiß, der Vizepräsident des Deutschen Brauer-Bundes, zeigt sich zerknirscht. Noch nie hätten die Deutschen so ungern zu einem Bierchen gegriffen wie im ersten Halbjahr 2009. Zwischen 4,7 und sieben Prozent sei die Bierproduktion (Ausstoß) zurückgegangen, je nach Brauerei und Region. Einen Rückgang in dieser Größenordnung habe die Branche bisher noch nie erlebt.

Die Gründe sind schnell gefunden. Uli Grundmann, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Karlsberg-Brauerei bilanziert: „Zu einer extrem schlechten Witterung kommen das Rauchverbot und das Konsumklima hinzu. Nach unserer Beobachtung ziehen die Verbraucher derzeit den Handel der Gastronomie vor. Sie kaufen ihr Bier, sparen und trinken es lieber zu Hause.“ Diesem Zustand könne man begegnen durch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für die Gastronomie auf sieben Prozent. Karlsberg selbst habe im ersten Halbjahr 2009 zwei Prozent weniger Umsatz verkraften müssen.
 
  Wie reagieren die Brauereien? Generell durch eine stärkere Konzentration auf Mix- und alkoholfreie Getränke. Die Verbraucher an der Saar und in Rheinland-Pfalz können hier in den kommenden Monaten mit neuen Produkten rechnen. Die regionalen Brauer Karlsberg, Bruch und Grosswald lassen sich hier allerdings im Detail noch nicht in die Karten blicken. Karlsberg reagiert zudem durch eine verstärkte Präsenz in und auf neuen Märkten. „In“ steht für Verbraucher-Märkte, in denen Softdrinks verkauft werden. „Auf“ bedeutet eine weiter wachsende Präsenz an Absatzmärkten wie Nordrhein-Westfalen oder auch Ostdeutschland. 

Keinesfalls werde sich Karlsberg jedoch an einem Kampf um Niedrigpreis-Angebote beteiligen, wie sie bei einigen Discountern zu beobachten sind: Dort gibt es die Kiste Bier schon für weniger als vier Euro. Hier winken auch die Bruch-Brauerei in Saarbrücken und Grosswald in Heusweiler ab. Gemeinsame Begründung aller: Gutes Bier lasse sich zu diesem Preis nicht mehr herstellen. Alexander Kleber, Geschäftsführer der Grosswald Brauerei, rechnet vor: Pro Kasten gingen alleine schon 19 Prozent Mehrwertsteuer ab. Hinzu kämen 60 bis 80 Cent Biersteuer je nach Bundesland. Transportkosten seien in dieser Kalkulation noch nicht enthalten, ebensowenig die Verwendung guter Rohstoffe in der Produktion. Die saarländischen Bier-Produzenten bieten den Kasten Pils in der Regel nicht unter zehn Euro an.
 
  In der Gastronomie sei Grosswald nach wie vor gut vertreten. Hinzu komme jedoch eine besonders gute Präsenz auf Dorf- und Vereinsfesten. Gerade auf dem Land werde noch viel Bier getrunken, so Kleber. Sein Kollege Thomas Bruch, Inhaber der Bruch-Brauerei, setzt behutsam auf die Einführung neuer Produkte und kleinerer Bier-Verpackungen (Gebinde), da die Zahl der Single-Haushalte wachse. Mit der Einführung eines Weizenbiers habe Bruch gute Erfahrungen gemacht. Ob der Bierkonsum auf Dauer zurückgeht, sei nicht absehbar. Einen weiteren Verdrängungswettbewerb der Brauereien untereinander werde es wohl geben, so Thomas Bruch.  Thomas Sponticcia  

 

 
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