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Sex-Videos mit Kindern: Pädophiler aus der Eifel gesteht

(2010-01-04 12:55:16)

. Ehemaliger Turnlehrer (38) räumt "abscheuliche Taten" ein

Von Birgit Reichert, dpa

Prozess gegen mutmaßlichen Kinderschänder
Der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagte Horst G. versteckt sein Gesicht hinter einem Ordner beim Prozessauftakt im Sitzungssaal des Landgerichts Trier. Der 38-jährige, der bis Frühling 2009 in Mayen (Eifel) wohnte, soll sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen und gefilmt haben und die Sex-Filme ins Internet gestellt haben.
Foto: Harald Tittel (dpa)
Trier. Er missbrauchte Jungen vor laufender Kamera und stellte die Sex-Filme ins Internet: Im Kinderschänder-Prozess vor dem Landgericht Trier hat der angeklagte 38-Jährige am Montag die Taten gestanden. „Die ganze Sache tut mir unwahrscheinlich leid“, sagte er zu Prozessbeginn. Warum er sich an den Kindern ab sechs Jahren vergriffen habe, wisse er selber nicht. „Ich kann mir das nicht erklären.“ Dem Mann aus Mayen in der Eifel werden 18 schwere Sexualstraftaten vorgeworfen. Zwischen 2002 und 2009 soll er sich an mehreren Jungen vergangen haben, die er als Turnlehrer in Vereinen und bei der freiwilligen Feuerwehr kennengelernt hatte.

„Das hat sich einfach entwickelt"

Das „erste Mal“ geschah es in einer Gaststätte, die er in der Verbandsgemeinde Kaisersesch betrieb. Sein Opfer war 13 oder 14 Jahre alt und ihm aus dem Spielmannszug der Feuerwehr Mayen bekannt. Nach einem Zechgelage im „Lausbub“ sei es zu dem Vorfall gekommen, sagte der gebürtige Leipziger, der seit 1989 in Mayen wohnte. Das zweite Mal verging er sich nach einer Party bei ihm an einem betrunkenen 15-Jährigen, den er aus einem Turnverein kannte. Geplant habe er die Übergriffe nie. „Das hat sich einfach entwickelt“, sagte er.

Feiern, bei denen er Jugendlichen Alkohol zur Verfügung stellte, habe es öfter gegeben. Als Sportrainer habe er immer Aktivitäten für seine Gruppen organisiert. Auch ein Ausflug in eine Jugendherberge, in der er 13- bis 15-Jährigen einen Sexfilm gezeigt habe, gehörte dazu. Getrunken worden sei unter seiner Kontrolle. Bei einer Feier seien seine „Sportkinder“ beim Flaschendrehen nackt durch den Raum gesprungen, räumte er ein.

Zwillingsbrüder im Elternhaus missbraucht

Von Ende 2005 waren dann zwei Zwillingsbrüder aus Retterath (Kreis Vulkaneifel) seine Opfer. Er habe deren Eltern aus offensichtlich sozial schwachen Milieu „nur helfen wollen“ und ihnen Kleider und Lebensmittel gebracht. Es dauerte nicht lange, da war er Patenonkel und galt als guter Freund der Familie. 18 Monate lang schlief er zweimal im Monat bei den damals etwa sieben Jahre alten Jungen. Und bereits bei zweiten Mal kam es zu sexuellen Handlungen - im Elternhaus.

Als ein Nachbar im Jahr 2006 Anzeige gegen den gelernten Groß- und Einzelhandelskaufmann wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch stellte, bestritt „Christoph G.“ alles. Die Zwillinge, die zunächst von den Taten berichteten, zogen ihre Aussagen zurück - das Verfahren wurde eingestellt. Es sei „tragisch“, sagte der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg, dass die Buben damals die Wahrheit gesagt hätten und man ihnen nicht gelaubt habe. Videos gab es dann zwar keine mehr, aber der Angeklagte traf die Kinder trotz Kontaktsperre weiter.

Opfer wurden nicht ernst genommen

„Wir haben das nicht so ernst genommen“, sagte der einschlägig vorbestrafte 38-Jährige. Der Vater selbst habe die Zwillinge zu ihm nach Mayen gebracht. Seit wann er sich zu Jungen sexuell hingezogen fühle, könne er nicht sagen. Nach seiner Festnahme fand die Polizei in seiner Wohnung rund 27000 Bilddateien und 360 Filme „homosexueller Natur“. „Ich bin in beide Richtungen sexuell aktiv“, sagte er. „Es hat aber nie Absichten gegeben, Sex mit Kindern zu haben.“

Der Angeklagte hatte sich im August im bayerischen Sonthofen der Polizei gestellt, nachdem das Bundeskriminalamt mit Ausschnitten aus seinen Videos bundesweit im Fernsehen nach ihm gefahndet hatte. Die Mutter der Zwillinge, die heute noch in psychologisch behandelt werden, sagte: „Ich bin aufgewühlt und will das nur noch hinter mich bringen.“ Sie habe von allem nichts mitbekommen. Sie hatte Anzeige erstattet, nachdem sie in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ ihre Kinder und den Angeklagten erkannt hatte.

Dem Halbbruder war Angeklagter nicht geheuer


„Wir haben gedacht, dass er ein guter Freund ist, und haben ihm die Taten nicht zugetraut“, sagte die Mutter. Die Kinder hätten ihr gegenüber nie etwas geäußert. Der Angeklagte habe öfter bei ihnen übernachtet, weil er reichlich Alkohol getrunken hatte. „Mir kam es komisch vor, dass er sich nur für die Kleinen interessierte“, sagte ein Halbbruder der Zwillinge. Und auch, dass er immer bei ihnen übernachten wollte. Heute empfinde er nur noch „Hass“ für den 38-Jährigen. Die Jungs sind inzwischen im Heim.

Rechtsanwalt Rainer Dietz, der im Prozess als Nebenkläger die Zwillinge vertritt, sagte: Für die „abscheulichen Taten“ komme nur „eine harte Strafe“ mit Sicherungsverwahrung in Betracht. Die Öffentlichkeit wurde bei Teilen des Prozesses, in denen es um „intime Details“ ausgeschlossen. Das Urteil soll am 18. Februar gesprochen werden.

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