Aufmacher
Kult-Band Puhdys begeistert in Völklingen
(2010-03-08 08:36:11)
Völklingen. Erinnert sich jemand an den Fernsehpreis „Goldene Europa“, verliehen vom Saarländischen Rundfunk? 2003 war Schluss damit, die letzten Gewinner, alles Granitblöcke der deutschen Unterhaltungskunst, hießen Otto Waalkes, Paul Kuhn und Die Puhdys. Laudator der seit 1969 im Osten, ab Mitte der Siebziger gesamtdeutsch erfolgreichen Rockgruppe war seinerzeit Manfred Sexauer gewesen. So traf es sich nett am Samstagabend in der Völklinger Gebläsehalle, dass dieser große und offenbar auch nach der Pensionierung für immer Musiksachverständiger bleibende als Moderator eines Puhdys-Konzertes zur Verfügung stand.
Zwar kommen Konzerte auch ohne Ansager aus, dass aber ausgerechnet „Sexi“ den Puhdys die Bühne bereitete, war typisch für diese liebevolle Veranstaltung mit beherzt aufspielender saarländischer Vorgruppe (L.U.N.A.T.I.C), angenehmer Atmosphäre und günstigen Preisen für Getränke und Rostwurst. Organisiert wurde der „Erzrock“-Abend übrigens nicht von einschlägigen Profis, sondern von Altherren-Fußballern des Traditionsvereins Röchling. 800 Besucher zwischen fünf und 75 Jahren, darunter viele, die sonst nie auf ein Konzert gehen, verließen den Ort zufrieden bis euphorisch.
Das Alltagshymnen-Kollektiv Puhdys überzeugte bei dem perfekt ausgesteuerten 100-minütigen Rock-Sonderkonzert abseits des Tourneeplanes durch handwerkliche Klasse und Spielfreude. Vier Stücke der neuen Platte, an den Anfang des Abends gerückt, nährten die Vermutung, dass die Songschreiber-Qualitäten des 65-jährigen Sängers und Gitarristen Dieter Birr noch nicht ausgereizt sind. Das Publikum mochte erwartungsgemäß die Gassenhauer wie „Alt wie ein Baum“ oder „Hey, wir woll'n die Eisbär'n sehn“ am liebsten. Anstatt nur mit dem reichlich vorhandenen Eigenmaterial in Fünf-Minuten-Ohrwurm-Rockern die Sehnsucht nach einem angstfreien, friedfertigen Alltag zu bedienen, was sie am besten können, verloren sich die Puhdys bisweilen in ausdrucksschwachen Coverversionen (Titel der Ostcombo Silly, „Hiroshima“ von Wishful Thinking) und schoben überdehnte Soli wie Zirkusnummern ein. Dabei kann diese, zu herrlicher Selbstironie fähige Gruppe in guten Momenten alle Scorpions und Maffays an die Mauer spielen.
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