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Mal herzlich, mal unerbittlich: Basketball-Trainer René Spandauw

(2010-09-03 20:27:33)

52-Jähriger hat mit den Saarlouis Royals viel Erfolg

Von SZ-Redaktionsmitglied Sascha Sprenger


René Spandauw
Sucht deutschlandweit Basketball-Talente und bringt sie bis in die Nationalmannschaft: Trainer René Spandauw.
Foto: rup/SZ
Der Erfolgstrainer übt auf die Basketballerinnen der Saarlouis Royals beim Training schon mal massiven Druck aus. Doch auf diese Weise brachte er bereits einige seiner Schützlinge bis in die Nationalmannschaft. Privat ist der Holländer eher ein herzlicher Typ.

Saarlouis.
Die Passantin schaut verdutzt, als könne sie nicht so recht glauben, was sie da gerade erlebt hat. Sie wollte doch nur mit ihrem Fahrrad auf einer Fußgängerbrücke über den Saaraltarm an dem großen Holländer vorbei, der dort läuft. Als der artig Platz macht und sie sich mehr pro forma leise bedankt, sagt dieser laut: „Bitteschön. Gern geschehen. Einen schönen Tag noch.“ Und grinst dabei freundlich.

Herzlich, verständnisvoll...

In einem Café in der Saarlouiser Altstadt freut sich die junge Bedienung, den 52-Jährigen zu sehen. Küsschen links und rechts, die Stimmung ist entspannt. Die Szene wiederholt sich des Öfteren, sobald jemand den Basketball-Trainer, der aufgrund seiner Körpergröße von 1,95 Metern kaum zu übersehen ist, erkennt. Bei Männern natürlich ohne die Küsschen, aber nicht weniger herzlich.

Zwei typische Szenen für René Spandauw, Trainer der Saarlouis Royals. „Ich kann nichts dafür, ich bin einfach so“, sagt er. Aber wie ist „so“ bei einem Menschen, der zumindest bei den Besuchern der Heimspiele der Saarlouiser Basketballerinnen einen eher cholerischen Eindruck erweckt? Da passiert es nämlich eher selten, dass er ruhig auf seiner Bank sitzt und sich das Spiel anschaut.

... und unerbittlich
Viel öfter schreit er. Laut. Weil er unzufrieden ist mit dem, was er sieht. Manchmal wechselt er eine Spielerin aus, würdigt sie dabei keines Blickes. Gerade wenn sie sich auf die Bank setzen will, zitiert er sie zu sich und signalisiert ihr, dass sie sofort wieder ins Spiel kommt. Bis es soweit ist, schaut er sie eindringlich an, stellt ihr kurze und präzise Fragen. „Wirst du jetzt kämpfen?“ zum Beispiel. Es wirkt, als übe er einen geradezu unmenschlichen Druck aus, gerade auf die jungen Spielerinnen.

Doch es funktioniert. Seit Jahren sucht er sich deutschlandweit Talente und formt sie bis zu Nationalspielerinnen – wenn sie mitziehen. Die besten Beispiele sind Stina Barnert und Romy Bär, zurzeit zwei Leistungsträgerinnen im Nationalteam – und dabei gerade mal knapp über 20.

Doch es gibt auch den anderen René Spandauw. Der, der sich selbst als lieb, gewissenhaft und verständnisvoll bezeichnet. „Und ernst, wenn es sein muss, aber auch witzig, wenn es sein darf“, fügt er hinzu. Doch passt das zu dem, was nach außen dringt? Spandauw erinnert sich an das erste Foto, das er in der Saarbrücker Zeitung von sich sah. Das war 2004. Er hat einen grau-braunen Anzug an und schreit am Spielfeldrand. „Ja, das sieht alles andere als sympathisch aus“, gibt er zu. Aber noch heute besteht er darauf, dass er dieses Jacket nicht kennt: „So eins hatte ich nie.“ Er grinst wieder.

Jemand, der sich einbringt
Dieses Foto zeigt nur eine Seite von vielen. Der andere Spandauw wohnt nicht nur im Saarland, er lebt hier. Er bringt sich ein. Er stürmt gemeinsam mit den Narren beim Fastnachtsumzug das Rathaus. Und er unterhält sich mit jedem. Ohne Ausnahme. Dazu hat Spandauw eine Geschichte parat: „Als ich in den USA war, habe ich mich des Öfteren mit dem Hausmeister der Halle unterhalten, in der wir immer gespielt haben. Irgendwann fragte der mich, warum ich das überhaupt tue. Sonst zeige keiner Interesse an ihm. Er konnte das nicht verstehen.“

 

 
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