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Glückshelfer: Er traute in Saarbrücken schon 10 000 Paare

(2013-11-18 18:49:15)

Saarbrücken. Die Saarbrücker Zeitung begleitet auch in diesem Jahr wieder die ARD/SR-Themenwoche mit eigenen Beiträgen. Dieses Mal lautet das Thema „Zum Glück“. Seit 37 Jahren traut Jürgen Maul, Amtsleiter des Saarbrücker Standesamts, heiratswillige Paare. Im besten Falle besiegelt er lebenslanges Glück.



 

10 000 Trauungen in 37 Jahren. Vier Mal hat der Leiter des Saarbrücker Standesamtes, Jürgen Maul, dabei auch ein »ernstgemeintes Nein« zu hören bekommen. Foto: BECKER&BREDEL
„...erkläre ich Sie Kraft Gesetzes zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten.“ Gut 10 000 Mal hat Stadtoberamtsrat Jürgen Maul in seinen 37 Dienstjahren diesen Satz gesagt – und damit Eheglück besiegelt. „Mein Rekord liegt bei 13 Trauungen an einem Tag“, erzählt der Amtsleiter des Saarbrücker Standesamts. Manchem Heiratswilligen habe er im Laufe der Jahre das Ja-Wort schon mehrmals entlockt. Vier Mal allerdings habe er auch „ein ernst gemeintes Nein“ zur Antwort bekommen. „Und jedes Mal waren es die Männer“, sagt Maul. Trauzeremonien würden in einem solchen Fall sofort abgebrochen.

Wohl kein Verwaltungsposten ist mehr mit Emotionen verbunden als der der Standesbeamten: Sie stehen am Anfang eines – im besten Falle – großen Glücks und schließen Ehen oder händigen jungen Vätern Geburtsurkunden aus. Und sie stehen auch wieder am Ende, attestieren mancher Unglück, indem sie etwa im Heiratsregister die Scheidungen vermerken oder Sterbeurkunden ausfertigen.

Trauung im Kreißsaal

Mit ihren Erlebnissen im Dienst könnten die zehn Saarbrücker Standesbeamten dicke Bücher füllen. Viele handeln von schönen Momenten oder erzählen sich als lustige Anekdoten: Da ist zum Beispiel die Geschichte des mehrfach Geschiedenen, der bei allen Eheversuchen immer wieder den gleichen Standesbeamten haben wollte. Nach Heirat Nummer drei zumindest sei der Mann „bisher nicht mehr wieder gekommen“, sagt Maul. Er selbst sei zu Trauungen schon an ungewöhnliche Orte gerufen worden: in den Kreißsaal etwa, um kurz vor dem Babyglück Paaren noch schnell zum Eheglück zu verhelfen.

Zum Schmunzeln laden auch die Erinnerungen an die stolzen Väter mit den eigenwilligen Namenswünschen ein: Ein Vater habe seinen Sohn nach einer britischen Luxus-Automarke benennen wollen, erzählt Maul. Auch der Namenswunsch Doktor sei schon dabei gewesen oder Tropi, letzteres als Kurzversion von „Trotz Pille“. „Es kommen immer mal wieder Namenswünsche, die man nicht akzeptieren kann“, klärt der Standesbeamte auf.

Ein Name, der vom Wesen nach kein Name ist, werde abgelehnt. Und dann gibt es auch die Momente, in denen Freud und Leid untrennbar zusammenhängen, die „Sonderfälle“, wie Jürgen Maul sie nennt, in denen sich das Glück ins Unglück drehe. „Trauungen im OP-Kittel auf der Intensivstation sind hammerhart“, sagt der Standesbeamte. Wenn Paare kurz vor dem Tod eines Partners heirateten, etwa damit das Sorgerecht für die Kinder geklärt sei, „das sind Sachen, die hängen einem nach“, sagt Maul.

4968 Ehen haben die saarländischen Standesbeamten im vergangenen Jahr geschlossen. 2493 Mal wurde im gleichen Zeitraum im Saarland die Auflösung einer Ehe attestiert. 6878 Kinder wurden 2012 geboren. 12 290 Menschen starben. In der Statistik dominiert für manchen das Negative. Im Arbeitsalltag des Standesbeamten Maul „überwiegen aber die schönen Momente, die in denen man Glück spendet“.

AUF EINEN BLICK

Ausgewählte Sendungen zur Themenwoche im SR: Am Montag, 18. November: im SR-Fernsehen, 18.50 Uhr: „SaarLorLüx“. Die Sendung erzählt Geschichten „von nebenan“. Heute zeigt sie das Glück im privaten, individuellen Bereich, aber auch, dass Glück ein Gemeinschaftserlebnis ist.

Im Porträt ist der lothringische Verein „Alu du Coeur 54“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Blindenhunde für sehbehinderte Menschen ausbilden zu lassen. Um Geld zusammen zu bekommen, hat der Verein eine kreative Idee entwickelt: Alt-Alu sammeln.

Darüber hinaus berichtet die Sendung über ein Schloss in Lothringen, das Château de Montbras. Dessen Besitzer hat sich seinen Lebenstraum erfüllt. Doch er erlebt auch die Schattenseiten seines Glücks, nämlich nicht aufhörende Restaurierungsarbeiten. Er hat das Schloss vor 30 Jahren in marodem Zustand gekauft und restauriert es seitdem Stück für Stück. red


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