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In Saarbrücken muss keiner auf der Straße schlafen

(2012-05-10 13:22:44)

Die derzeitige Kältewelle lockt sozusagen keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Wer kann, bleibt in der warmen Stube. Viele Obdachlose können das zwar nicht, unter freiem Himmel müssen sie aber trotzdem nicht übernachten.




Obdachlos
In Saarbrücken muss niemand auf der Straße schlafen. Foto: dpa (Symbolfoto)
Saarbrücken. Nun ist er also doch gekommen, der Winter. Mit Schnee und Eis im Gepäck, vor allem aber mit sibirischer Kälte. Die bekommen besonders diejenigen zu spüren, die auf der Straße leben. „Genau Zahlen, wie viele Menschen das in Saarbrücken sind, gibt es nicht“, sagt Thomas Blug, Sprecher der Stadtverwaltung. „Sicher wissen wir derzeit von fünf.“ Diese bilden sozusagen die Spitze des Eisberges „Wohnungslosigkeit“ – der Saarbrücker besteht derzeit aus 333 Menschen. Fast alle leben bei Bekannten, in Obdachlosenwohnungen oder in einer der Sondereinrichtungen mit Übernachtungsmöglichkeit, als da wären: das Bruder- Konrad-Haus, die Herberge zur Heimat, das Übergangswohnheim für Strafhaftentlassene sowie das Elisabeth-Zillken-Haus.

„Insgesamt haben wir in diesen vier Einrichtungen 137 Schlafplätze. Bei Bedarf können aber noch Liegen hinzugestellt werden, so dass niemand gezwungen ist, bei diesen Temperaturen auf der Straße zu übernachten“, sagt Blug. Wer es trotzdem tue, „der will das so. Das ist dann sein frei gewähltes Schicksal“. Es gebe zwar – wenn die Gesundheit auf dem Spiel stehe – die Möglichkeit einer Zwangseinweisung, „aber die kommt in der Regel nicht vor“, sagt Harald Schindel, als Beigeordneter der Stadt Saarbrücken für den Bereich Soziales zuständig. „Dafür braucht es einen Gerichtsbeschluss, ein medizinisches Gutachten und die Polizei, die den Beschluss durchsetzt.“ In den vergangenen Jahren sei das nur einmal vorgekommen.

„Wichtiger als Zwang auszuüben ist der Einsatz unseres Street- Workers Heinz Schuh, der die Menschen kennt und weiß, was in der Szene los ist“, sagt Schindel. Was los ist auch dann, wenn Thorsten Lillig angefahren kommt. Lillig ist Sozialarbeiter bei der Arbeiterwohlfahrt und steuert den SOS-Express. Das SOS steht für Suppe, Obdach und Solidarität. Seit Oktober ist das Notfall-Gefährt, ein umgebauter Transporter, in Saarbrücken unterwegs. „20 bis 25 Mahlzeiten fahren wir täglich aus“, erzählt Lillig. Die Notschlafstelle ist der „Heimathafen“ des SOS-Expresses. Der fährt wegen der Kältewelle derzeit mehrmals täglich die einschlägig bekannten Plätze an, um auf die Einrichtungen in Saarbrücken aufmerksam zu machen. Insgesamt zehn Übernachtungsplätze hält die AWO-Notschlafstelle für Obdachlose bereit, „aber wir sind derzeit nicht ausgebucht“. tog



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