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2011 war bestes Jahr an der Saar für Peugeot

(2012-05-10 13:22:43)

Peugeot Deutschland hat 2011 das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte erreicht. Doch auf die Finanzkrise mit starken Umsatzeinbrüchen in Spanien, Italien und Portugal reagiert der PSA-Konzern, zu dem auch Citroën gehört, jetzt mit Einsparungen im laufenden Jahr von 800 Millionen Euro und der Drosselung der Produktion.

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia


Peugeot Deutschland hat 2011 das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte erreicht. Foto: peugeot
Saarbrücken. Peugeot Deutschland war 2011 mit vollem Tempo unterwegs und konnte das bisher beste Jahr in der Firmengeschichte erreichen. Mit einer Umsatzsteigerung um 9,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro (2010: 1,52 Milliarden Euro), neuen Modellen und einem Marktanteil von 25 Prozent an der Saar zeigt sich Peugeot-Deutschland-Chef Thomas Bauch hoch zufrieden. Deutschlandweit liegt der Marktanteil bei 2,6 Prozent.

Nach Ansicht von Bauch ist ein Großteil der Verkäufe auch auf den Einbau neuer Technologie zurückzuführen. So werden immer mehr Fahrzeuge, nicht nur in der Luxusklasse, mit Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. Dies bringe eine Sprit-Ersparnis von um die 15 Prozent. Zudem würden auch die Autos mit Diesel-Hybrid-Motoren, auf die Peugeot als weltweit bisher einziger Anbieter setzt, vom Kunden verstärkt nachgefragt. Technologisch stoße man jetzt allerdings an Grenzen. Es sei fraglich, ob weitere Verbesserungen noch wirtschaftlich sind, also von den Kunden bezahlt werden. Nach Ansicht von Bauch wird die Kaufentscheidung immer noch von mehreren Gründen gleichzeitig bestimmt: Spaß am Autofahren, Freiheit durch Mobilität, Design, Sicherheit und dem Preis. Kritik übt Bauch an der praktischen Umsetzung des Ziels der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. Es sei keine Wettbewerbsverzerrung, wenn der Staat die Anlaufphase einer neuen Technologie finanziell unterstützt. So werde der Kauf eines Elektroautos in Frankreich mit 5000 Euro gefördert, in Dänemark mit 9000 Euro, während der deutsche Kunde den gesamten Mehrpreis für die neue Technologie selbst tragen müsse.

Im europäischen Vergleich ist Deutschland nach Auffassung von Bauch trotz Finanzkrise immer noch wirtschaftlich gut aufgestellt und verfüge über motivierte Arbeitskräfte. Das Land gelte immer noch als Hoffnungsträger, auch für Peugeot, während andere Teil Europas inzwischen schon stark von den Folgen der Finanzkrise heimgesucht würden. Dies beeinflusst auch den Autokauf stark. Aus dem Euro als Schönwetter-Währung müsse jetzt eine Allwetter-Währung werden. Die Verkäufe von Peugeot seien 2011 allein in Spanien von 2,1 Millionen auf 800.000 Fahrzeuge gesunken. Bauch findet das um so bedenklicher, da bei Madrid auch ein Werk angesiedelt ist. In Italien habe man mit einem Rückgang von 2,1 auf 1,4 Millionen Fahrzeuge zu kämpfen. Ähnlich dramatisch stelle sich der Markt in Portugal dar. Auf diese Entwicklungen reagiere der PSA-Konzern jetzt mit der Notbremse und einem Sparprogramm für 2012 in Höhe von 800 Millionen Euro. Damit verbunden ist ein sozialverträglicher Personalabbau von 6000 Beschäftigten europaweit, wovon das Saarland nicht betroffen sei. In Deutschland werde versucht, über die Zusammenlegung von Abteilungen mit Citroën und Effizienz-Steigerungen im Unternehmen die Lage zu verbessern. Zum künftigen Standort von Peugeot-Deutschland könne in Kürze mehr gesagt werden.

Als Gegenmaßnahme zur Krise in Südeuropa werde in einigen Werken die Anzahl der Schichten gesenkt und die Produktion gedrosselt. Kurzarbeit habe man noch nicht beantragt, sei aber eine Option. Sollte sich die Lage nicht verbessern, müsse über Werksschließungen nachgedacht werden. Zudem versuche Peugeot Marktantweile in Asien zu erhöhen. Dort werde schon 50 Prozent des außereuropäischen Wachstums erreicht. 2010 habe man dort noch bei 42 Prozent gelegen.

Meinung
Krise erreicht Autoindustrie
Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

 
Für viele Menschen ist die Diskussion über die europäische Finanzkrise und die Zukunft des Euro auf den ersten Blick vor allem Theorie. Doch die Auswirkungen kommen ganz schnell bei uns allen an. Peugeot verliert auf existenziell wichtigen Märkten in Europa dramatisch an Marktanteilen. Mitsubishi schließt die gesamte Produktion in Europa. Beide Hersteller leiden unter einem Rückgang der Nachfrage. Weniger Menschen können sich ein neues Auto leisten. Setzt sich dieser Trend fort, wird es bald mehr Werksschließungen bei verschiedensten Autoherstellern geben. Mit steigender Arbeitslosigkeit als Folge. Auch Produzenten wie Ford und die Zulieferbetriebe im „Autoland Saar“ müssen nach diesen ersten Signalen von den Auswirkungen der EU-Finanzkrise auf das Höchste alarmiert sein.
 
Hintergrund
An der Saar hat Peugeot nach Angaben des Unternehmens 2011 mit 10.620 zugelassenen Autos einen Marktanteil von 25,1 Prozent erreicht. Mit 2327 Fahrzeugen wurde der Typ 207 am häufigsten zugelassen, der bei Saarländern beliebteste Peugeot. Gefolgt vom 308 (1323), dem 3008 (1235) und dem 508 (1226). Bundesweit wurden 2011 insgesamt 82.743 Peugeot verkauft. Hier ist für 2012 der Sprung über die 100.000 Marke angestrebt. Bei den Nutzfahrzeugen konnte mit 11.481 Neuzulassungen ein Absatzrekord erreicht werden. Der Marktanteil in diesem Segment lag bei 4,8 Prozent. Weltweit verkaufte Peugeot 2011 rund 2,1 Millionen Fahrzeuge, nur 1,3 Prozent weniger als im bisher erfolgreichsten Jahr 2010. Insgesamt zehn neue Modelle sollen 2012 auf den Markt kommen, darunter das neueste der meistverkauften Baureihe 208 im April. ts

 

 
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