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Eiseskälte sorgte für Störungen bei der Saarbahn

(2012-04-16 01:58:20)

In der jüngsten Zeit ist es zu einige Verspätungen und Ausfällen im Saarbahnverkehr gekommen. Die Verantwortlichen sprechen von einer „Verkettung ungünstiger Faktoren“.

Von SZ-Redakteurin Ulrike Paulmann


Saarbahn
In der jüngsten Zeit ist es zu einige Verspätungen und Ausfällen im Saarbahnverkehr gekommen. Die Verantwortlichen sprechen von einer »Verkettung ungünstiger Faktoren«. Foto: archiv
Saarbrücken. Sie komme dauernd zu spät oder falle ganz aus – mit dieser Beschwerde im Hinblick auf die Saarbahn hat sich Marcus Schommer per Facebook an die SZ gewendet. Besonders schlimm seien die Verspätungen bei der Kälte, schrieb er. Auch andere Nutzer berichteten von ungeplanten Wartezeiten bei Minustemperaturen (siehe unten).
Die SZ fragte bei der Saarbahn nach. Sprecherin Sarah Schmitt erklärte dies folgendermaßen: „Die Mitarbeiter der Saarbahn mussten sich seit der letzten Woche in den Bereichen Infrastruktur und Fahrzeuge, zum Teil witterungsbedingt, großen Herausforderungen stellen.“

So habe es vergangene Woche auf der Neubaustrecke nach Heusweiler einen Glasfaserriss gegeben, der bis heute wegen des gefrorenen Bodens nicht endgültig habe bearbeitet werden können. Nichtsdestotrotz sei schnell eine alternative Versorgung der Strecke auf die Beine gestellt worden.

Ein weiteres Problem: Kondenswasser, das bei diesen Temperaturen – so auch vergangene Woche – in der Weiche gefrieren kann. „Sie schließt dann nicht mehr vollständig und das Fahrzeug kann nicht passieren.“ Auch dann werde umgehend der Entstördienst geschickt. Und noch in anderer Hinsicht kann das Wetter die Bahn behindern, so Schmitt: „Wir haben auf unserer Strecke die Besonderheit, dass wir mit Zwei-System-Technik fahren, unsere Saarbahnen können innerstädtisch mit 750Volt (V) und auf den Gleisen der Deutschen Bahn oder auch auf der Köllertalstrecke mit 15 Kilovolt (KV) fahren. Diese Umstellung von 750V auf 15KV oder umgekehrt kann je nach Witterung, wenn es zum Beispiel zu kalt ist, auch mal das Fahrzeug blockieren und zu einer Verspätung führen.“

Die gestrigen Verspätungen beziehungsweise Ausfälle begründete die Sprecherin mit wegen Bauarbeiten abgeschalteten Oberleitungen in Brebach. Diese versorgen normalerweise die Fahrzeuge auch außerhalb der Betriebszeiten mit Strom. Schmitt: „Da sie erst sehr spät noch mal angeschaltet wurden, waren die Batterien/Akkus der Fahrzeuge sehr stark entladen. Um in Brebach aus dem 15KV-Netz in das 750V-Netz zu wechseln, müssen die Bahnen einen etwa 80 Meter langen, stromlosen Abschnitt durchfahren. Das ist normalerweise kein Problem. Aufgrund der unterbrochenen Stromversorgung in den Nachtstunden waren die Batterien jedoch leider nicht stark genug, so dass die erste Bahn den Übergang ins 750V-Netz Richtung Saarbrücken nicht schaffte.“ Daraufhin habe das Werkstattteam ausrücken müssen. „In der Zwischenzeit haben sich dann aber auch die nachfolgenden Bahnen, die von Brebach aus starten wollten, entladen.“ Insgesamt seien so erst mal sechs Doppelzüge nicht einsatzfähig gewesen, was sich auf den Betrieb im ganzen Netz ausgewirkt habe. Deswegen sei ein Buspendelverkehr zwischen Brebach und Römerkastell eingesetzt worden. Zwischen Saargemünd/Kleinblittersdorf und Brebach sowie in der anderen Richtung bis Römerkastell seien die Saarbahnen ebenfalls gependelt, „aufgrund der Störung nicht mehr nach Fahrplan, sondern mit Verspätung.“

Bleibe es weiterhin so kalt, seien Störungen grundsätzlich nicht auszuschließen, sagte Schmitt. „Allerdings gehen wir davon aus, dass eine Verkettung von ungünstigen Faktoren, wie sie in den vergangenen Tagen vorkam, ausbleiben wird.“


Verständnis bis Unmut: SZ-Umfrage unter Saarbahnnutzern am Saarbrücker Hauptbahnhof

Saarbrücken. Dick eingepackt warteten gestern die Fahrgäste am Saarbrücker Hauptbahnhof auf die Ankunft der Saarbahn. Welche Erfahrungen mussten sie bei der Eiseskälte bisher mit Ausfällen oder Verspätungen machen? „Schon mehrmals ist bei mir die Saarbahn ausgefallen“, erzählte Matthias Zemelko (38). Obwohl er schon einmal 30 Minuten auf den Zug warten musste, fügte er hinzu: „Die Verantwortlichen bemühen sich darum, Ausfälle zu vermeiden, also beschwere ich mich nicht.“ Ähnlich sah es Ali Cantürk?(27). Bei ihm sei die Saarbahn bisher immer pünktlich gewesen. Über Verspätung oder Ausfall würde er sich zwar ärgern, sagte aber: „Das kann schon mal passieren. Das sind eben auch nur Menschen.“

Andere Fahrgäste kritisierten aber die Saarbahn GmbH. Peggy Müller (34), die wegen Ausfällen schon einige Male in der Kälte stehen musste, weiß noch genau: „Es waren einmal in der vergangenen Woche minus 14 Grad und ich habe 37 Minuten auf die nächste Bahn gewartet.“

Für sie ist die Situation nicht nachvollziehbar. „Bei den hohen Preisen für die Fahrkarten sollte man sich auf guten Service verlassen können. Der Schienenersatzverkehr muss im Notfall bereitstehen.“ Marcel Pitzenreiter (25) fügte hinzu: „Man sollte das Problem schneller in den Griff bekommen.“ Er habe einmal über eine Stunde auf die nächste Bahn warten müssen. fer


 

 
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