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Ex-Häftling: traurige Weihnachten im Saarbrücker Gefängnis
(2012-03-08 21:08:28)
An den Weihnachtstagen kommt im Saarbrücker Gefängnis etwas Besonderes auf den Teller. Andererseits schließen sich die Zellentüren früher hinter den Inhaftierten. Und die Besuchszeiten sind gerade an den Festtagen eingeschränkt.
Von SZ-Mitarbeiterin Marija Herceg
Saarbrücken. In der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken (JVA) sind 625 Männer inhaftiert. Für sie ist Weihnachten kein Fest. Stattdessen fühlen sie sich noch isolierter, vermissen ihre Familien und erleben lange Stunden auf ihren Zellen.
„Man sitzt auf seiner Acht-Quadratmeter-Zelle, starrt die Wände an, und die Gedanken drehen sich im Kreis“, erinnert sich Tom P. (Name von der Redaktion geändert). Zwischen 2006 und 2009 war er Insasse auf der „Lerchesflur“. Seine Tat: ein schwerer Raubüberfall. Das Urteil: 48 Monate Haft. 26 Monate musste er absitzen. „Und drei Weihnachten“, sagt der 39-Jährige rückblickend.
Die Feiertage erlebte er immer als Tortur. Denn während draußen Festtagsstimmung herrscht, Familien und Freunde zusammensitzen und Weihnachtslieder erklingen, ist es in den Gängen der JVA stiller. Es ist weniger Personal da, der Alltag unterbrochen. „An Feiertagen und Wochenenden arbeiten wir nicht wie üblich in drei, sondern nur in zwei Schichten – je zwölf Stunden. Das hat zur Folge, dass der Einschluss der Häftlinge nicht erst um 21.15 oder 21.30 Uhr erfolgt, sondern früher. An Heiligabend ist der Einschluss um 17.15 Uhr, an den Weihnachtsfeiertagen um 16.10 Uhr“, erklärt Gefängnisleiterin Birgit Junker. Der Alltag war Tom P. immer lieber, denn da konnte er in Küche arbeiten. „Von sechs Uhr morgens bis mittags um drei, vier war ich beschäftigt. Die Tage sind dann schnell vorbei. Zur Weihnachtszeit allerdings hat man, wenn man so will, frei. Dazu kommt, dass die Zellentür früher ins Schloss fällt.“
Der einzige Kontakt zur Außenwelt ist der Fernseher. „Aber das Weihnachtsprogramm macht’s noch schlimmer. Also TV aus. Dann aber beginnt der Film im Kopf: Erinnerungen an unbeschwerte Weihnachtsfeste kommen hoch. Gleichzeitig weiß man, dass man mit seiner Straftat den eigenen Eltern ein schlimmes Weihnachten beschert.“
In der Welt draußen ist Weihnachten ein Familienfest, im Gefängnis das Gegenteil: Die Insassen sind isoliert von der Familie, die Besuchszeiten eingeschränkt. „Ich hatte beispielsweise nie Besuch zu Weihnachten“, sagt Tom P. „Mithäftlinge mit kleinen Kindern haben noch mehr gelitten. Leider bestraft man nicht nur den Häftling, sondern eben auch die Familie: Die Frauen und Kinder, die nie eine Straftat begangen haben, aber vom Mann und Vater abgekapselt werden.“
Aber Weihnachten wird auch in der JVA gefeiert. „Wir haben in jedem Bereich Weihnachtsbäume. Die Häftlinge haben sie geschmückt. 30 Stück sind es insgesamt. Ich habe gesehen, dass manche mit Schneebällchen aus Watte geschmückt sind, andere mit Söckchen, Glöckchen und Lichterketten“, sagt die JVA-Leiterin. Dann verrät Junker den Essensplan: An Heiligabend gibt’s Hähnchen und Kroketten, am 1. Weihnachtsfeiertag Spießbraten und Spätzle, am 2. Weihnachtsfeiertag Putenkeule. „Das sind zwar keine exklusiven Festmahle, aber Gerichte, die den Durchschnittsgeschmack treffen. Wir wissen, dass das den Häftlingen schmeckt und versuchen, ihnen so ein wenig Freude zu bereiten.“
Außerdem organisieren Sozialarbeiter und Abteilungsleiter Weihnachtsfeiern auf den Abteilungen. „Ja, die geben sich richtig Mühe“, erinnert sich Tom P. „Da werden Plätzchen ausgeteilt, und man sitzt zusammen. Das ist ein bisschen Abwechslung und bringt ein wenig Normalität.“
Weihnachtliche Festlichkeit erleben die Gefangenen bei den Gottesdiensten. Der katholische Pfarrer Peter Breuer ist einer von drei Seelsorgern im Gefängnis. „Haft ist wie eine Krankheit. Manche finden Halt im Glauben“, sagt der Pfarrer. Drei Weihnachtsmessen wird Breuer halten, vier seine evangelischen Kollegen. „Die Messen sind auch bei uns festlicher und stimmungsvoller. Allerdings beschränken wir uns auf circa 35 Minuten.“ 120 bis 150 Häftlinge werden durchschnittlich in die Kapelle kommen. „Für Bedürftige haben wir Tüten mit Nüssen, Clementinen und Stollen gepackt. 115 Tüten verteilen wir.“
Tom P. ist froh, dass er dieses Weihnachten mit seiner Mutter verbringt. Dann lächelt er und sagt: „Wir Häftlinge haben uns immer ein kleines Festmahl bereitet. Jeder hat etwas beigesteuert. Das war nichts Besonders, sondern Kekse, Schokolade und Chips. Aber es ging darum, sich Weihnachten vorstellen zu können. So wie es früher war. Und die, die nichts hatten, haben von den anderen, die mehr Geld hatten, weil sie arbeiten konnten, Tabak oder Kaffee geschenkt bekommen. Wir haben geteilt. Und darum geht’s doch auch an Weihnachten!“
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