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Calypso-Chef: Saarbrücken betreibt Misswirtschaft bei Schwimmbädern
(2010-03-12 08:09:00)
Zoff zwischen Bad-Betreiber und Stadt geht weiter
Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen
Rund 400.000 Besucher kommen jedes Jahr ins Calypso, so viele wie in alle städtischen Bäder zusammen.
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Saarbrücken. Wenn die Politik nicht so einfach vorgeprescht wäre, hätte Hans-Heinrich Blöcker, der Geschäftsführer des Calypso-Bades sich noch etwas Zeit gelassen mit seinem Brief an die Chefetage im Rathaus und den Stadtrat. „Aufgrund der geschäftsschädigenden Darstellungen“, die in der Debatte um Schwimmbadschließungen immer wieder in Umlauf gebracht worden seien, sah Blöcker allerdings schnelleren Handlungsbedarf.
Und so hat er einen Brief geschrieben, in dem er nicht nur das Konzept des Calypso verteidigt, sondern der Saarbrücker Verwaltung und Politik Missmanagement und Ahnungslosigkeit vorwirft. „Der Vorschlag zum Beispiel, das Calypso sofort zu schließen, um damit die anderen Bäder zu retten (weil dann ja kein Zuschuss mehr gezahlt werden muss), kommt zwar politisch sicher gut an, ist aber wirtschaftlich Unsinn im Kubik“, schreibt Blöcker.
Betreiber: Calypso lohnt sich
Er macht folgende Rechnung am Beispiel es Jahres 2008 auf: Da habe das Calypso von der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 776.369,59 Euro bekommen. Das Calypso habe aber im Gegenzug 952.135,04 Euro Pacht an die städtische Gesellschaft KBS gezahlt. Außerdem 119.823 Euro Gewerbe- und 100.719,73 Euro Körperschaftssteuer. Dazu komme noch Lohnsteuer in Höhe von 150.394,32 Euro.
Während also die von der städtischen Bäderbetriebsgesellschaft BBS geführten Bäder Verluste einfahren, mache nicht nur die private Calypso-Betreibergesellschaft Gewinn, sondern auch die Stadt selbst. Wobei das Calypso mit rund 400.000 Besuchern so viele Menschen anlocke wie alle städtischen Schwimmbäder zusammen – in manchen Jahren sogar mehr.
Schwimmbad-Übernahme teuer für die Saarbrücken
Wenn die Stadt, wie von Politikern immer wieder gesagt wird, den 1999 geschlossenen Pachtvertrag zum 31. Dezember 2011 kündige, werde das teuer für die Stadt, warnt Blöcker. Zum einen habe die private Betreibergesellschaft damals in Absprache mit der Stadt Fördergeld beim Land beantragt und bekommen. Die Förderung sei auf 15 Jahre zweckgebunden und sei nur für Privatunternehmen vorgesehen. Übernehme die Stadt das Bad früher selbst, müsse wohl Geld zurückgezahlt werden.
Darüber hinaus traut Blöcker der Stadt und ihren Tochterunternehmen das Management eines solchen Bades nicht zu. Die BBS bekomme fürs Management von nur drei städtischen Bädern 361.954 Euro im Jahr – „und das obwohl bei der Bäderverwaltung der Stadt auch noch rund 156.000 Euro Personalkosten anfallen“, schreibt der Calypso-Chef. 822.930 Euro kassiere zusätzlich der städtische Gebäudemanagementbetrieb (GMS). Die Frage sei, „welche Leistungen dem gegenübertsehen“.
Das Honorar, das BBS kassiere, sei „in der Branche unüblich“. Im Klartext: Das Calypso wirft auch für Stadt trotz aller Zuschüsse einen guten Gewinn ab – zumindest so lange, wie es privat gemanagt wird.
Stadt hält sich bedeckt
Die Stadt wollte sich dazu gestern nicht äußern. Stadtpressesprecher Thomas Blug teilte lediglich mit: „Wir diskutieren derzeit das weitere Vorgehen in der Anegelgenheit Erlebnisbad Calypso intern. Hierbei werden wir auch das aktuelle Schreiben von Herrn Blöcker einfließen lassen und zu gegebenem Zeitpunkt das Gespräch mit ihm suchen. Solange die verwaltungsinterne Diskussion nicht abgeschlossen ist, werden wir uns zu einzelnen Aspekten nicht öffentlich äußern.“
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