Ramstein

Tierpornografie-Vorwurf: Polizei durchsuchte PCs und Handys

Von Von SZ-Redakteur Johannes Schleuning Veröffentlicht: Dienstag, 5. November 2013, 02:38 Uhr

Einer der Beschuldigten räumte im Gespräch mit der SZ ein, eine zoophile Neigung zu haben.
Foto: dpa (Symbolfoto)

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Der Fall hatte im Frühsommer Aufsehen erregt: Bei einer Feier in einem Dorf bei Ramstein sollen Tiere sexuell missbraucht worden sein. Die Polizei hat inzwischen eindeutige Aufnahmen auf damals beschlagnahmten Handys und PCs gefunden. Die bundesweit kursierenden Vorwürfe lassen sich damit aber weiterhin nicht belegen.

Verbrechen Polizei
Einer der Beschuldigten räumte im Gespräch mit der SZ ein, eine zoophile Neigung zu haben. Foto: dpa (Symbolfoto)
Die teils heftige Auseinandersetzung um angeblich sexuellen Missbrauch von Tieren in einem Dorf bei Ramstein hält an. Die Polizei hat inzwischen auf Computern, CDs und Handys, die nach Hinweisen von Tierschützern am vorletzten Aprilwochenende bei einer Feier auf dem Anwesen des Beschuldigten Martin P. beschlagnahmt worden waren, tierpornografische Darstellungen gefunden. Diese seien „aber wohl nicht“ auf der besagten Feier in Reuschbach mit rund 20 Gästen aus Deutschland und der Schweiz aufgezeichnet worden, teilte Eberhard Bayer von der Staatsanwaltschaft Zweibrücken der SZ mit. Es seien allerdings noch nicht alle Datenträger ausgewertet worden. Bei zwei Pferden und fünf Hunden, die am Abend des 20. April ebenfalls von der Polizei beschlagnahmt und anschließend veterinärmedizinisch untersucht worden waren, konnte ein sexueller Missbrauch nicht nachgewiesen werden (wir berichteten).

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Bayer wird nun geprüft, ob die gefundenen tierpornografischen Darstellungen rechtswidrig verbreitet wurden. Der Besitz tierpornografischen Materials selbst ist nicht strafbar. Laut Bayer besteht die Möglichkeit, dass die gefundenen Darstellungen älteren Datums sind und im Zusammenhang mit einem Strafbefehl stehen, den der Beschuldigte Martin P. bereits im Februar 2012 wegen Verbreitung tierpornografischer Schriften erhalten hatte. Unklar wäre dann jedoch, in welchem Zusammenhang diejenigen tierpornografischen Darstellungen entstanden, die von der Polizei offenbar auch auf Handys von Gästen der Feier ermittelt wurden. Denn die Gäste haben nach Angaben des Beschuldigten Martin P. „nichts mit der Strafbefehl- Sache vom vergangenen Jahr zu tun“, wie er unserer Zeitung sagte.

Er selbst beteuert, seit dem Strafbefehl „nichts Derartiges mehr getan zu haben“ und dass es bei der Feier im April dieses Jahres nicht zu sexuellen Handlungen mit Tieren gekommen sei. Während ein aktueller Übergriff auf Tiere derzeit also nicht nachzuweisen ist, sieht sich P. (ebenso wie sein Lebensgefährte Thomas P.) weiterhin massiven Anfeindungen ausgesetzt. So haben Unbekannte vor zwei Wochen auf seine Hauswand in großen Lettern „Tierpuff, Du Sau“ und ein Hakenkreuz gesprüht. Bereits Mitte Juli waren in der Nacht teilweise vermummte Gestalten mit Baseballschlägern vor dem Haus von P. aufgetaucht. Auf einem Plakat, dass die Polizei am nächsten Morgen an einem Laternenpfahl gegenüber des Hauses fand, stand unter anderem: „In jedem Tierschänder steckt ein potentieller Kinderschänder!“ Das Plakat zierte ein Wappen mit dem Schriftzug „APC Viking Div. Mjölnir“, was von der Polizei als Hinweis auf einen rechtsextremistischen Hintergrund gedeutet wurde.

Die Identität von drei der vermummten Gestalten hat die Polizei in Landstuhl inzwischen ermitteln können – und Anzeige wegen Belästigung der Allgemeinheit erstattet. Das Plakat hingegen konnte „vom Fachkommissariat Rechtsextremismus in Kaiserslautern bislang keiner bestimmten Gruppierung zugeordnet werden“, erklärte Thomas Baadte, Leiter der zuständigen Polizeiinspektion in Landstuhl. Anhängig seien zudem zahlreiche weitere Anzeigen in Verbindung mit dem umstrittenen Fall in Reuschbach. Der Beschuldigte Martin P. selbst hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, nachdem man Ende Juli eine Scheibe seines Hauses eingeschmissen hatte. Auch hat er Anzeige gegen einen Tierschützer aus Recklinghausen wegen Verleumdung erstattet. Dieser hat wiederum mit einer Gegenanzeige reagiert. Für den Mann aus Recklinghausen ist nach Angaben auf seiner Internetseite längst zweifelsfrei bewiesen, dass bei dem Treffen in Reuschbach Tiere sexuell missbraucht wurden.

Auf dieser Internetseite ist auch zu lesen: „Sollten die Behörden weiter das Treiben im Tierbordell fördern statt verhindern, dann müssen wir andere Wege finden!“ Nachdem die SZ über diesen indirekten Aufruf zur Gewalt und das Auftauchen des mutmaßlich rechtsgerichteten Schlägertrupps vor dem Haus von Martin P. berichtet hatte, ist hinter dem erwähnten Satz auf der Internetseite nun immerhin folgender hinzugefügt worden: „Dann müssen wir mit den Medien arbeiten.“ Die Vorwürfe gegen Martin P. ziehen inzwischen das ganze Dorf in Mitleidenschaft. Am Ortseingang haben Unbekannte vor einigen Wochen auf den Straßenasphalt geschrieben: „Tierfick-City“. Es ist dort bis heute zu lesen.




HINTERGRUND

Sex mit Tieren ist erst seit Mitte Juli (nach einer Änderung des Tierschutzrechts) verboten. Sollten sich die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Tieren am vorletzten Aprilwochenende in Reuschbach bewahrheiten, wäre dies also nicht strafbar. Geahndet werden kann nur die Herstellung und Verbreitung von Tierpornografie (Strafgesetzbuch §184a) sowie wenn Tieren „erhebliche Schmerzen oder Leiden“ (Tierschutzrecht §17) zugefügt wurde. jos  
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