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Abriss: Ehemalige Raketenstation in Grügelborn verschwindet

Der gelbe Bagger steht bereit, als Saar-Umeltminister Reinhold Jost (SPD) in seinem schwarzen Wagen vorfährt. Ein skeptischer Blick, und dann sagt er: „Und ich soll das Ding nachher bedienen?“ Seine Angst ist unbegründet. Als er wenige Minuten später im Führerhaus sitzt, hat er sichtlich Spaß an seiner außergewöhnlichen Aufgabe. Er lässt auch nicht locker, bevor er ein großes Stück der hellgrünen Wand samt Fenster herausgebrochen hat. Damit sind die Abrissarbeiten am letzten Gebäude eingeleitet, das noch an die ehemalige Nato-Raketenbasis in Grügelborn erinnert. Schon lange ist dort kaum noch etwas Amerikanisches zu sehen; hier und da ein Hinweis in englischer Sprache. Auch in dem ehemaligen Wohn- und Versorgungsgebäude finden sich keine US-Relikte mehr.

Lediglich eine braune Bowlingkugel auf dem Müllhaufen könnte aus der Zeit des Kalten Krieges stammen. In fünf bis sechs Wochen, erklärt Eberhard Veith, der Geschäftsführer der Naturland Ökoflächen-Management- GmbH, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann geht es an die Renaturierung. Das lässt sich das Land 260 250 Euro kosten. Das sind 80 Prozent der Summe, die die NaturlandÖkoflächen- Management- GmbH investiert. Den symbolischen Scheck übergibt Jost am Dienstag. Dabei ist auch Rainer Wicklmayer, Ehrenvorsitzender der Naturlandstiftung Saar, der 2008 den Anstoß für das heutige Fern-Programm gab, das den Abriss derartiger Anlagen bezuschusst. Auch heute noch appelliert er an die Verantwortlichen, „nicht mehr zu verbrauchen als man zurückbaut; sonst ist unser Land bald am Ende“.

Täglich gingen in Deutschland rund 80 Hektar Flächen der freien Landschaft für Bauprojekte und Infrastrukturprojekte verloren. Das entspricht etwa 113 Fußballfeldern, rechnet Jost vor. Im Saarland habe der durchschnittliche Flächenverlust zwischen 2008 bis 2011 rund 7000 Quadratmeter pro Tag beragen. In Anbetracht dieser Zahlen zeigen sich am Dienstag alle Beteiligten froh, dass das Gelände, das zuletzt als Müll- und Schrottplatz keine Augenweide war, der Natur zurückgegeben wird. Dort entstehe eine Wiese, „echte Natur“, wie es Jost ausdrückt. Freisens Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) freut sich, dass bei diesem Projekt „keine Flickschusterei“ betrieben werde. Die Naturschützer kümmerten sich sowohl um Abriss als auch um Renaturierung und Entsorgung. Da das Gelände unbelastet sei, gehe es jetzt sehr schnell. Im Juli, August sollen dort die ersten Tiere auf der Wiese stehen. Und Scheer hofft, dass „wir irgendwann Galloways hier sehen“, spezielle Rinder.

HINTERGRUND

Die Nato-Raketenbasis in Grügelborn wist ein Relikt des Kalten Krieges. Erste konkrete Pläne wurden durch den damaligen Landrat Schütz am 7. April 1960 veröffentlicht. Nachdem die Franzosen die Anlage zunächst als Munitionsdepot genutzt haben, übernahmen sie die Amerikaner bald als Raketenstellung. Ausgerüstet war die Basis unter anderem mit Hercules- und Hawk-Raketen, heißt es von amerikanischer Seite. Bei einem Bombenanschlag auf einen Stützpunkt der US-Armee im September 1985 wurden drei mobile Radarstationen für Hawk-Luftabwehrraketen zerstört. Die Täter werden im Umkreis der Roten-Armee- Fraktion vermutet. 1992 gaben die Allieerten die Station auf, anschließend war sie ein Flüchtlingslager für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, später wurden die Gebäude gewerblich genutzt. Ein großer Teil ist schon seit vielen Jahren ein Gewerbegebiet. him
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