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Adieu Villeroy & Boch: Luxemburger Werk schließt

Luxemburg/Mettlach. Das seit 240 Jahren gefertigte Service Alt Luxemburg, das in so manchem Haushalt zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt wird, wird es auch künftig geben. Nur kommt das Geschirr aus leicht cremefarbenem Porzellan und mit dem blauen Blütenzweig-Dekor nicht mehr aus dem Großherzogtum. Das Villeroy & Boch-Werk (V&B) an dem Traditionsstandort schließt heute endgültig seine Tore. Die Schließung ist Teil des Verschlankungsprogramms, mit dem V&B sein Überleben auch nach dem Einbruch infolge der Wirtschaftskrise sichern will.

Massive Proteste gegen Schließung

Die Entscheidung zum Stopp der Maschinen im Großherzogtum hatte im vergangenen Herbst massiven Widerstand unter den 220 Arbeitern des Werks hervorgerufen. Organisiert von den luxemburgischen Gewerkschaften, waren sogar Demonstranten ins etwa 50 Kilometer entfernte Mettlach gezogen und hatten Steine auf die altehrwürdige V&B-Zentrale geworfen.

Seit im November ein Zwölf-Millionen-Euro-Sozialplan vereinbart wurde, ist es eher still um die "umkämpfte" Fabrik geworden. Nicht einmal Luxemburgs Wirtschaftsminister Jeannot Krécké will mehr etwas dazu sagen. Als der Schließungsplan im März 2009 bekanntwurde, hatte er sich noch empört: "Das ist nicht die Art, wie in Luxemburg normalerweise in solchen Fällen verfahren wird."

"Uns gefällt es auch nicht, Ursprungwerke schließen zu müssen. Aber die Produktion in Luxemburg war einfach zu teuer", sagt V&B-Vorstandschef Frank Göring. Außer der dortigen Fabrik wurde das schon lange bestehende Werk in Lübeck-Dänischburg dicht gemacht.

Auch wurde bereits die Fabrik im schwedischen Gustavsberg verkleinert, Werke in Italien und Tschechien wurden verkauft, die Produktionszweige Sanitärkeramik und Wellness sind schon auf wenige Standorte konzentriert. Der Abschluss des Restrukturierungsprogramms ist für das erste Quartal 2011 geplant. Dann soll die Produktion 15 bis 20 Prozent billiger sein als vor Beginn der Krise, die Zahl der Beschäftigten um 1200 auf rund 8500 geschrumpft sein. V&B hat dadurch nach Überzeugung von Vorstandschef Göring erst einmal seine Zukunft gesichert: "Villeroy & Boch ist deutlich fitter als noch vor einem Jahr. Wir sind auf dem richtigen Weg."

Villeroy & Boch muss 71,5 Millionen Euro Strafe zahlen

Nun könnte die EU-Kommission seine Pläne durchkreuzen, schon in diesem Jahr auch im Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Denn die Wettbewerbshüter verlangen satte 71,5 Millionen Euro als Bußgeld für angebliche Preisabsprachen mit anderen Badezimmer-Ausstattern. V&B will die EU-Forderung vor Gericht anfechten, bis zu einer Entscheidung kann es aber Jahre dauern.

Indes bleibt Villeroy & Boch seinem Traditionsstandort Luxemburg in gewisser Weise treu. Immerhin begann François Boch auf dem heutigen Gebiet des Großherzogtums Ende der 1760er Jahre mit der Serienproduktion von Keramik und führte 1770 das Dekor für Alt Luxemburg ein. Künftig werden weiter rund 90 Mitarbeiter vor allem im Marketing und Export von Luxemburg aus arbeiten. Zudem steht dort das Gästehaus der Firma, das von den Gebrüdern Boch zwischen 1782 und 1784 erbaute "Château de Septfontaines".

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