A6 Metz/Saarbrücken - Kaiserslautern Talbrücke Fechingen in beiden Richtungen Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn (11.12.2018, 16:16)

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An Saarbrückens Stadtgrenze boomt der Benzinklau

Benzinklau ist im Grenzgebiet sehr beliebt.

Benzinklau ist im Grenzgebiet sehr beliebt.

Saarbrücken. Wenn nachts ein Wagen mit französischem Kennzeichen vorfährt, dann atmen Tankstellenmitarbeiter in Saarbrücken und Kleinblittersdorf erst mal tief durch. Dann lautet nämlich die für viele Tankwarte längst nicht mehr spannende, sondern einfach nur nervenaufreibende Frage: Kommt Geld in die Kasse oder gibt es Ärger. Oder anders formuliert: Zahlt der Autofahrer das Benzin, das er in seinen Tank hat laufen lassen, oder haut er einfach ab?
Letzteres kommt nicht selten vor. Benzin im Wert von 1000 bis 1500 Euro werden an seiner Tankstelle jeden Monat auf diese Weise gestohlen, sagt ein Tankstellenpächter. Der Verlust werde zwar vom Mineralölkonzern übernommen, die Verrechnung erfolge aber erst Monate später, so dass das Geld zunächst einmal ihm selbst in der Kasse fehle.
Einige Tankstellen haben auf die flüchtenden Franzosen inzwischen reagiert. An der Tankstelle Goldene Bremm direkt an der Autobahnzufahrt nach Lothringen sind die Zapfsäulen nachts gesperrt. Wer Tanken will muss erst zur Kasse und dort seinen Personalausweis oder Führerschein als Pfand hinterlegen. An einer Tankstelle ein paar hundert Meter weiter ist nachts nur die Zapfsäule direkt am Kassenschalter zu benutzen – damit die Kassiererin das Kennzeichen notieren kann.



Schon weil die Mineralölkonzerne das wegen der Rückerstattung der Diebstahlverluste verlangen, erstatten die Tankstellenpächter in jedem einzelnen Fall Anzeige. Dass dabei etwas herauskommt, sei aber sehr selten, sagt eine Kassiererin.  Wie alle Tankstellenmitarbeiter und -pächter, die mit den Benzindieben zu tun haben, will sie ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Das gebe nur Ärger – mit den Mineralölkonzernen, denen die Tankstellen gehören und den Kunden. Ein Tankwart kann sich nur an einen Fall in etwa 20 Jahren erinnern, in dem ein Benzindieb geschnappt wurde und zum Zahlen an die Tankstelle kam.

Gute Polizei-Zusammenarbeit

„Wir haben da unsere Probleme“, räumt Engelbert Kraß vom Landeskriminalamt (LKA) ein. Dabei ist seine Dienststelle alles andere als untätig. Das LKA übernimmt für alle saarländischen Polizeidienststellen die Bearbeitung der grenzüberschreitenden Benzindiebstäle. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen von der französischen Polizei und der Gendarmerie sei auch gut, sagt er. Aber der gute Wille und der kollegiale Umgang alleine reichen nicht, um die Probleme zu lösen, erklärt Engelbert Kraß.

Problem Nummer eins: „Die Aufnahmen der Überwachungskameras sind oft sehr schlecht“, sagt der Polizist. Wenn deutsche und französische Kollegen die Bilder durchschauen und mit Fotos aus der Datenbank der Franzosen vergleichen, dann heiße es meistens: „Das könnte er sein, er könnte es aber auch nicht sein.“
Zu sehen sind auf den Bildern in der Regel junge Männer, „eigentlich nie älter als 30 oder mal 35 Jahre“, sagt Kraß. Das bestätigen auch die Menschen an den Tankstellen. Es seien nicht „die Franzosen generell“, die wegfahren, ohne zu bezahlen.  Es sei eine „problematische Gruppe junger Leute“, beschreibt es eine Kassiererin.



Sollten die französischen Polizisten jemanden auf den Fotos erkennen oder nachweisen können, dass der ermittelte Halter eines Fahrzeuges auch sicher am Steuer saß, dann dürfen sie erstmal nichts tun. Denn die jungen Männer haben ja in Frankreich keine Straftat begangen. Zum Verhör laden dürfen in diesen Fällen nur die deutschen Kollegen. Zu diesen Verhören erscheint aber niemand, erklärt Kraß.

Nun sei die Staatsanwaltschaft am Zug. Die muss bei der französischen Staatsanwaltschaft um Amtshilfe bitten – also darum, dass die französische Staatsanwaltschaft die französische Polizei beauftragt, die Verdächtigen zu verhören. Sollte es so weit kommen, geht das Ergebnis dieser Verhöre wieder an die deutsche Staatsanwaltschaft, die dann entscheidet, ob sie den Fall weiterverfolgt und die Kollegen in Frankreich nochmal um Hilfe bittet.

Ein kompliziertes Verfahren, das selten zu Ergebnissen führt. Das schmerzt viele Tankstellenmitarbeiter genauso sehr wie das verlorengegangene Geld. „Das ist alles ziemlich frustrierend. Man steht da wie ein Depp“, sagt ein Tankwart. „Im Supermarkt kann man ja auch nicht einfach mit dem vollen Einkaufswagen an der Kasse einfach durchfahren. Wieso glauben die, sich das bei Tanken rausnehmen zu können“, ärgert sich eine Kassiererin.

 Aber wieso tanken Franzosen eigentlich an Tankstellen in Saarbrücken und Kleinblittersdorf? Das Benzin ist in Frankreich doch billiger. Es gehe nicht nur ums Benzin, erklärt ein Tankwart. Zigaretten und Alkohol sind auf der deutschen Seite der Grenze billiger. Weil das Benzin in Frankreich nicht mehr wesentlich billiger sei, verbinden viele Franzosen den Zigaretten- und Alkohol-Einkauf gleich mit dem Tanken. Solche Franzosen, und das sei die Mehrheit, seien willkommen. Bei ihnen stelle sich nicht die Frage, ob sie bezahlen oder nicht. Die seien ehrlich.

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