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Anwohner beschweren sich über Müll und Lärm in der Frankenstraße

Der Hinterhof des Kulturzentrums Breite 63 - hier fand eine Informationsveranstaltung für die Anwohner aus der Frankenstraße statt.

Der Hinterhof des Kulturzentrums Breite 63 - hier fand eine Informationsveranstaltung für die Anwohner aus der Frankenstraße statt.

Der Bürgermeister glaubt an den Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist. Malstatt, sagt Ralf Latz ( SPD ), habe eine „große Integrationskraft“. Er steht vor etwa 100 Anwohnern im Kulturzentrum Breite Straße 63, und es klingt beinahe, als wolle er ein Problem, das ihn seit Monaten beschäftigt, durch Beschwörung lösen: die Frankenstraße. Doch er weiß natürlich, dass der Glaube an einen Stadtteil allein nicht hilft. Seit Anfang des Jahres gibt es eine Arbeitsgruppe mit mehr als 20 Mitgliedern: Sozialarbeiter , Mitarbeiter des Stadtteilbüros, Fachleute aus der Verwaltung, Polizisten. An diesem Abend sind sie alle da, um mit den Anwohnern zu sprechen. Auf den Tischen stehen Wasserflaschen und Körbe voller Brezeln. Anwesenheitslisten werden von Platz zu Platz gereicht.

Wer in Saarbrücken Frankenstraße sagt, meint Roma . Und die Beschwerden über sie. 200 bis 300 Roma leben nach Schätzung der Verwaltung derzeit in der Landeshauptstadt. Da beim Einwohnermeldeamt die Staatsbürgerschaft erfasst wird und nicht die Ethnie, kennt niemand die Zahl ganz genau. Die Verwaltung kann allerdings sagen, dass von den 53 gemeldeten Bewohnern der beiden Häuser in der Frankenstraße 45 die rumänische Staatsbürgerschaft haben. Wo die in Saarbrücken lebenden Roma herkommen, darüber steht im städtischen Melderegister nichts. Hier hilft die Erfahrung der Sozialarbeiter . Sie wissen, dass ein großer Teil der Roma in der Frankenstraße aus Spanien und Portugal nach Saarbrücken zugewandert ist. Sie waren in Südeuropa als Erntehelfer beschäftigt und wurden arbeitslos.

Wie viele wirklich in den beiden Häusern in der Frankenstraße leben, weiß niemand. Zwei Mal so viele wie gemeldet, drei Mal so viele? Bei der Versammlung, die die Stadt einberufen hat, um mit den aufgebrachten Nachbarn zu reden, ruft jemand; „Einer geht, 20 kommen.“

Vor allem abends wird es laut in der schmalen Straße. Das Leben spielt sich draußen ab, denn die Wohnungen sind zu klein für die vielen Menschen, besonders wenn Freunde und Verwandte zu Besuch kommen. Erwachsene halten Schwätzchen, Kinder spielen bis in die Nacht, Bälle knallen gegen Hauswände. Der nächtliche Lärm strapaziert die Nerven der Nachbarn aufs Äußerste. Während sie in der Versammlung darüber reden, werden sie selbst laut.

Als Rodica Wollscheid, gebürtige Rumänin, die viel mehr als nur Übersetzungsarbeit leistet, erklärt: „ Roma treffen sich gerne, sie besuchen sich gerne, das gibt ihnen Halt“, lachen einige auf – aber sie hören auch zu. Bürgermeister Latz weiß den Einsatz der jungen Frau sehr zu schätzen. „Ohne Frau Wollscheid könnten wir einpacken“, hat er erst ein paar Tage zuvor gesagt.

32 Mal haben Anwohner der Frankenstraße zwischen Anfang Juli und Anfang September die Polizei wegen Ruhestörung gerufen. Wenn die dann kommt, verschwinden die Menschen sehr schnell in den Häusern, die Straße ist leer. Sie füllt sich wieder, wenn das Polizeiauto weg ist. Gerhard Meiser, der die Polizeiinspektion in Burbach leitet, erklärt in der Versammlung, dass es „schwer bis unmöglich“ sei, gegen die Ruhestörer vorzugehen. Es lasse sich niemand mit Namen benennen, den man verantwortlich machen könne. Ruhestörung bringt die Nachbarn zur Raserei, für die Polizei ist es eine „unterschwellige Übertretung“. Schwerer wiegt, auch weil es brandgefährlich ist, was in Polizeiberichten das „ Entziehen elektrischer Energie“ heißt. Damit ist gemeint, dass die, die kein Geld haben, den Strom zu bezahlen, fremde Stromquellen anzapfen. Seit Juli wurden einige solcher Fälle zur Anzeige gebracht.
 

Anwohner wollen Ruhe



Seit Anfang 2014 fährt die Polizei häufiger durch die Frankenstraße als durch andere Straßen in Malstatt. Nach einer groß angelegten Razzia (Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen) vor ein paar Wochen sitzen auch einige Bewohner der Frankenstraße wegen Einbruchs in Haft. Für die Polizei ist die Straße dennoch kein Brennpunkt von Straftaten, höchstens ein, wie Meiser es nennt, „Brennpunkt des polizeilichen Gerufenwerdens“. Die Anwohner aber sagen, sie fühlen sich nicht mehr sicher. Die Straße ist ihnen zu voll, zu laut, zu schmutzig. Einige wollen weg, alle wollen endlich Ruhe. Acht Familien mit 25 Kleinkindern hat die Stadt schon aus den Häusern rausgeholt. Sie hat sich damit um die dringendsten Fälle gekümmert; dringend geworden aus hygienischen und somit gesundheitlichen Gründen, auch weil das Wohl von Kindern gefährdet war. Den Familien wurden Wohnungen in anderen Straßen vermittelt. Weitere Roma würden gerne umziehen. Es gibt jedoch nicht genügend städtische Wohnungen, und Besitzer von Privathäusern vermieten nicht gerne an Roma .

Gerade erst hat eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bestätigt, dass jeder dritte Deutsche nicht neben Sinti oder Roma wohnen will. Die Studie besagt, dass beide Gruppen stärker abgelehnt werden als jede andere Bevölkerungsgruppe. Bei der Saarbrücker Versammlung diese Woche sprach es zwar keiner offen aus, aber man kann sich vorstellen, wie so mancher Satz enden könnte. „Ich wüsste schon, was man mit denen machen könnte“, sagt ein Mann. „Wenn die Stadt nichts unternimmt, gibt es einen Bürgerkrieg“, schreit eine Frau.

Die Romafrauen, die mit Kindern zur Versammlung gekommen sind, sprechen zu wenig Deutsch, um entgegnen zu können. Immerhin sind sie da. Es sind Frauen, die versuchen, die Straße sauber zu halten. In ihren Wohnungen könne man vom Boden essen, sagt eine Mitarbeiterin der Stadt – und erntet höhnisches Gelächter aus dem vollen Saal. Als die Rede davon ist, dass die Frauen Arbeit haben, erklingt es erneut. Steckt dahinter nicht das weit verbreitete Vorurteil, Roma seien schmutzig und faul?

Eine der Anwohnerinnen, die in der Versammlung das Wort ergreift, formuliert ganz klare Erwartungen an ihre neuen Nachbarn : „Wenn man in eine Gemeinschaft als Gast hineinkommt, hat man sich zu benehmen, wie ein Gast sich benimmt.“ Das bedeutet wohl: Straße fegen, Müll in die Tonne tun, im Haus bleiben und abends strikte Ruhe. Der Lärm bis tief in die Nacht zermürbt die Nachbarn . Fast alle beschweren sich, dass die Stadt zu wenig tue. Auch einer der Verwalter der beiden Häuser, die von Romafamilien bewohnt werden. Das will eine resolute Malstatterin, die selbst vermietet, so nicht stehen lassen. Hausbesitzer müssten sich kümmern, sagt sie. Man könne nicht alle Schuld der Stadt geben. Die beiden Häuser, in denen Roma wohnen, haben seit kurzem neue Eigentümer. Die könnten darauf achten, dass Müll nicht in Hinterhöfe geworfen wird und Hausordnungen eingehalten werden. Eines der ganz großen Problem jedoch bleibt bei der Stadt. Sie weiß, dass Strom überbrückt wird, und sie weiß, wie gefährlich das ist. Deshalb hat sich, sagt Bürgermeister Latz, die Feuerwehr „auf einen Bedarfsfall eingestellt“.  
© WhatsBroadcast
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