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Anwohner im Finstern: RAG hat Straßenbeleuchtung in der Parkstraße abgeräumt

Blick in die Luisenthaler Parkstraße: links der einstige Verwaltungsbau der Grube Luisenthal, rechts Privathäuser. Die Straße gehört dem Bergbauunternehmen. Und das hat im Herbst alle Straßenlampen abmontiert.

Blick in die Luisenthaler Parkstraße: links der einstige Verwaltungsbau der Grube Luisenthal, rechts Privathäuser. Die Straße gehört dem Bergbauunternehmen. Und das hat im Herbst alle Straßenlampen abmontiert.

Mittwochabend, 20.20 Uhr, Abstecher nach Luisenthal . Hinter dem Mahnmal, das ans Grubenunglück von 1962 erinnert, links rein. Nach ein paar Metern Fahrt hat man den Eindruck, man sei am Ende jeglichen bewohnten Gebietes, ja fast am Ende der Zivilisation angelangt: Es ist stockdunkel. Selbst mit sehr hellen Autoscheinwerfern hat man Mühe, den Kurvenverlauf zu erkennen, von Unregelmäßigkeiten im Asphalt zu schweigen. Gäbe es Glatteis auf der ansteigenden Strecke, man sähe es nicht. 100 Meter weiter schwacher Schein, beleuchtete Fenster, in der Parkstraße ist jemand zuhause – denn gegenüber dem schon lange ungenutzten Bürobau der früheren Grube Luisenthal stehen Wohnhäuser. Um sie herum aber herrscht im gesamten Sackgässchen geradezu ägyptische Finsternis.

Nicht erst seit gestern, hatten Anwohner Otto Ackermann und seine Frau Annerose zuvor am Telefon berichtet: Die RAG habe im Herbst 2016 die Straßenlaternen abgebaut. Ohne Vorwarnung, ohne Ersatz, die Anlieger sitzen abends im Dunkeln. „Wir haben schon einen lieben Brief an den Oberbürgermeister geschrieben“, sagt Ackermann, bisher sei aber keine Antwort gekommen. Und jetzt, da auch noch das Mondlicht schwindet – am Samstag ist Neumond –, ist den beiden die rabenschwarze Dunkelheit so sehr aufgefallen, dass sie bei der SZ angerufen haben. Ackermann, 85 Jahre alt, war nach eigener Auskunft früher Werksmarkscheider auf der Luisenthaler Grube. Und kennt die Eigentumsverhältnisse: Die Straße gehört nicht der Stadt, sondern der RAG.

Was Völklingens Bürgermeister Wolfgang Bintz ( CDU ) bestätigt: „Die Stadt hat dort keine Verkehrssicherungspflicht“, sagt er. Die RAG sei in der Pflicht, es handele sich um eine Privatstraße. Wobei die Erschließung der Anlieger-Grundstücke gesichert bleiben müsse. Und: Einfach die Beleuchtung zu kappen, „das geht nicht“, sagt Bintz kategorisch.

Rudolf Krumm von der RAG Montan Immobilien (MI) GmbH – sie kümmert sich um den Grundbesitz der RAG – hält dagegen. „Nach unserer Rechtsauffassung gibt es keine zwingende Verpflichtung, auf einer Privatstraße Beleuchtung aufrechtzuerhalten“, sagt er. Bei einer Überprüfung im August habe sich gezeigt, dass die Straßenlaternen in sehr schlechtem Zustand waren und nicht zu „ertüchtigen“; daraufhin habe man sie im Oktober abgebaut. Aber unabhängig vom Rechtlichen suche man eine Lösung. Im Gespräch mit der Stadt. Etwa derart, dass die RAG die Straße an die Stadt übertrage. Eine schnelle Lösung fürs Licht sei so „wohl unrealistisch“, wenngleich erwünscht: „Niemand hat Interesse daran, das Problem zu verwalten.“

Die RAG, sagt wiederum Bintz, habe bisher noch nicht mal den Antrag gestellt, dass die Stadt die Straße übernehme. Das komme auch erst in Frage, wenn die RAG die Straße saniert habe. Bintz' zorniger Kommentar: Die Beleuchtung auszuknipsen, „ist keine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadt“. Mehr noch: „Das ist eine Aktion, die einer Nötigung gleichkommt.“

Otto Ackermann erinnert sich, dass auch er in seiner aktiven Gruben-Zeit mal den Auftrag bekam, Straßenlampen abzuschalten. Dagegen habe damals die Gewerkschaft protestiert – und binnen drei Tagen sei das Straßenlicht repariert gewesen. „Leider haben wir jetzt keine Gewerkschaft mehr“, fügt er halb lachend, halb seufzend hinzu.

 

 

 

 

Einst taten sie, was sie wollten, weil sie stark waren – Stahl- und Bergbaufirmen beschäftigten Tausende von Menschen und waren eine Macht. An der Stärke haben etliche Krisen gerüttelt. Die Stahl-Leute haben daraus gelernt. Bei den Bergbau-Leuten aber scheinen alte Verhaltensweisen, für die einst der Begriff „Kohle-Barone“ geprägt wurde, bis heute wirksam: Noch immer führt sich die RAG auf, als stehe sie jenseits üblicher Gesellschafts- und Geschäftsregeln. Straßenbeleuchtung abklemmen? Niemand sonst käme auf die Idee – die RAG tut es. Und argumentiert dabei, paradox genug, mit ihrer Schwäche: Ein subventioniertes Unternehmen dürfe nur bezahlen, wozu es gesetzlich unbedingt verpflichtet sei. Höchste Zeit, dass die Stadt die RAG energisch in die Schranken weist.

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