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Arm fünffach gebrochen: Frau lag auf Fußgängerüberweg

Burbach. Am 12. März stürzte Mechthild Schach, 58, auf dem Fußgängerüberweg in der Burbacher Bergstraße und brach sich fünfmal den Oberarmknochen. Sieben Monate später schmerzt der Arm immer noch, und „die Bewegung ist eingeschränkt“. Damit sich das ändert, geht die Burbacherin seit Monaten jeden zweiten Tag zur Krankengymnastik. „Mein Arm wurde zweimal operiert“, schildert sie und hebt ihren rechten Arm waagerecht an. „Mehr geht noch nicht“, sagt die Diätassistentin, „aber ich muss wieder fit werden, denn den ganzen Tag zuhause ist nichts für mich.“ Neben den körperlichen Schmerzen beschäftigt sie aber ein weiterer Gedanke: Warum hat mir niemand geholfen, als ich hilflos auf der Straße lag?
„Ich war auf dem Weg zur Kirche St. Eligius. Es war trocken, hell, und ich habe keine Ahnung, warum ich gestürzt bin. Beim Fallen dachte ich nur: bloß nicht auf den Kopf.“ Die Rechtshänderin fiel auf ihren rechten Oberarm. Ihre Brille rutschte über die Straße. „Ich wollte nach ihr greifen, merkte aber, dass ich meinen rechten Arm nicht bewegen konnte.“ Der nächste Gedanke war: „Ich blockiere hier alles.“



Begleitet von einem Hupkonzert rappelte sich die Frau auf und überquerte schließlich die Straße. „Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich dalag.  Aber es waren sicher einige Minuten.“

Die Kreuzung in Burbach ist eine Durchfahrtsstraße. Von allen drei Seiten standen Autos an der Ampel. Keiner der Autofahrer stieg aus, um der Frau auf die Beine zu helfen. Stattdessen „wurde gehupt“, sagt Schach und schüttelt auch sieben Monate später verständnislos den Kopf. „Geholfen hat mir niemand.“ Erst als sie auf der Kirchentreppe saß, bemerkte sie die starken Schmerzen in der Schulter. Mechthild Schach rief ihren Sohn und ihre Schwiegertochter an, die sie ins Krankenhaus fuhren. Im Nachhinein hat sie sich viele Gedanken über den Vorfall gemacht.
Noch heute begreift sie nicht, wieso keiner der Autofahrer ausgestiegen ist. Seit 34 Jahren lebt sie in Burbach und fühlt sich hier zuhause und gut aufgehoben. „Oft wird ja von Burbach im negativen Kontext berichtet. Im Nachhinein glaube ich, dass die Autofahrer dachten, ich sei betrunken.“

Bis heute ist sie über die Gleichgültigkeit und die fehlende Empathie geschockt. „Ich erlebe das als Gesellschaftsproblem. Die Menschen sind desinteressiert, phlegmatisch und oberflächlich. Keiner will sich mehr einbringen“, sagt sie nüchtern: „Und das ist kein Problem der Jugendlichen, sondern zieht sich durch alle Altersschichten. Die Autofahrer waren ja schließlich alle volljährig.“

In fünf Monaten wird die 58-Jährige zum ersten Mal Oma. „Bis dahin“, sagt sie strahlend, „muss der Arm wieder einsatzbereit sein.“ Für ihren Enkel wünscht sich Schach eine Gesellschaft, die „respektvoller miteinander umgeht“. Eine bessere Welt fängt bei den kleinen Dingen an, findet sie. Und einer hilflosen Frau zu helfen, sollte selbstverständlich sein.

© WhatsBroadcast
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